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Zeitsprung: Auswanderer

 

Die Aufnahme links stammt aus einem für mich sehr kostbaren Familienalbum und zeigt meinen Großvater, Wilhelm Haslbeck, im Jahr 1935 in Buenos Aires, wohin er als junger Mann seiner Mutter gefolgt war. Meine Familie lebte eigentlich in Lengfelden bei Passau. Doch auf dem bayerischen Land war es für meine Uroma als ledige Mutter und ihren unehelichen Sohn nicht unbedingt einfach in den Jahren der Weltwirtschaftskrise. Deshalb ging sie nach Argentinien, wo sie sich als Dienstmädchen verdingte, und er kam nach, nachdem er zu Hause seine Schreinerlehre abgeschlossen hatte und arbeitete auf dem Bau. So konnten sie sich als Auswanderer endlich eine Existenz aufbauen. Tragischerweise fassten sie kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs den folgenschweren Entschluss, nach Passau zurückzukehren. Mein Großvater wurde daraufhin prompt eingezogen und kam ausgehungert und magenkrank aus dem Krieg zurück – wovon er sich nie mehr erholte. Das rechte Bild entstand am Bahnhof Retiro in Buenos Aires, als ich 2007 mit dem Album im Gepäck aufbrach, um mehr über den Großvater herauszufinden, den ich leider nicht kennengelernt habe: Er starb, als ich gerade ein halbes Jahr alt war.

Gwendolyn Windpassinger, Nizza

 

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