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Gespür: Mein Wort-Schatz

 

Wir sehen schon von Weitem die Schafe auf der Weide. Mit meiner Mutter – ihre Demenz ist fortgeschritten – bin ich im Auto unterwegs zu altbekannten Orten. Der Bauer an der Schafweide begrüßt uns. Im Gespräch bemerkt er die Verwirrtheit meiner Mutter. Ohne ein weiteres Wort läuft er weg und kommt nach einigen Minuten mit einem neugeborenen Lamm zurück. Er legt es meiner Mutter in die Arme. Erinnerungen werden wach, das Be-Greifen wird sichtbar. Gespür für einen Menschen, der nicht mehr rational begreift, das hatte dieser Mann. Es bräuchte mehr Menschen, die Gespür haben für das, was ältere Menschen, was Kinder brauchen. Gespür, das ist mein Wort-Schatz.

Gertraud Hieke, Kösching

 

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