‹ Alle Einträge

Nachtgedanken

 

(sehr frei nach Heinrich Heine, »Nachtgedanken«)

Denk ich an Freital in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
Und meine heißen Tränen fließen.

Wo man Rassismus »Sorge« nennt,
Gezielten Hass als Angst verkennt,
Wo Dummheit »Mut zur Wahrheit« wird,
Ein Pass die Würde definiert,
Wo Hetze schon als Meinung zählt,
Das Argument zum Weltbild fehlt,
Wo Mitgefühl der Missgunst weicht,
Wo Fremdheit schon zum Feindsein reicht
(Und Deutschsein fremdenfeindlich gleicht).

Wo man sich Selbstjustiz erlaubt,
Asyl der Sicherheit beraubt,
Wo Stein auf Heim zufrieden macht
– dort, liebes Deutschland, gute Nacht!

Was wie die Sonne dort versank,
Ist Menschlichkeit – im »Abendland«.

Michaela Ferber, Dresden

1 Kommentar

  1.   Dieter Spottock

    Sehr geehrte Frau Ferber,

    ich lebe und arbeite seit Jahren in Griechenland, komme aus Düsseldorf. Die Diskussionen und Kommentare zum Thema Flüchtlinge und wie in Deutschland teilweise damit umgegangen wird, verfolge ich mit Interesse und teilweise ungläubigem Erstaunen.
    Umso mehr freut es mich, wenn es Menschen wie Sie gibt. Ihr Gedicht lässt mir bei jedem Lesen einen Schauer über die Haut laufen..
    Das Abendland und die Menschlichkeit, die Sie in Ihren zwei letzten Zeilen anführen, sind noch nicht verloren, solange es Menschen wie Sie gibt.

    mit Hochachtung
    Dieter Spottock aus Thessaloniki

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren