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Am Tresen

 

(nach Heinrich Heine, »Sie saßen und tranken am Teetisch«)

Sie saßen und tranken am Tresen
und sprachen von Kirche viel.
Die einen sah’n sie verwesen,
die andern meinten: »Debil!«

Die Kirche sei gendersensibel!,
die dürre Emanze sprach
und äugte dabei peni(si)bel
auf den Macho, der lächelte: »Ach?«

Der Zahnarzt öffnet den Mund weit:
Die Kirche sei viel zu reich.
Zum Schutz ihrer Glaubwürdigkeit
sei er ausgetreten sogleich.

Der Altphilologe wehmütig:
»Die Kirche, sie spreche Latein,
die Weltsprache!«, sagt er fast gütig;
dann träte er auch wieder ein.

Der Banker mit seinen Millionen,
der meinte so nebenbei,
der Glaube, der könne sich lohnen,
bei mehr Apokalyptikerei.

Am Tresen war noch ein Plätzchen,
mein Christ, da hast du gefehlt.
Vielleicht hättest du ohne Mätzchen
von deinem Glauben erzählt.

Ulrich Lüke, Aachen

 

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