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Was mein Leben reicher macht

 

Meine zehnjährige Tochter bekommt abends – schon im Schlafanzug – überraschend Besuch. Der zwölfjährige Nachbarsjunge drückt ihr etwas verlegen ein Urlaubsmitbringsel in die Hand: Ohrstecker. Sie lässt sich beiläufig die zuvor hinter die Ohren geschobenen Haare ins Gesicht fallen, lächelt ihn an und bedankt sich freundlich.

Sie hat keine Ohrlöcher.

Amei Fischer, Althengstett, Baden-Württemberg

2 Kommentare


  1. Eine schöne Geschichte der Empatie!

    „Ich anerkenne dein Geschenk, obwohl ich es nicht gebrauchen kann.“

    Der „dumme Junge“ kannte seine Nachbarin nicht wirklich oder im Detaill. Aber er wollte ihr eine Freude bereiten, indem er ihr ein Geschenk mitbrachte.

    Es ist bewundernswert, wie dieses Mädchen diese freundliche Geste höher bewertete als den tatsächlichen Nutzen des Geschenkes. Das ist ihrerseits eine sehr freundliche Geste gegenüber dem Jungen! Sie erkennt nicht nur das Geschenk, sondern auch die Absicht, die dahinter steht. Dafür danke und lobe ich dieses Mädchen!

    Aber auch der Junge ist für seine Risikobereitschaft zu loben. Zu Hause hätte er alle Fragen checken und Zweifel beseitigen können. Im Urlaub war das unmöglich. Er kaufte einfach das für ihn schönste Geschenk, um seine Nachbarin zu erfreuen. Obwohl man im Urlaub überhaupt nicht an die Nachbarn denken muss, weil es so viel Unbekanntes zu entdecken gilt. Dennoch denkt er an sie und hofft, ihr eine Freude zu machen. Ich danke und lobe diesen Jungen!

    „Ich möchte dir etwas schenken, obwohl es dir vielleicht gar nicht gefällt.“

    Solange Menschen an andere Menschen denken und sich in deren Lage versetzen können, ist Zivilisation möglich!


  2. Vielleicht wird dieses Mädchen in ein paar Jahrzehnten, wenn sie alt und grauhaarig ist, immer noch keine Ohrlöcher haben. Aber sie könnte trotzdem diese Ohrstecker in ihrer Schatztruhe aufbewahren. Und wenn sie in ihre Schatztruhe schaut und die Ohrstecker in ihre Hände nimmt, denkt sie vielleicht:

    „Es gab jemanden, der mir eine Freude machen wollte. Dafür habe ich ihn vor der Blamage gerettet. So ist Leben schön!“

 

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