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Osterspaziergang 2012

 

(Nach Johann Wolfgang von Goethe, »Faust I«)

Vom Eise befreit sind Chrom und Bleche
Durch Waschmittel und des Frühlings wärmenden Blick,
Im Tale dröhnt Motorenglück;
Die Winterreifen, in ihrer Schwäche,
Rollt’ man in dunkle Garagen zurück.
Von dorther brechen nun brummend hervor
Mächtige Wagen zu tollem Gerase,
Vereinen sich zu einem tosenden Chor,
Den Himmel verdunkeln die Auspuffgase.
Überall regt sich der Werbung Streben,
Überall will man den Umsatz noch heben,
Doch an Blumen fehlt’s im Revier,
Wir seh’n geputzte Autos dafür.
Kehre dich um, von diesen Brücken
Auf die Autobahn zu blicken!
Aus dem schmalen Raststättentor
Drängt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder drückt auf das Gas heut so gern.
Wen kümmert die Auferstehung des Herrn?
Sieh nur, sieh! wie schnell sich die Menge
Auf den Straßen und Wegen verkeilt,
Wie ein Stau in Breit und Länge
Vor dem nächsten Engpass verweilt.
Und bis zum Achsbruch überladen
Entfernt sich hier ein Caravan.
Schon von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns grelle Scheinwerfer an.
Gar mancher fährt zu früh gen Himmel
Aus diesem Straßen-Schlacht-Getümmel,
Zerschlagen fragt sich Groß und Klein:
Bin ich hier Mensch? Muss das so sein?

Klaus Peter Poppe, Quakenbrück

 

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