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Schröder, Steinmeier und die Stimme, auf die es ankommt

 

„Der klingt wie früher Schröder“ – ein derzeit des Öfteren gehörter Satz, wenn es um Auftritte des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier geht. Für Steinmeier ist das wahrlich nicht das Schlechteste! Die sonore Stimme Schröders war ein echtes „Pfund“ des Kanzlers. In Umfragen etwa nach dem zweiten TV-Duell zwischen Schröder und Stoiber 2002 stimmten rund 75 Prozent der Befragten der Aussage „Er hat eine angenehme Stimme“ zu; bei Stoiber waren es weniger als 30 Prozent. Wenn es Steinmeier gelingt, diese Stimmenanalogie zu kultivieren, könnte er dieses Mal davon profitieren, so wie Schröder 2002 gegenüber Stoiber.

5 Kommentare

  1.   Fassmann

    Naja, kommen wir mal wieder schön auf den Boden und stellen fest, daß Steini allenfalls ein Plagiat des mittlerweile nicht mehr sonderlich gelittenen Bundesschröders sein kann, und grundsätzlich möchte eine gute Stimme allenfalls besonders befähigen einigermaßen gute Chancen als Radiomoderator zu haben, gelle.


  2. Ich denke auch, dass „so klingen wie Schröder“ für die wenig motivierte SPD-Wählerschaft eher ein weiterer Grund wäre, zu Hause zu bleiben. Andererseits will ich eine hübsche Stimme als Wahlentscheidungshilfe für Frauen im mittleren Alter gar nicht unterschätzen.

  3.   Boccanegra

    Nun ja, ich kann mir durchaus vorstellen, dass eine sonor klingende Stimme (und nicht allzu viele Ähs) einen Vorteil für einen Politiker darstellt, der über „Frauen im mittleren Alter“ hinausgeht. Er erleichtert es nämlich, den eigenen Standpunkt als naheliegend, geradezu selbstverständlich und jedenfalls glaubwürdig zu präsentieren. Schröder hat das zum Beispiel beim TV-Duell 2002 vorgemacht, als er Stoiber bestimmte Passagen des CDU/CSU-Wahlprogramms zum Vorwurf machte, die dort überhaupt nicht so drinstanden; Stoiber wehrte das ab und erklärte, er werde doch wohl am besten wissen, was in seinem Wahlprogramm steht – aber Schröder, der bei aller Dreistigkeit ruhig, gelassen und eben sonor blieb, wirkte zweifellos überzeugender.

    Allerdings zeigt das Beispiel auch, dass es nicht die Stimme allein macht: Glaubwürdigkeit im Tonfall kann weiterhelfen, aber nur, wenn sie auch mit Gelassenheit in der Haltung und einer gewissen Dreistigkeit im Argument gepaart ist. Steinmeier dagegen wirkt nur dann wirklich gelassen, wenn er vermittelnde Positionen einnimmt; sobald er angreift und etwas gewagtere Behauptungen aufstellt, merkt man ihm schnell eine gewisse Unsicherheit an, über die auch die Stimme kaum hinwegtäuscht. Man merkt, dass er nicht gern polarisiert; fast als hätte er ein schlechtes Gewissen dabei, sich selbst als gut-gut-gut und den politischen Gegner als schlecht-schlecht-schlecht darzustellen. Und eigentlich macht ihn das ja als Mensch und als Politiker durchaus sympathisch, nur als Wahlkämpfer ist es eher ein Handicap.

    Frau Merkel dagegen versteht sich besser auf die Dreistigkeit im Wahlkampf. Gegen den Altmeister Schröder hatte sie zwar Schwierigkeiten, aber die Art, wie sie (nun schon seit zehn Jahren) Konkurrenten wegbeißt und dabei trotzdem immer als quasi neutral-präsidentielle Figur au-dessus de la mêlée erscheint, hat durchaus etwas Raffiniertes. Das Geheimnis ihrer Stimme scheint mir dabei nicht in der sonoren Versicherungsvertreterlage Schröders und Steinmeiers zu liegen, sondern in dem etwas nöligen Gouvernantenton, mit dem sie ihre Ansichten in eine Selbstverständlichkeit verwandelt, die die etwas begriffsstutzigen politischen Gegner (oder auch mal Journalisten und andere Mäkler) nur noch nicht begriffen zu haben scheinen. Das wirkt nicht immer sehr sympathisch, flößt aber Respekt ein – und ist damit eine Glaubwürdigkeitsreserve, gegen die ein angreifender Steinmeier erst einmal ankommen muss.

  4.   Max

    Wieder einmal ein Beispiel in diesem Blog, wie aus einer vermeintlichen empirischen Grundlage – also aus irgenwelchen Zahlen, die halt verfügbar sind – Schlüsse gezogen werden, die die Daten gar nicht zulassen.

    Erstens ist der Rückschluss von einer vermeintlichen Ähnlichkeit der Stimme auf eine Ähnlichkeit der für die Stimme empfundenen Sympathie fragwürdig weil ebensogut die Sympathie für die jeweilige Person die Sympathie für deren Stimme bestimmen kann (Stichwort Priming); zweitens sagt der Sympathiewert für die Stimme an sich nichts über eine mögliche Kausalbeziehung zum Wahlergebnis aus; drittenss wäre es selbst wenn es so wäre abenteuerlich, von einem (!) Fall darauf zu schließen, dass diese Kausalbeziehung immer, also auch bei Steinmeier, zutrifft.

  5.   gren

    Warum sollte das ein Vorteil sein? Wer will denn Jemanden wie Schröder? Da sollte man doch mal mit verlässlichen Daten arbeiten, die erst einmal belegen, dass es von Vorteil ist, Schröder möglichst ähnlich zu sein. Ich bezweifle, dass das – gerade nach allem, was nach dem Ausscheiden passiert ist – von Vorteil ist.

 

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