{"id":3809,"date":"2011-04-15T14:00:48","date_gmt":"2011-04-15T12:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/zeitmagazin\/?p=3809"},"modified":"2011-04-18T10:09:06","modified_gmt":"2011-04-18T08:09:06","slug":"wie-im-richtigen-film","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/zeitmagazin\/2011\/04\/15\/wie-im-richtigen-film\/","title":{"rendered":"Wie im richtigen Film"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_3811\" aria-describedby=\"caption-attachment-3811\" style=\"width: 350px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3811\" title=\"oliver-wnuk\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/zeitmagazin\/files\/2011\/04\/oliver-wnuk07_0636-e1302864862773.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"525\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3811\" class=\"wp-caption-text\">(c) Christian Hartmann<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Der Schauspieler Oliver Wnuk hat\u00a0<a href=\"http:\/\/www.fischerverlage.de\/buch\/9783810523815\" target=\"_blank\">seinen ersten Roman geschrieben<\/a>. \u201eWie im richtigen Film\u201c ist eine melancholisch angehauchte Liebeskom\u00f6die, die das Leben des Protagonisten Jan Beckmann in all seinen Rollen beschreibt: Als mittelm\u00e4\u00dfig erfolgreicher Schauspieler, als Freund und Exfreund, als Vater einer f\u00fcnfj\u00e4hrigen Tochter und Sohn eines alzheimerkranken Vaters. Am Mittwoch Abend stellte Wnuk, stimmlich unterst\u00fctzt von der Schauspielerin Mina Tander und musikalisch begleitet vom\u00a0<a href=\"http:\/\/www.philipp-poisel.de\/\" target=\"_blank\">S\u00e4nger Philipp Poisel<\/a>, sein Buch in der Berliner Kulturbrauerei vor. Und das mit so viel Vorlesetalent, dass wir w\u00e4rmstens einen Blick auf\u00a0<a href=\"http:\/\/www.oliverwnuk.de\/Oliver_Wnuk\/Willkommen.html#\/NEUIGKEITEN\" target=\"_blank\">die weiteren Tourdaten <\/a>empfehlen.<\/p>\n<p><strong>ZEITmagazin:<\/strong> Herr Wnuk, wie schwer war es, den ersten Roman zu schreiben?<br \/>\n<strong>Oliver Wnuk:<\/strong> Eigentlich ist es mir leicht gefallen. Ich glaube, eine St\u00e4rke des Romans sind seine filmischen Dialoge, und die habe ich durch das Schauspielen und Drehbuchlesen gelernt. Aber f\u00fcr ein Buch muss man auch \u00fcber viele Berge gehen. Manchmal wei\u00df man nicht, wie es weiter geht, dreht sich im Kreis, muss wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>ZEITmagazin: <\/strong>Was haben Sie in solchen Momenten gemacht? Irgendwelche Tricks?<br \/>\n<strong>Wnuk:<\/strong> Ich bin meistens in die Badewanne gegangen und habe ein Glas Wein getrunken. Ich wei\u00df nicht, woran es liegt, aber ab einer gewissen Wassertemperatur fallen pl\u00f6tzlich die fehlenden Puzzleteile von der Badezimmerdecke.<\/p>\n<p><strong>ZEITmagazin<\/strong>:\u00a0Ihr Roman hat viele autobiographische Parallelen: der Beruf, die Ex-Freundin, die kleine Tochter und auch die Badewanne. Wie viel Oliver Wnuk steckt in Jan Beckmann?<br \/>\n<strong>Wnuk:<\/strong> Die Grundkonstellation habe ich aus meinem eigenen Leben gezogen, aber was die einzelnen Figuren sagen und wie sie handeln ist frei erfunden. Au\u00dferdem halte ich mich f\u00fcr emotional reifer als Jan. Es ist also in keinster Weise ein Schl\u00fcsselroman oder eine Autobiographie.<\/p>\n<p><strong>ZEITmagazin:<\/strong> Jan k\u00e4mpft schnell und oft mit den Tr\u00e4nen. Sind M\u00e4nner gar nicht so stark, wie sie meist tun?<br \/>\n<strong>Wnuk: <\/strong>Ich glaube, es gibt einfach Dinge, \u00fcber die ein Mann nicht gern spricht und Situationen, in denen er Angst hat, sich zu blamieren. Durch die Emanzipation der Frau steckt er in einer neuen Rolle und musste viel lernen: Er soll nicht nur das Geld nach Hause bringen und ein Wasserleck reparieren k\u00f6nnen, sondern auch ein toller Liebhaber sein, sich ums Kind k\u00fcmmern, bereit sein Elternzeit zu nehmen und die Windeln zu wechseln. Manchmal kommt er damit noch nicht zurecht. F\u00fcr die Frau gibt es da einen Begriff, das postnatale Trauma. F\u00fcr den Mann gibt es keinen. Er ist dann einfach ein Looser.<\/p>\n<p><strong>ZEITmagazin:<\/strong> Sie setzen sich in Ihrem Roman mit dem Thema Alzheimer auseinander. Wieso gerade diese Krankheit?<br \/>\n<strong>Wnuk: <\/strong>Weil ich selbst Angst davor habe, ich bin ein bisschen hypochondrisch. Es ist aber auch eine Krankheit, die mich dramaturgisch sehr interessiert hat. Ein Schauspieler tut eigentlich alles, um unsterblich zu werden oder irgendetwas zu hinterlassen. Pl\u00f6tzlich erkennt einen der eigene Vater nicht mehr und man muss sich mit dem Vergessen besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p><strong>ZEITmagazin: <\/strong>Was lesen, h\u00f6ren oder sehen wir als n\u00e4chstes von Ihnen?<br \/>\n<strong>Wnuk: <\/strong>Ich drehe gerade die f\u00fcnfte Staffel von Stromberg und k\u00f6nnte mir vorstellen, mein Buch bald auf der Leinwand zu sehen. Bei mir l\u00e4uft nat\u00fcrlich eher ein Film im Kopf ab als bei einem anderen Autor. Und den Stift werde ich sicher auch wieder in die Hand nehmen.<\/p>\n<p>Die Fragen stelle <strong>Lisa Strunz<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schauspieler Oliver Wnuk hat\u00a0seinen ersten Roman geschrieben. \u201eWie im richtigen Film\u201c ist eine melancholisch angehauchte Liebeskom\u00f6die, die das Leben des Protagonisten Jan Beckmann in all seinen Rollen beschreibt: Als mittelm\u00e4\u00dfig erfolgreicher Schauspieler, als Freund und Exfreund, als Vater einer f\u00fcnfj\u00e4hrigen Tochter und Sohn eines alzheimerkranken Vaters. 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