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Söller: Mein Wortschatz

 

Nicht der Speicher, nicht der schick ausgebaute Dachboden, nein: der Söller ist der Ort meiner Kindheit, auf dem ich mit meinem Bruder in den fünfziger Jahren eintauchte in eine andere Welt. Schummrig beleuchtet durch nur eine kleine Dachluke und eine am Dachfirst pendelnde Glühbirne, unheimliche Ecken unter der Dachschräge, Spinnweben und Staub, ein leichter Duft von Mottenkugeln und Muff: Dort war das Refugium der abgelegten Dinge, von denen sich meine Eltern in der Nachkriegszeit nicht trennen konnten. Regale mit alten Büchern, Zeitschriften, Poesiealben in alter, unlesbarer Schrift, Pappkartons voller welliger, nicht eingeklebter Schwarz-Weiß-Fotos, Schubladen mit Krimskrams; nicht zu vergessen ein alter Kleiderschrank, dessen quietschende Türen uns den Blick auf alte Kleider, Hüte und Taschen öffneten, mit denen wir uns gern verkleideten. Der Söller war für mich ein heimeliges Eintauchen in die Vergangenheit unserer Eltern.

Johanna Gossel, Mönchengladbach