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Potenziale politischer Paritizipation: Was wir von Google Street View lernen können

 

Drei Zahlen:

Nun folgt daraus – natürlich – keineswegs, dass sich – analog zu Google Street View – nur 3 Prozent der Deutschen (oder auch nur 3 Prozent der deutschen Haushalte) auch tatsächlich an direktdemokratischen Abstimmungen beteiligen würden. Aber kurz innehalten sollte man doch. In der Sozialpsychologie ist die Diskussion um eine „Attitude-Behavior-Gap“ ein alter Hut. Nicht jeder – noch dazu in einer Umfrage geäußerten – Meinung folgt ein entsprechendes Verhalten. Wenn also derzeit allseits der Eindruck entsteht (oder erweckt wird), direktdemokratische Verfahren seien ein Allheilmittel, dann wird vielleicht ein wenig vorschnell geschossen – bei Google Street View hätte man schließlich nur ein Formular ausfüllen müssen, um Meinungen auch Taten folgen zu lassen. Drei Prozent haben das getan.


1 Kommentar

  1.   Mike_E

    ihr beitrag bestätigt meine vorbehalte gegen den glauben, plebiszitäre elemente seien allheilmittel gegen parteiverdrossenheit, krisenstimmung, demokratiedefizit usw.
    plebiszitäre elemente mögen da und dort sinnvoll sein, wenn es zum beispiel darum geht, ob und wie bauen wir unsere stadthalle in xy-stadt? aber überregionale entscheidungen? wer darf, wer soll abstimmen? sollen über stgt21 nur stuttgarter abstimmen dürfen oder vielleicht alle baden-württemberger? soll man wegen der rentenreform das volk befragen? wieso dürften dabei dann die rentner noch mit abstimmen?

    —-
    zwischenbemerkung:
    vielleicht wären plebiszitäre elemente auch ganz überflüssig, wenn man vorhandene strukturen (bleiben wir mal auf kommunaler ebene) wie zum beispiel den ‚bezirksbeirat‘ (in ba-wü in gemeinden ab 100.000 einwohner vorgesehen) seitens der gewählten stadtspitze und vor allem der verwaltung ernst nehmen würde. (schade, dass man aus stuttgart nicht hört, wie denn stgt21 in den bezirksbeirat vorgestellt und diskutiert wurde)
    zwischenbemerkung ende
    —-

    zur ergänzung ihres beitrags sollte man an den beitrag von Andrea Römmele und Henrik Schober hier im blog zum Hamburger Volksentscheid um die Primärschule erinnern:
    https://blog.zeit.de/politik-nach-zahlen/2010/07/19/warum-die-primarschule-in-hamburg-gescheitert-ist_2459

    mir alle paar wochen gedanken zu machen, wie bauen wir unser verkehrsnetz aus, wie lange sollen unsere kinder in welche schule, soll man in der kneipe rauchen dürfen, brauche ich atomstrom, wie lange dürfen kirchenglocken läuten – oh, danke nein. ich übernehme doch nicht unbezahlt die arbeit der gewählten, bezahlten vorlksvertreter.

    ich bin froh, dass ich ’nur‘ an einem tag wählen darf – das ist eben demokratie – immerhin kann mich dann die restlichen 1460 Tage schön entspannt über andere ärgern.

 

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