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Im Winter

 

nach Johann Wolfgang von Goethe, „Erlkönig“

Wer schlittert so flott über Graupel und Eis?
Es ist die Oma, die vom Räumen nichts weiß.
Am Morgen noch fröhlich aufgewacht –
jetzt liegt alles verschneit. Alles weiß über Nacht!

„Ja Oma, was greifst du den Stock denn so fest?“
„So hoch der Schnee, Sohn, das gibt mir den Rest.
Die Wege so glatt, ich komm nicht hinaus!“
„Ach Oma, dann geh doch zurück ins Haus!“

„Mein Sohn, mein Sohn, ich brauch doch zu essen,
die Räumdienste alle, die kannste vergessen.“
„Ach Oma, bleib ruhig, wart einfach ab,
zum Einkaufen ist mir die Zeit zu knapp.“

Die zittrige Hand fasst die Schneeschaufel schwer,
die Oma, sie findet den Weg nicht mehr.
Es rutscht das Bein, der Boden bebt,
Rollator zerbrochen, Großmutter lebt.

Heike Hagemeister, Heroldsbach, Oberfranken

1 Kommentar

  1.   Kometa

    Schön getextet. Genaue Beobachtungen, die zu einem eigenen, treffenden Gedicht werden, besonders hinsichtdlich der Rollenverteilung.

 

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