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Ein Gedicht!

 

Österlicher Inspizier-Gang
nach Johann Wolfgang von Goethe »Osterspaziergang«

Vom Unkraut befreit ist unser Garten
durch der fleißigen Hände Geschick.
Rundherum schweift der strenge Blick.
Giersch, Quecke und ähnliche Arten
zogen sich hinter Nachbars Zaun zurück.

All’ unsere Sinne sich wieder beleben,
weil Frühlingsboten ihr Bestes geben:
Für die Ohren sind’s die Vogelstimmen –
und die Motormusik beim Rasentrimmen.
Für die Nase der würzige Jaucheduft,
wenn der Bauer das Feld düngt und schwängert die Luft.

Fürs Auge die blühenden Sträucher und Hecken,
Kahlfraß im Beet – dank fleißiger Schnecken.
Fürs Gefühl die Sonne warm auf der Haut,
auf der eine Wespe die Stimmung versaut.
Ein Radieschen für den guten Geschmack,
besonders, wenn es ein Innenleben hat.
Nicht jedoch in unserem Sinne es liegt,
wenn die Wühlmaus Beet und rasen pflügt,
wenn die Kraft der Natur am Unkraut sich zeigt,
das vielfältig sich aneinanderreiht,
und wenn die Ungezieferwelt
sich den Pflanzen zugesellt,
Dann stimme ich in des Gärtners Lied mit ein:
Hier entscheide ich, was darf gedeih’n.

Ingrid Bosch, Hennstedt, Schleswig-Holstein


2 Kommentare

  1.   Ingrid Bosch

    Alles klar!


  2. Eine schöne Erweiterung meiner Sammlung zum „Osterspaziergang“ Goethes.
    Jede Woche eine neue, schöne Leistung der Einsender mit ihren Variationen oder Parodien zu klassischen Gedicht-Schätzen.

 

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