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Zeit für Kampagnen!

 

AndreaDie Zahlen der Umfrageinstitute sehen Hannelore Kraft auf den letzten Metern im Wahlkampf knapp vorne: Im direkten Vergleich mit Rüttgers schneidet sie laut aktuellem Politbarometer mit 43% zu 41% besser ab als der Ministerpräsident, der somit seinen Amtsbonus vollständig eingebüßt zu haben scheint. Dies ist beachtlich, im Nachgang des Fernsehduells aber nicht wirklich verwunderlich. Wie wir aus empirischen Arbeiten wissen (siehe auch den Beitrag von Thorsten Faas in diesem Blog), dienen Fernsehduelle gerade in Landtagswahlkämpfen dazu, den Bekanntheitsgrad des Herausforderers zu steigern. Seit Mitte März konnte Hannelore Kraft folgerichtig 12 Prozentpunkte zulegen.

Aber es geht um mehr als die reine Sichtbarkeit der Kandidaten oder die Frage nach dem direkten Vergleich: Entscheidend ist die wahrgenommene Problemlösungskompetenz zu den drängenden Problemen des Landes. Und hier zeigt sich das eigentlich Erstaunliche in den Umfragedaten: In den drei relevanten Themenbereichen Bildung, Arbeitslosigkeit und Wirtschaft ist das Bild uneinheitlich und die Kandidaten liegen sehr eng beieinander. Im Bereich der Bildung wird der SPD mit Hannelore Kraft eine größere Kompetenz zugesprochen, Rüttgers‘ CDU punktet hingegen beim Thema Wirtschaft. Dies alles deutet darauf hin, dass der Wahlausgang absolut offen ist, zumal auch keine der präferierten Koalitionen – Schwarz-Gelb oder Rot-Grün – derzeit eine Mehrheit hätte.

Mit anderen Worten: Hinten werden die Enten fett, der Wahlausgang entscheidet sich auf der Zielgeraden. Nach aktuellen Umfragen sind 37 % der Wählerinnen und Wähler in NRW unentschlossen – was für ein Potential für Wahlkämpfe!

Alle Parteien brauchen nun eine passende Wahlkampfstrategie: Die SPD muss ihre steigenden Umfragewerte und die neue Popularität von Hannelore Kraft nutzen, um die enttäuschte SPD-Basis zu mobilisieren und in einer Woche an die Urnen zu bringen. Möglicherweise trägt dazu auch die skandalangehauchte CDU bei, welche die SPD-Anhänger „fremdmobilisieren“ könnte. Die Union scheint auf den ersten Blick in einer schwierigeren Lage zu sein, da sie und ihr Spitzenkandidat zugleich mobilisieren und deeskalieren müssen. Viel wird hier darauf ankommen, den richtigen Ton zu treffen.

Andererseits sollte man aber auch nicht vergessen, dass Jürgen Rüttgers als Ministerpräsident auch auf den letzten Metern noch seinen Amtsbonus ausspielen könnte, falls es ihm gelingt, das passende Thema zu platzieren. Das Rennen scheint offener denn je, eine Woche vor der Wahl kommt es auf die richtige Kampagne an…

13 Kommentare


  1. Die Wähler wählen nicht Fr. Kraft oder Hrn. Rüttgers, sondern CDU, SPD, FDP, Grüne, Linke oder sonstige.
    Und sie wissen häufig nicht, welchen Ministerpräsidenten sie durch Ihre Wahl bekommen. SPD oder Grüne wählen kann auch heißen, Hrn. Rüttgers zum Ministerpräsidenten zu wählen. SPD oder Grüne wählen kann auch heißen, Fr. Kraft zur Ministerpräsidentin zu wählen, wobei die Linken in einem alten Bundesland erstmals in die Regierung kommen.
    Auch bei der FDP kann man sich nicht 100% sicher sein.
    Um die Linken nicht in die NRW-Regierung zu lassen, könnte sich die FDP doch „opfern“ und eine Ampel unter Fr. Kraft akzeptieren.


  2. Das kapitalistische undemokratische System hat doch schon lange abgewirtschaftet. Es ist doch völlig egal ob ich rot, schwarz, grün oder sonst irgend etwas wähle.
    Allenfalls die extrem rechte oder linke lässt unsere korrupte Politikerkaste noch aufwachen.

    Wählt daher die linke oder aber braun!

  3.   keox

    Dieser Beitrag beschreibt präzise, worum es geht.

    Es geht nicht um die Wähler, resp. die Umsetzung ihrer Forderungen an die Politik, es geht lediglich um Wählerstimmen, um dann die Politik fortzusetzen wie gehabt.

    Das ist wie Lotto-Spielen ohne jegliche Aussicht auf Erfolg.

    Die einzigen, die einen Erfolg verzeichnen, sind die HerrenDamen, die unabhängig vom ‚Wahlergebnis‘ unbehelligt ihre Strategien durchsetzen können.


  4. Sehr richtig.

    Ich bin seit Jahren politisch interessiert.
    Doch als solcher sollte ich mich wohl besser vor einen Zug schmeißen
    um zukünftiges nicht mehr zu erleben.
    Nur um meinen Sohn ist es mir bange.

  5.   sauerkreatur

    @däumling: schön dass sie den fatalismus aus der weimarer zeit wieder aufleben lassen… sehr konstruktiv. Und ich gratuliere auch zu diesem äußerst differenzierten weltbild


  6. frage an sauerkreatur

    Was würden sie den vorschlagen?
    Ich meine diese Frage durchaus sehr ernst.
    Mir ist wirklich bange.
    Wie sollen sich „die Bürger“ denn verhalten?

  7.   Hefner

    Rüttgers und seine Skandale.
    Artikel über die Finanzaffäre:
    http://bit.ly/9xyCwd
    Interview Rüttgers:
    http://bit.ly/c1NC2c

  8.   sauerkreatur

    engagement vor ort


  9. hier ist der Ort.

  10.   meander

    37 Prozent der Wähler sind unentschlossen. Welches Potential soll das bitte sein? Bei Wahlbeteiligungen von um die 60 Prozent beschreiben sie damit nicht das Potential, sondern die Masse der Menschen, die bereits so abgestumpft sind, das ihnen alles egal ist. Auch weil viele davon das Gefühl haben, es ändere sich nichts. Was natürlich nicht stimmt, denn weil sie noch nicht einmal den Minimalkonsens der Aktivität in einer Demokratie einbringen, werden und bleiben sie ausschließlich Opfer der sich tatsächlich vollziehenen Änderungen.
    Mein Vater sagte, Wahlrecht ist Wahlpflicht. Hier drückte sich die eine innere Einstellung zur Demokratie aus, zur Selbstbestimmung des Lebens und dem Kampf für die Freiheit von unten, die immer von den oben, von den Mächtigen bedroht sein wird.

    PS: Dass der CDU Wirtschaftskompetenz zugetraut wird, ist ein wunderbares Vorurteil. Die Statistiken überall zeigen, dass keine politische Gruppe mehr Inkompetenz in volkswirtschaftlichen Fragen hat, wie die Konservativen. In ihrer Gruppe sammeln sich zwar regelmäßig viele Unternehmer und Manager, aber dass sie wissen, wie sie um ihren eigenen Vorteil kämpfen, bedeutet noch nicht, dass sie in der Lage sind, Verantwortung für eine Volkswirtschaft zu übernehmen. Häufig sammeln gerade die konservativen Parteien in guten Zeiten übermäßige Schulden an und geben leichtfertig Steuergelder aus (s. Griechenland, USA, Deutschland in den frühen 90er Jahren…).
    Es sind dann regelmäßig Parteien wie die Liberalen (USA), Sozialliberalen (Deutschland) oder Sozialisten (Griechenland aktuell), die dann das Land aus den Krisen führen dürfen, ohne die Gelegenheit zu haben, ihr Wählervolk mit Geschenken zu versorgen.

 

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