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Wie man trotz lausiger Rente überlebt

 

Kürzlich schneite meine Renteninformation ins Haus. 305,75 Euro erwarten mich demnach in zwölf Jahren. Zeit genug, mich ordentlich abzuhärten, damit ich mir dereinst irgendwo im Wald ein Zelt aufschlagen kann und die komplette Summe monatlich für meinen luxuriösen Lebenswandel (Zigarillos, Milchkaffee, ab und zu Hammelrippchen mit wildem Knoblauch) zur Verfügung habe. Mein jüngster Sohn, dem ich davon erzählte, fragte mich, wie „die“ sich das denn vorstellen. Ich klärte ihn auf, dass „die“ sich gar nichts vorstellen müssten, und mir bliebe ja immer noch der Greisenstrich. „Das will ich nie wieder von dir hören!“, protestierte er und versprach, reich zu werden und für mich zu sorgen.

Nett, aber Konflikte mit der Schwiegertochter will ich nicht. Ich habe drei Kinder großgezogen, wurde nach der Wende „abgewickelt“ und umgeschult, ließ mich scheiden, war wegen „Überqualifizierung“ nicht vermittelbar, gründete eine Ich-AG und habe es, obwohl aus der Zeit meiner bewegten Biografie 34 Jahre berücksichtigt werden, nur auf 11,9610 Rentenpunkte gebracht.

Aber mir wird schon was einfallen. Ich werde meinen gebrauchten Wagen schön pflegen – vielleicht geht’s dann auch ohne Zelt. Ich gewöhne ihn an altes Frittenöl und düse durch warme Länder und futtere wilde Kräuter. So wie die Kaninchen aus der Provence eine natürliche Würzung mit in die Pfanne bringen, wird mein Körper bei seiner Verbrennung ein aromatisches Odeur verbreiten. Es wird eine Freude sein, mir die letzte Ehre zu erweisen, jeder nimmt noch mal eine Nase voll und taumelt schon vorm Umtrunk high der Klippe entgegen, von der meine Asche in den Seewind gestreut wird. Das Leben ist wunderbar und mit der richtigen Einstellung sogar witzig – über eine lausige Rente hinaus.

Romea Hallfahrt, Holzwickede