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Die Wildsau in Suhle

 

(nach Johann Wolfgang von Goethe »Der König in Thule«)

Die Wildsau in der Kuhle,
Vermutlich bis zum Hals
Lag da in wohl’ger Suhle
Im Wald. Da blitzt’s, da knallt’s!

Und neben ihr ihr Keiler,
Ganz rot färbt sich das Nass,
Die Bein’, die sonst ihm Pfeiler,
Geknickt ob seiner Mass’.

Reicht’ sterbend seiner Sau er,
Vielmehr ihm nicht mehr blieb,
Den rechten großen Hauer
Aus tief empfundner Lieb.

Sie schwor dem Waldesgotte:
Den Zahn geb nie ich fort’,
Und suchte ihre Rotte,
Verließ den Schreckensort.

Im Kreise ihresgleichen
Stand sie in Trauer da,
Ein Anblick wie bei Heine,
Dem Keiler so ganz nah.

Sie kehrt zurück zur Kuhle,
Den Zahn ans Herz gedrückt,
Warf drauf ihn in die Suhle,
Sprang nach total entrückt.

Albrecht Thomas, Siegen

 

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