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Das Kindermädchen

 

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Mein Leben ist seit Kurzem um eine wunderbare Begegnung reicher: Durch einen Zufall habe ich nach über 65 Jahren mein einstiges Kindermädchen wiedergefunden. Und das kam so: Ich lebe in Bonn, verbringe die Wochenenden aber meist in Andernach, wo mein Großvater nennenswertes Land besaß. Weil Reiten bei uns eine Familienkrankheit ist, hatte ich mich im Herbst bei der dortigen Reitlehrerin angekündigt, um Stunden für meine Enkel zu planen. Auf dem Weg zum Stall überquerte ich eine fremde Wiese, entschuldigte mich bei der alten Dame auf der angrenzenden Terrasse für die Grenzverletzung und nannte dabei auch den Grund meines Kommens. Die Dame ermunterte mich näherzutreten. Wir stellten uns vor, wobei ich den Namen der großväterlichen Familie nannte, der dort bekannter ist als der meine, die Dame, »Frau Saal«, lachte erstaunt: »Bei Norrenbergs habe ich gearbeitet!« Ich bat sie um ihren Mädchennamen: »Bermel« Ich fragte nach, ob sie vielleicht mit unserem heiß geliebten Kindermädchen Friedel Bermel verwandt sei. »Ich bin doch die Friedel, ich hab dort die Kinder gehütet, der Helle und die Gitty waren die liebsten Kinder. Und wer sind Sie?« – »Ich bin die Gitty.« – »Nein!« – »Doch!« Und so habe ich als Zeugnis der uralten Beziehung ein Foto aus dem Jahr 1946 ausgegraben – sie links, 19-jährig, und ich rechts, mit drei Jahren, bei der Jause in unserem Garten. Der Landwirt ist übrigens ein Verwandter von Friedel, weshalb sie – inzwischen alleinstehend und gehbehindert – in die dortige Einliegerwohnung gezogen ist. Und obwohl ich oft auf dem Hof war, um mit den Kindern Pferde zu gucken, haben wir uns erst jetzt getroffen!

Brigitte Luithlen-Neumann, Bonn

1 Kommentar

  1.   Volker Hoff

    Eine wunderbare Geschichte! Es gibt keine Zufälle…

 

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