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Gastfreundschaft auf Walliserdeutsch

 

Ende einer Skiwoche, Samstag in der Früh, kurz vor 6.00 Uhr. Ich stehe fröstelnd am Bahnhof in Zermatt, wo tagtäglich sich Hunderte von Touristen aus aller Welt tummeln. Mein Zug geht erst etwas später, ich bin viel zu früh dran. Es ist bitterkalt, der Bahnhof fast menschenleer – ziemlich ungemütlich. Ich bin ohne Frühstück vom Hotel zum Bahnhof geeilt und jetzt stehe ich hier mit einem unbändigen Bedürfnis nach einer heißen Tasse Kaffee. Ich frage einen Bahnarbeiter, wann der Bahnhofskiosk öffnet und ob man eventuell irgendwo ein heißes Getränk herbekommen könnte. „Um diische Ziit niana“ (um diese Zeit nirgendwo), sagt er, kurz angebunden, und verschwindet irgendwo im Bahnhofsgelände. Einige Minuten später kommt einer seiner Kollegen auf mich zu: „Siid ier’s mit em Kaffee?“ (Sind Sie das mit dem Kaffee?). Ich nicke und er bedeutet mir, dass ich ihm folgen solle. Er führt mich quer über das ganze Bahnhofsgelände, dann im Bahnhofsgebäude durch mehrere Zimmer hindurch, bis zu einem gemütlichen Raum mit einem Kaffeeautomaten, in dem die Bahnangestellten wohl selbst ihren Kaffee zu „ziehen“ pflegen. Hier könne ich meiner Sucht frönen, sagt er freundlich – auf Walliserdeutsch natürlich. Mir wird so richtig warm ums Herz und ich fühle mich heimelig – und das nicht nur wegen des duftenden frischen heißen Kaffees … Wieder einmal bin ich angetan von der wohltuenden, selbstverständlichen Gastfreundschaft der Walliser und denke, dass wir hier in Deutschland wohl einiges von ihnen lernen können.

Rosa Maria Luible-Ernst, Augsburg

 

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