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Die Wunden sind verheilt

 

Dresden ist meine Geburtsstadt. Nahebei, in Dippoldiswalde, habe ich die Kindheit verlebt. Im Februar 1945, ich war achteinhalb, sah man von da aus den roten Feuerschein, nächtelang. Dort brannte auch die Frauenkirche. Nach dem Mauerfall entsprach die Idee, die Kirche wieder aufzubauen, so gar nicht unserer Vorstellung. Die Ruine sollte ein Mahnmal bleiben, wie sie es fünf Jahrzehnte lang gewesen war. Inzwischen haben wir die neue alte Frauenkirche längst für uns angenommen. Die Spuren der Zerstörung wurden mit Originalsteinen deutlich gemacht, im Innern steht das zerschundene alte Turmkreuz. Die Frauenkirche zeigt Narben des Infernos, doch die Wunden sind verheilt.

Klaus Eichentopf, Zwickau

 

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