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Zeitsprung

 

Zu Ostern 1991 kaufte ich meinem Sohn Christian eines von vielen bunten Spielzeugen: Was ich früher nicht hatte, sollten meine Kinder alles haben. Ich verwahre den Plastikbagger noch heute. Christian starb im Dezember vor sechs Jahren an einer Lungenentzündung, noch keine 18 Jahre alt. Hilflose Ärzte in drei Kliniken bemüh­ ten sich 38 Tage lang um ihn, vergeblich. Zu Weihnachten haben wir Christian damals be­ stattet, es war mein letzter Gang zusammen mit meiner Familie. »Das Leben geht weiter!«, sagen die Euphe­ misten und diejenigen, die Ostern noch im ursprünglichen Sinn zu feiern glauben. Das stimmt aber nicht. Christian hinterließ eine Leere, die nichts und niemand füllen kann.

Martin Eller, Gründau, Hessen

2 Kommentare

  1.   Martin Eller

    Sehr geehrte Frau Kuen,

    ich danke Ihnen für Ihren sicher wohlgemeinten Rat. Schon lange überlege ich ob ich darauf antworten sollte.

    Es steht alles, was zu sagen war, in dem Text, den die ZEIT veröffentlichte. Dieser Text soll an Christian erinnern und an viele andere junge Menschen, die tagtäglich zu früh sterben und unersetzbar sind. Es geht nicht um mich, es geht um das Andenken an Christian.

    Eltern, die ein Kind verloren haben, verstehen das; Euphemisten raten zu „professioneller Hilfe“.

  2.   monika kuen

    Sehr geehrter Herr Eller!
    Das nette Kinderphoto und der unwahrscheinlich traurige Text, den Sie dazu schrieben haben mich sehr bewegt und ich denke immer wieder daran.
    Ein Satz in Ihrem Text ist mir irgendwie unklar, Warum schreiben Sie, dass das Ihr „letzter gemeinsamer Gang“ mit Ihrer Familie war? Hat Sie der tragische Verlust auseinander gebracht?
    Sie sollten sich professionelle Hilfe holen, obwohl niemand den Verlust wieder gut machen kann, sollten Sie doch noch Freude an ihrem Leben haben, denn es macht nichts besser, wenn Sie sich fertig machen!
    Ich kenne Sie nicht, aber, es gibt bestimmt Dinge, die Ihnen eine Hilfe sein könnten.
    Alles Gute und danke, dass Sie uns Leser an Ihrem Schmerz teilhaben ließen, Ihnen soll es helfen und uns zum Nachdenken anregen.

 

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