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Die Kletter-Eiche

 

Kinderzeit im Sauerland vor rund 50 Jahren. Man gehört zu einer Bande, die acht­- bis zehnjährigen Jungs treffen sich nahezu täglich zum Fußball und für Streifzüge durch den Wald.

Pausen finden nicht unter, sondern in einer Eiche hinten im elterlichen Garten statt. Der Kletterbaum ist dicht belaubt, an die zehn Meter hoch und hat eine feste Platzverteilung. Da gibt es den »Gemütlich­-Ast«, auf dem man besonders gut ausruhen kann. Für den Anführer reserviert ist »Päules Ast«. Die Jüngsten – da besonders leicht – dürfen ganz nach oben, wo die Äste am dünnsten sind. Gelegentlich vorkommende Abstürze werden zu Hause natürlich verschwiegen. Kleinere Blessuren kann man sich schließlich auch anderswo geholt haben… Die Zeit vergeht, der Kletterbaum bleibt. Irgendwann baut der Bruder hinten im Garten. Der Baum muss weg. Da weiß man: Die Kindheit ist endgültig vorbei.

Winfried Born, Soest

 

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