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Zeitsprung

 

Als wir 2001 in Sizilien Urlaub gemacht hatten, kamen wir mit Wäscheklammern zurück, von denen man in Berlin auch heute nur träumen kann. Wir gehören noch zu der Minderheit, die der Wäsche frische statt heiße Luft zum Trocknen gönnt, und waren glücklich, nun Produkte zu besitzen, die perfekt klammerten. 2008, im verflixten siebten Jahr danach, hatte sich der Bestand so reduziert, dass Neuanschaffung angesagt war. Es folgte eine Enttäuschung nach der anderen: Die erste Kunststoffklammer ging gerade noch so, die zweite aber, von 2009, rutschte nur auf der Leine. Auch Chinaware aus Holz, klein und schwach, ließ bis 2011 die Wäsche sogar von der Leine fallen. Der Urlaub 2011 auf Sardinien brachte die Wende. Da gab es doch tatsächlich Klammern, die den sizilianischen ähnelten, und wir kauften sie. Wir erinnerten uns unserer Freunde von dort, die dann die Rettung bescherten. Diese Klammern sind genauso lang wie die von 2001, ein wenig schlanker, obwohl sie den Namen »elefanti« tragen. Und sie sind sehr gut. Ein Zeitsprung, der Negatives bewirkt, kann durch Reisen ins Positive korrigiert werden.
Wolfgang K. Albrecht-Schoeck, Berlin


4 Kommentare

  1.   Martina Beisel

    Hallo Herr Albrecht-Schoeck,
    gerade habe ich Ihren Artikel im Zeitsprung von der letzten Woche gelesen. Der Inhalt hat mich spontan zu dieser mail animiert, da auch ich ein Wäscheklammernutzer bin und mich seit einigen Jahren über die miserable Qualität der auf dem Markt erhältlichen Exemplare ärgere. Allerdings waren meine perfekt klammernden Teile leider nicht aus Sizilien, sondern wurden von mir etwa Ende der 80er Jahre – ganz gegen meine Gepflogenheit – an der Haustür aus einer Behindertenwerkstatt-Produktion erstanden. Danach wurde mein Fundus nochmal aufgestockt (Herkunft nicht erinnerbar), auch ganz passabel.
    Alle weiteren Nachkäufe waren ein Schlag ins Wasser, egal ob Holz oder Kunststoff, Die Wäscheklammern klammern einfach nicht.
    Leider bin ich nicht in der komfortablen Situation, mir in absehbarer Zeit in Italien solide Wäscheklammern besorgen zu können. Aber darum ging es ja auch nicht wirklich.
    Ich fand es einfach nett, dass Sie dieses banale Thema in so ansprechender Weise dargestellt haben und somit zu einem Zeitsprung werden ließen.
    Herzliche Grüße
    Martina Beisel

  2.   Wolfgang K. Albrecht-Schoeck

    Hallo, Frau Beisel! Ihr Beitrag hat mir gut getan, mich in meiner Krtitik an der Verlotterung der Produktqualität bestärkt. Zumal ich schon den Vorschlag erhielt, in riesigen französischen Supermärkten modisch korrekte Plasteklammern zu kaufen. Dieser Kunstoffwahn nutzt meist nur der Ex- und Hopp-Mentalität. Wir sollten es nicht mit uns machen lassen und uns wehren. Ich bleibe bei den Holzklammern, fasse lieber einen Holzkochlöffel an, reibe gern die Wasserflecken am Blech der Espressomaschine ab und sitze lieber auf einer Holzbank, wenn ich ein Bier, nicht aus dem Plastebecher, sondern Glas, trinke. Ich schau mal, ob wir noch ein paar sizilianische Klammern mehr haben als wir hier brauchen. Es grüßt Sie, auf keinen Fall künstlich, Wolfgang K. Albrecht-Schoeck.

  3.   Wolfgang K. Albrecht-Schoeck

    Es gibt schon internationale Kämpfe laut dpa um Wäscheklammern>:

    Massenschlägerei nach Streit um Wäscheklammern 27.06.2012, 13:39 Uhr

    Wegen eines Streits um Wäscheklammern ist es in Salzburg zu einer Massenschlägerei gekommen. Bei der Auseinandersetzung zwischen zwei Frauen sei es um angeblich gestohlene Wäscheklammern gegangen, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA.

    Immer mehr Angehörige der aus dem Iran und Tschetschenien stammenden Kontrahentinnen seien dabei am Dienstagabend hinzugekommen. Am Ende waren den Angaben zufolge rund 40 Menschen auf der Straße, mehrere Polizeistreifen waren nötig, um die Situation zu beruhigen.

    Wie viele der Versammelten im Laufe der Auseinandersetzung handgreiflich wurden, konnte die Polizei nicht feststellen. Nachbarn sprachen von einer „größeren Rauferei“. Die beiden Frauen wurden dabei offenbar verletzt.

    Sie seien bewusst in unterschiedliche Krankenhäuser eingeliefert worden, um ein erneutes Aufeinandertreffen zu verhindern, hieß es im Polizeibericht.

  4.   Sonja Röder

    Guten Tag, Herr Albrecht-Schoeck

    wo finde ich Ihr Foto von den Schuhen an Stromleitungen zum Gedenken an gefallene amerikanische Soldaten?

    Ausgabe 29/12? Ich finde es nicht.

 

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