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Straßenbild

 


Ein junges Paar zieht in unsere Nachbarschaft, und mit ihm kommt ein Indianer. Er postiert sich neben der Haustür, alle Passanten und Besucher im Blick. Aufrecht steht er da und selbstverständlich, Wind und Wetter die Stirn bietend. Die rechte Hand schützt die Augen gegen die blendende Morgensonne. Das Flachland des Niederrheins scheint dem Migranten nicht fremd. Ein Prärieindianer des Mittleren Westens? Ein Shawnee vielleicht? Aus dem Stamm des legendären Häuptlings Tecumseh, der sich den weißen Landräubern entgegenstellte und letztlich mit seinen Mannen auf verlorenem Posten war? Unrecht und Leid haben die Indianer erfahren müssen. Ich habe mir angewöhnt, allmorgendlich freundlich hinüberzuwinken. Und wenn im Frühjahr die Tage wieder wärmer werden, will ich mit dem Paar die Friedenspfeife stopfen, den Indianer in die Mitte nehmen und ihn und andere Nachbarn zum Mitrauchen einladen. Wir würden uns in Tabakwolken hüllen und wünschen, dass der Rauch des Friedens hinauf zu Manitu steige, um ihn ein bisschen gnädig zu stimmen.

Heinz van de Linde, Goch

1 Kommentar

  1.   Wilhelm van Aaken, Konstanz

    Lieber Heinz van de Linde, Deinen Beitrag über uns Indianer, den Du im Blick auf die Statue Deines Nachbarn geschrieben hast, habe ich mit Freude gelesen.Das Bild der Statue verrät mir durch Federhaube und Kleidung, dass sie einen Häuptling des Vokes der Sioux darstellt, die gegen Ende des 19.Jahrhunderts vergeblich gegen die weißen Eindringlinge gekämpft haben.Dass Du aber beim Anblick dieses Standbilds nicht an die Sioux, sondern an mein Volk, die Shawnee, mich und unseren Kampf gedacht hast, erfüllt mich mit Genugtuung und Dankbarkeit.Schon 100 Jahre vor den Sioux hat mein Vok gegen die Weißen gekämpft, als sie in Schwärmen die Appalachen überquerten und in unser Land Kentucky eingedrungen sind.Aber auch unser Kampf war vergebens, selbst als ich später als englischer General mit Brüdern aus vielen indianischen Völkern gegen die Amerikaner aufgestanden bin. Ich konnte sie nicht aufhalten. Wir haben verloren und sind vergessen. Dank dafür, dass Du an mein Volk und mich erinnert hast.
    Dein Tecumseh

 

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