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Das Schicksal der CSU hängt an der Wahlbeteiligung – einige Szenarien

 

Am kommenden Sonntag findet bekanntlich die Europawahl statt. Dass die Wahlbeteiligung dabei von entscheidender Bedeutung ist, wurde sowohl hier als auch in der breiteren Öffentlichkeit schon ausführlich diskutiert. Von besonderer Bedeutung ist die Wahlbeteiligung aber für eine Partei – die CSU. Ihr Schicksal am kommenden Sonntag hängt nämlich genau von ihr ab.
Warum? Die CSU tritt – natürlich – nur in Bayern an. Gleichwohl muss sie alleine mit ihren bayrischen Stimmen die Fünf-Prozent-Hürde überspringen, sonst ist sie zukünftig im Europäischen Parlament nicht mehr vertreten. Die Fünf-Prozent-Hürde bezieht sich dabei auf die Zahl der bundesweit abgegebenen gültigen Zweitstimmen: Fünf Prozent aller bundesweit abgegebenen gültigen Stimmen müssen ein Kreuzchen bei „CSU“ haben. Zwei Dinge sind also entscheidend für die CSU: Die Zahl der bundesweit abgegebenen Stimmen und die Zahl der für die CSU in Bayern abgegebenen Stimmen.
Der Bundeswahlleiter hat kürzlich die Zahl der Wahlberechtigten pro Bundesland veröffentlicht , demnach leben 15 Prozent der wahlberechtigten Deutschen in Bayern. Auf dieser Basis lassen sich nun einige Szenarien (samt ihrer Konsequenzen für die CSU) durchspielen:

Szenario 1: Die Wahlbeteiligung beträgt in allen Bundesländern einheitliche 43 Prozent (dem Durchschnitt von 2004)
In diesem Fall würden insgesamt 26,703 Millionen Deutsche (und 4 Millionen Bayern) ihre Stimme abgeben. Um die 5%-Hürde zu überspringen, muss eine Partei 1,335 Millionen Stimmen erhalten, was für die CSU einem Stimmenanteil von 33,4 Prozent der bayrischen Stimmen entspricht. Erreicht die CSU in Bayern 33,4 Prozent der Stimmen, ist sie drin, gelingt ihr das nicht, ist sie draußen aus dem EP.

Szenario 2: Die Wahlbeteiligung beträgt in Ländern, in denen nicht zeitgleich eine Kommunalwahl stattfindet, 33 Prozent; in Ländern mit paralleler Kommunalwahl 53 Prozent
In diesem Fall würden insgesamt 24,553 Millionen Deutsche (und 3,07 Millionen Bayern) ihre Stimme abgeben. Um die 5%-Hürde zu überspringen, muss eine Partei 1,228 Millionen Stimmen erhalten, was für die CSU einem Stimmenanteil von 40,0 Prozent der bayrischen Stimmen entspricht.

Szenario 3: Die Wahlbeteiligung beträgt in Ländern, in denen nicht zeitgleich eine Kommunalwahl stattfindet, 33 Prozent; in Ländern mit paralleler Kommunalwahl 53 Prozent, in Bayern aber wegen schönen Wetters nur 30 Prozent
In diesem Fall würden insgesamt 24,274 Millionen Deutsche (und 2,79 Millionen Bayern) ihre Stimme abgeben. Um die 5%-Hürde zu überspringen, muss eine Partei 1,214 Millionen Stimmen erhalten, was für die CSU einem Stimmenanteil von 43,5 Prozent der bayrischen Stimmen entspricht – einem Zehntelprozentpunkt mehr, als sie bei der Landtagswahl 2008 erhielt.

Es verspricht ein spannender Wahlsonntag zu werden, allen voran für die CSU.

PS: Eine andere Kuriosität im Zusammenhang mit dem Antreten der CSU bei der Europawahl ist inzwischen hier diskutiert.

10 Kommentare

  1.   Boccanegra

    Das ist schon lustig… Am bizarrsten ist die Situation wohl für die Unionsanhänger außerhalb von Bayern, die sich am Wahltag fragen müssen, ob sie CDU wählen sollen (und damit vielleicht dazu beitragen, dass die CSU wegen der höheren außerbayrischen Wahlbeteiligung unter die 5%-Hürde fällt) oder sich nicht an der Wahl beteiligen (obwohl das den Zehn-Prozent-Vorsprung gegenüber der SPD gefährdet).

    Man hat’s nicht leicht.

  2.   Thorsten Faas

    Guter Punkt. Besonders bitter ist es für die CDU-Wähler in Bremen, aber dazu hier später nochmal mehr. 🙂

  3.   Ralf

    Das ist doch mal ein Grund zur Europawahl zu gehen!

    Wählt irgendwas in NRW und verhagelt der CSU die Show.

    Schön.

  4.   Kleopatra

    Baden-Württemberg hat extra für die Europawahl die Pfingstferien verlegt (und die Wahl mit den Kommunalwahlen zusammengelegt). Bei der Union (außerhalb Bayerns) gibt es immer auch das zusätzliche Motiv, daß hier ja Landeslisten miteinander konkurrieren, d.h. hohe Wahlbeteiligung => mehr CDU-Abgeordnete aus BW.

  5.   R.St.

    Witzig ist, dass die CSU in Bayern massiv damit wirbt, dass Bayern in Europa stark, usw. sein muss, dann aber auf der anderen Seite Stimmen aus anderen Bundesländern braucht/haben will.
    Und wenn die CSU nicht ins EP kommt, was geschieht mit dem schönen Gebäude der Bayerischen Vertretung in Brüssel und wo können die dann arbeitslosen Politiker untergebracht werden. In der BayLB geht das wohl jetzt nicht mehr.


  6. Absurdistan ! Als Hamburger soll ich also die CSU wählen damit auch in Brüssel die bayerische Nationalhymne „Gott mit dir du Land der Bayern“ gesungen werden kann.
    Scheitern wird die CSU nicht aber an mir, sondern an den Milchkühen, die nicht mehr 16.000 Liter produzieren müssen, wenn die EU-Subventionen gekürzt werden.
    Glückliche Kühe, arme CSU. Vielleicht wähle ich aber auch die Bayernpartei. Die will nicht nur raus aus der EU, sondern auch aus der BRD und endlich wieder einen eigenen Freistaat haben.


  7. […] Es ist eine der spannenden Fragen dieser Europawahl: Überspringt die CSU die Fünf-Prozent-Hürde? Alles hängt davon ab, wie viele Menschen wählen gehen. Die Zeit […]

  8.   Eike L

    Das 3. Szenario mit dem vermeintlich schönen Wetter klingt so recht unrealistisch. Realistischer würde es klingen, wenn erwähnt werden würde, dass zu dieser Zeit Pfingstferien in Bayern sind, sodass hoffentlich noch weniger Leute wählen gehen.


  9. Was hat die CSU für eine hohe Wahlbeteiligung in Bayern getan? Die Wahlbeteiligung wird in Google : „Demokratie im Ohr“ durch eine interessante Aktion gefördert.

  10.   Thorsten Faas

    Der angekündigte Artikel zu Bremen ist jetzt online: http://tinyurl.com/m5bex8

 

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