‹ Alle Einträge

Der coole Baron

 

Als wir heute morgen die neue Ausgabe des Sterns sahen, dachten wir zuerst, wir hätten versehentlich zur Gala gegriffen. Vom Cover lächelt der Wirtschaftsminister im offenen Hemd. In silberner Schrift steht da: „Der coole Baron. Warum der neue Wirtschaftsminister so populär ist.“

Ähnlich euphorisiert geht es im Heft weiter. Dem „Überflieger“ wird eine zehnseitige Hochglanz-Bilderstrecke gewidmet. Zu Guttenberg beim Krawattebinden, zu Guttenberg inmitten von Schönheiten, zu Guttenbergs Haus, zu Guttenbergs Ehefrau, zu Guttenberg beim Vorlesen, zu Guttenberg beim Interview, zu Guttenberg am Klavier, noch mal mit der Ehefrau, zu Guttenberg vor einem Bild, zu Guttenbergs Kinder, zu Guttenbergs Vater – und noch einmal, zum dritten: das Ehepaar zu Guttenberg.

Die letzte Bildunterschrift ist charakteristisch für den völlig unkritischen Text: „Glamourfaktor“.

Verzichtbar. Trotzdem hier ist ein Link zum Cover.

3 Kommentare

  1.   torsten

    Naja, der Stern eben. Für die Bilder ist er da; die Bilder sind oft auch von sehr guter Qualität. Redaktionell wird eben geboten, was das Publikum möchte: Nette Glamouraufnahme statt substanzielle Bestandsaufnahme. Jeder wie er mag 🙂

  2.   Julian M.

    Eine derartige „Berichterstattung“ oder viel mehr Bilderschau über einen der hochrangigsten Politiker des Landes, den Bundeswirtschaftsminister, wundert mich in keinster Weise. Und das ist eigentlich erschreckend. Offensichtlich habe ich mich schon so sehr daran gewöhnt, dass in den Medien zu gefühlten 90% über Personen und Parteien und deren öffentliche Anerkennung bzw. Missgunst geschrieben wird, anstatt über politische Inhalte…

  3.   Peter

    Zum Thema Karl-Theodor kann man gut erkennen wie die Medien einen unbekannten Nobody in kürzester Zeit zum Star hochpushen können und wie dies geht. Auffällig hierbei ist, daß fast ausschließlich auf Bilder gesetzt wird. Ich habe diesen Karl-Theodor in den Medien noch nicht viel reden gehört. Zum ersten Mal war dies, in meiner Erinnerung; in seiner neuen Funktion als Generalsekretär der CSU bei der Fernseh-Nachlese hochrangiger Politiker zu einer Wahl, als er live über Bildschirm aus München zugeschaltet wurde. Dort durfte er 3 Sätze von sich geben. Dann erst wieder bei den Verhandlungen mit GM darüber wie Opel abgewickelt wird. Sehr beredsam war Karl-Theodor da auch nicht. So ist auch sein Äußeres in letzter Zeit sehr auf einen Style hingetrimmt worden, der eine ver-Kohl-e-te junge Generation ansprechen soll, die nur auf Äußerlichkeiten setzt aber nicht mehr hinhören kann, so daß hier Inhalte zur Nebensache verkommen. So hat die überwiegende neoliberal-konservative Presse sich hier etwas einfallen lassen um der gegenwärtigen unter Druck geratenen Philosophie des Raubtier-Kapitalismus, der in den letzten 30 Jahren kontinuierlich ausgebaut wurde, wieder auf die Sprünge zu helfen. Würde man Karl-Theodor reden lassen und ihm gewachsene Gegner, die auch wirklich daran interessiert sind ihm auf den Zahn zu fühlen, in Gesprächsrunden entgegensetzen, dann würde Karl-Theodor vorher sehr viel Kreide essen müssen damit seine Raubtier-Kapitalismus-Weltanschauung nicht hervorbrechen würde.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren