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Zeitsprung

 

 

60 Jahre liegen zwischen den beiden Bildern von meinem Bruder und mir, 60 Jahre eines Lebens mit Trisomie 21. Eine Schulausbildung gab es deshalb für Hermann nicht. Aber mein Bruder hat eine Begabung für die Musik, und alles, was er musikalisch erreicht hat, hat er sich selbst beigebracht. Schon als Dreijähriger spielte er auf der Mundharmonika. Später suchte er sich Melodien auf dem Klavier zusammen und erarbeitete sich auf dem Akkordeon ein großes Repertoire. Immer wieder bereicherte er kirchliche Veranstaltungen mit seiner Musik und seiner Fröhlichkeit. Inzwischen spielt er auch Schlagzeug in einer integrativen Band. Er hatte großes Glück. Er wurde in die Zeitspanne hineingeboren zwischen Hitlers Euthanasie und der heutigen Pränataldiagnostik – der häufig ein Abbruch der Schwangerschaft folgt.

Dorothea Vierhuff, Burgdorf, Niedersachsen

8 Kommentare

  1.   Katrin Patzak

    Dieser Beitrag gefällt mir sehr! Hier paaren sich Empfindung und Reflexion, das ist immer sehr bewegend. Unser Sohn mit Trisomie 21 ist nun bald zehn Jahre auf der Welt, seine Schwester zwölf, auch in jener Zeit (2000 – 2003) konnten wir noch relativ unbehelligt von der Pränataldiagnostik und guter Hoffnung eine Familie werden.

  2.   kleinbach

    sehr geehrte Frau Vierhuff,
    haben Sie herzlichen Dank für dieses berührende Doppelbild
    Dr. K. kleinbach

  3.   Hartmut Magon

    Sehr geehrte Frau Vierhuff,

    vielen Dank für Ihren Beitrag zum „Zeitsprung“. Die Bilder und Ihr Kommentar beeindrucken tief.

    Mit Ihrer freundlichen Erlaubnis würde ich Ihren Beitrag gern im Rahmen meiner Schulungen im Bereich der Medizinethik einsetzen.

    Meine besten Wünsche für Sie und Ihren Bruder. Hartmut Magon

  4.   Akissej

    Ganz große Klsse!!

  5.   K.

    Zwei wunderschöne Bilder – ich hoffe, daß meine Söhne (6 und 10 Jahre) und ihre große Schwester mit Down Syndrom (12) auch gemeinsam so liebevoll durch das Leben gehen.

  6.   Helva

    Vielen Dank für diese wunderschönen Fotos. Ich habe selbst einen kleinen Sohn mit Trisomie 21, der ältere Schwestern hat. Es wäre schön, wenn diese über ihn in 60 Jahren auch so herzlich und berührend schreiben würden.

  7.   Kathrin Roth

    Ihr Bild hat mich grade zum Weinen gebracht.Wunderbar. Danke!

  8.   Thomas Tietz

    ….schön zu sehen…..
    werd ich leider nicht mehr schaffen mit
    meiner Kleinen…
    wer weiß, vieleicht werd ich ja 100 🙂

 

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