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Zeitsprung: Villa Dr. Estrich

 
1932

Als kleine Kinder sprangen wir fröhlich im Garten unseres Hauses in Jüterbog bei Berlin herum, nicht ahnend, dass es einmal als „Opus 1“ des berühmten Architekten Konrad Wachsmann in die Architekturgeschichte eingehen würde. Es war eine unbeschwerte Kindheit, und unser Respekt vor der Höhe der Stützmauer oder dem filigranen Geländer hielt sich in Grenzen. Für uns war die „Villa Dr. Estrich“ unser Raum zum Toben und Träumen, und das Haus war so frisch und unverbraucht wie wir. Doch die Zeit sollte uns einholen, wir Kinder gingen in die Welt hinaus, die Immobilie musste naturgemäß bleiben, wo sie war, und erlebte wechselvolle Zeiten.

2008

Nach über 80 Jahren trafen meine Cousine Eva-Maria und ich wieder in dem Garten zusammen. (Mein Bruder Wulf, der uns auf dem alten Foto voranschreitet, lebt seit 1988 leider nicht mehr.) Und beruhigt stellten wir fest, dass der Zahn der Zeit nicht nur an uns genagt hatte: Auch das Haus zeigte Risse im Gesicht. Ehrfürchtig standen wir vor dieser morbiden Architektur-Ikone der klassischen Moderne: modern im Herzen, klassisch im Blick.

Jürgen Estrich, Triesenberg, Liechtenstein

 

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