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Sitzblockade

 

Im ICE nach Köln sitzt seit dem Startbahnhof München eine alte Dame am Fensterplatz. Auf dem zugehörigen Gangplatz liegen ihre Handtasche, die Süddeutsche Zeitung und die ZEIT. Mit jedem Halt füllt sich der Zug mehr und mehr. Irgendwann fragt jemand, ob der Platz neben ihr frei sei. Nein, der sei besetzt. Das wundert mich doch ein bisschen: Sie sitzt seit über zwei Stunden in meiner direkten Nähe – und bisher hatte ich den Eindruck, sie würde allein reisen.

Beim nächsten Halt, es sind nun fast alle Plätze im Großraumabteil besetzt, fragt wieder jemand. Und erhält die gleiche Antwort. Ich fühle mich nun doch bemüßigt, die alte Dame direkt anzusprechen und nachzufragen, wo ihr Sitznachbar denn sei. Die Antwort: „Der ist im Speisewagen.“ Seit über drei Stunden? Ich erspare mir weitere Kommentare und denke mir den Rest. Immerhin räumt sie bei der nächsten Station, bei der inzwischen dritten
Nachfrage einer Platzsuchenden, dann aber tatsächlich Zeitungen und Handtasche beiseite und gibt den Platz frei.
Ich persönlich kann mich (meist) nicht über die Deutsche Bahn beklagen,über deren Passagiere allerdings umso mehr. Erlebnisse wie das geschilderte habe ich nämlich fast jeden Tag, wenn auch meist in etwas weniger frecher Version. Vielleicht sollte auf den Fahrkarten ein ausdrücklicher Hinweis gedruckt werden, dass mit deren
Erwerb das Risiko verbunden ist, einen wildfremden Sitznachbarn neben sich dulden zu müssen?

Claudia Wagner, Freising

1 Kommentar


  1. Ich erlebte in einer Griesheimer Straßenbahn daß einer alten behinderten Frau, mit Schwerbehindertenausweis, der Sitzplatz verweigert wurde von einer jungen Frau. Begründung: „Mein Kind steht für keinen anderen auf“. Beide, Mutter und etwa fünfjähriges Kind, saßen auf für Behinderte reservierte Plätzen. Auffallend in unserer Region, wo es viele Türken gibt, wie zuvorkommend und hilfsbereit auch junge Türken gegenüber Alten sind. Mir ist schon oft begegnet, daß mir beim Hineinheben des Einkaufsrollers von freundlichen jungen Türken geholfen wujrde. Andererseits habe ich aber auch bemerken müssen, daß den jungen Leuten für ihre Hilfsbereitsschaft nicht einmal ei n „Danke“ zuteil wurde.

 

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