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Hier ist Afrika (6)

 

Bevor wir auf Safari gehen, müssen wir zunächst den (unbeschilderten) Eingang zum Nationalpark finden und den Obolus bezahlen. An der Tür zum Büro prangen ausnahmsweise die Eintrittspreise. Drinnen gibt es ein paar verstaubte Raffiataschen zu kaufen und vergilbte Postkarten. Ich fühle mich wie in einem Polizeipräsidium, obwohl der Park doch zum Ministerium für Wald und Wild gehört. Ein Mann mit grimmigem Blick sitzt hinter einem breiten Schreibtisch. Es ist Sonntagmorgen, sechs Uhr früh. Der Beamte beginnt, auf einem Kindertaschenrechner mit bunten Tasten herumzudrücken und stirnrunzelnd irgendwelche komplizierten Summen auszurechnen. Parkeintritt für drei Erwachsene à 3000 plus 2000 Fotogebühr für zwei Kameras plus 2000 für das Auto macht 15 000 zentralafrikanische Francs, die ich vor Minuten abgezählt vor ihn hingelegt habe. Ehe er auch auf diese Summe kommt, sind fünfzehn Minuten vergangen, und ich verfolge inzwischen eine englischsprachige Sonntagspredigt im Radio. Nun hat er also unsere Nationalparkeintrittsgebühr korrekt berechnet und beginnt, vier verschiedene Bons auszustellen.

@ZEIT Grafik

Die Summen sind plötzlich völlig andere: für den Parkeintritt von drei Personen quittiert er 4950, fürs Auto 1100 und für die Fotogebühr insgesamt 2200 Francs. Die Differenz notiert er auf einem vierten Bon. Stempel. Stempel. Stempel. Stempel. Vier Unterschriften. Pamm! Sie hätten so eine komplizierte Buchhaltung, lässt er mich wissen. Ein Glück, dass ich den Betrag passend hatte. Bloß schnell raus zu den wilden Tieren! 15 000 Francs sind übrigens knapp 23 Euro.

Seit fast zwei Jahren lebt Tabea Müller, 37, im Nordwesten Kameruns. Als Sozialmanagerin berät sie Frauen, unterstützt ein Alphabetisierungsprogramm und andere Projekte. Hier erzählt sie jede Woche über den Alltag im Inneren Afrikas.

 

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