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Briefe über Deutschland (5)

 

Lieber Julian,

Asche über Dein Haupt – mit dieser Redensart haben wir noch vor wenigen Tagen manchen in Missbrauch Verstrickten zum Bekennen seiner Schuld aufgefordert. Und nun? Nun ist die Asche über unsere Häupter gekommen, wie BSE, Schweinegrippe und anderes Ungemach. Meine Reise nach Hamburg wurde zur Odyssee.

Der Ausbruch des Vulkans auf Island kam keineswegs überraschend, die europaweiten Konsequenzen waren es umso mehr. Es ist nur schwer vorstellbar, wie ein solches Naturschauspiel den kompletten europäischen Flugverkehr lahmlegen kann. Das Problem ist allerdings nicht der Vulkan, ist nicht die Asche. Das Problem ist, dass es keine fest etablierten Grenzwerte gibt. Strikte Reaktionen deshalb: umfassende Flugverbote! Hätte man nicht früher modifizierte Entscheidungen treffen können?

Was machen die Behörden im nächsten Herbst, wenn die Zugvögel gen Süden ziehen? Meine Studierenden haben es mit „Pi mal Daumen“ nach einigen Minuten berechnet und schauen mich fragend an: Was bedeuten 170 Gramm Asche in einem Kubikkilometer? Zum Vergleich ziehen wir einen großen See heran, in den ein kleines Kind gepinkelt hat. Bade- oder Trinkwasserverbot?

Und wie hast Du es schließlich geschafft von Spanien zurück nach Kanada? Von Hamburg in den Schwarzwald fährt ja die Bahn, aber wie kommt man ohne Flugzeug von Madrid nach Montreal? Ich hoffe Dich dennoch gut daheim,

Dein Rich

Im wöchentlichen Wechsel schreiben sich hier Friedrich Engelke, 68, Physiker aus Villingen, und sein Stiefsohn Julian, 30, Umweltberater aus Montreal

 

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