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Was mein Leben reicher macht

 

Wenn ich donnerstags von der Arbeit komme, sitzt am S-Bahnhof Alexanderplatz manchmal ein alter Mann und verkauft Landgemüse oder wilde Blumen aus einer kleinen Kiste: ein Strauß Maiglöckchen für einen Euro fünfzig, drei Sonnenblumen für einen Euro, riesige Schmorgurken für ein paar Cent. Es bricht mir jedes Mal das Herz, wie er da im Strom der vorbeieilenden Pendler sitzt und still seine Blumen hält. Ich frage ihn, ob die Blumen aus seinem Garten sind. »Nee, die hab ick heute Morgen auf dem Feld jepflückt.« Ich nehme einen üppigen Strauß aus Mohn- und Kornblumen mit gelben Ähren und Kamillenblüten dazwischen. Ein Euro ist viel zu wenig, ich gebe ihm fünf. Da drückt er mir strahlend auch noch die restlichen beiden Sträuße in die Hand. »Feierabend! « Er packt seine Kiste, schüttet das Blumenwasser in den Ausguss, erhebt sich mühevoll aus seinem Rollstuhl und humpelt los. Danke für die Blumen!

Katharina Abels, Berlin

 

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