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Facebook, Twitter und Co: Welche Rolle spielen die Sozialen Medien in Wahlkämpfen?

 

AndreaWenn der Wahlkampf ein Markt ist, ist Aufmerksamkeit seine Währung. Denn die erste Hürde, die jede politische Botschaft überspringen muss, ist keine inhaltliche (z.B., „Ist der Vorschlag gut?“), sondern eine kommunikative: „Wird der Vorschlag gehört?“. Dieses altbekannte Prinzip politischer Kampagnenarbeit hat durch die Sozialen Medien eine beachtliche Ausdehnung erfahren: Ging es vormals primär darum, dass die Forderungen von klassischen Medien wie Presse, Funk und Fernsehen verbreitet werden, so ist es heute auch mehr denn je möglich, die Botschaften selbst zu senden und aktiv Unterstützung zu generieren.

Soweit die Theorie. Ist es aber auch praktisch relevant, wie viele Facebook-Freunde Stefan Mappus hat oder wie viele Menschen Olaf Scholz auf Twitter folgen? Machen YouTube-Videos tatsächlich einen Unterschied? Diese Fragen stellen sich derzeit viele Politiker und Parteistrategen – und von der Antwort kann einiges abhängen: Gerade bei Landtagswahlen sind die Budgets vieler Kandidaten knapp und so kann die Entscheidung für oder gegen einen professionellen Online-Auftritt einen direkten Einfluss auf die gesamte Wahlkampf-Strategie haben. Denn auch wenn der finanzielle Aufwand für Online-Wahlkämpfe vergleichsweise gering ist, fallen doch Kosten an: Beispielsweise muss das Facebook-Profil eines Kandidaten mit einigem personellem Aufwand gepflegt werden, damit sich der positive Effekt der Online-Präsenz nicht ins Gegenteil verkehrt. Auch Videos, die auf Plattformen wie YouTube eingestellt werden, dürfen zwar vergleichsweise „hemdsärmelig“ daher kommen, bedürfen aber dennoch professioneller Unterstützung.

Die Frage „Brauchen wir das?“, die derzeit in vielen Wahlkampfteams gestellt wird, ist somit berechtigt. Nähern wir uns also einer Antwort an. In der Deutschen Wahlstudie zur Bundestagswahl 2009 finden sich klare Hinweise darauf, wie die Nutzung Sozialer Medien mit dem Interesse am Wahlkampf zusammengeht. Bevor wir diese Ergebnisse genauer betrachten, sollten wir jedoch einen Blick darauf werfen, wie viele Bürger die Sozialen Medien überhaupt nutzen. Eine Erhebung aus dem Januar 2010, also kurz nach der letzten Bundestagswahl, zeigt, dass die in Deutschland größten Sozialen Netzwerke 14,4 (VZ-Gruppe) bzw. 13 Millionen (Facebook) regelmäßige Besucher haben, welche die Seite mindestens einmal pro Monat besuchen. Dazu kommen weitere große Netzwerke wie Wer kennt wen (6,7 Mio), StayFriends (5,6), Twitter (3,9), MySpace (3,8), und Lokalisten (3,4).

Diese Zahlen sind beachtlich – auch wenn man natürlich bedenken muss, dass viele Menschen mehrere Profile haben und zudem ein guter Teil der Nutzer noch nicht wahlberechtigt ist oder der Gruppe der Nichtwähler angehört. Dennoch lässt sich ein starker Trend ablesen, der auch von den Ergebnissen der Deutschen Wahlstudie gestützt wird: Hier gaben einen Monat vor der Bundestagswahl 47 Prozent der Befragten an, mindestens einmal pro Woche eine Soziale-Medien-Seite zu besuchen.

Und sind diese Zahlen nun für den Wahlkampf relevant? Immerhin 15 Prozent der Wahlbevölkerung berichtet, Wahlkampfinformationen über die Sozialen Medien erhalten zu haben. Und vier Prozent sind selbst als „Wahlkämpfer“ in den sozialen Medien aktiv, sie verbreiten etwa Wahlkampfmaterial in ihren jeweiligen Netzwerken. Mit Blick auf die hohen absoluten Nutzerzahlen, sind diese Werte beachtlich.

Wer sind nun aber diese „Online-Wahlkampfhelfer“? Sind es dieselben Personen, die auch Mitglieder der Parteien sind und an den Wochenenden auf Marktplätzen, an U-Bahn-Haltestellen und in Geschäftspassagen stehen? Hier zeigen unsere Daten Erstaunliches: Es sind junge Leute mit einer hohen Parteiidentifikation aber ohne Parteimitgliedschaft, die online in ihren sozialen Netzwerken aktiv sind – also eine völlig andere Unterstützergruppe als jene, die wir beim Straßenwahlkampf sehen.

Dieser Befund sollte Wahlkämpfer aufmerken lassen. Allzu oft war bereits von Politik-, Politiker- oder Parteienverdrossenheit in der Bevölkerung die Rede und gerade auch die letzten Wahlkämpfe haben es offenkundig nicht geschafft, neue Zielgruppen anzusprechen und somit die Zahl der Nichtwähler zu verringern. Im Gegenteil, gerade die jüngste Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, die Hinweise auf die Kampagnen in den Landtagswahlen dieses Jahres geben kann, kam überraschend unspektakulär und altbacken daher. Kreative Kampagnen, die neue Wähler hätten gewinnen können, waren online wie offline Mangelware.

Die Sozialen Meiden sind bestimmt kein Allheilmittel. Es sei daran erinnert, dass auch im bislang wohl modernsten Wahlkampf weltweit, Obamas Kampagnen bei den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2008, trotz aller Online-Elemente eine klare Priorität auf den klassischen Medien lag. Allerdings zeigt die empirische Sozialforschung, dass im Internet ein nicht unerhebliches Wählerpotenzial schlummert, das umso interessanter ist, da es sich von den Gruppen, die über klassische Kampagnentechniken angesprochen wird, deutlich zu unterscheiden scheint. Und je enger ein Wahlausgang prognostiziert wird – etwa im Fall der aktuellen Umfrageergebnisse für Baden-Württemberg hin –, desto wichtiger werden diese Elemente.

Literatur:

Andrea Römmele/Sabine Einwiller: Citizen Leaders and Party Laggards: Social Media in the 2009 German Federal Election. Paper presented at the Annual Meeting of the American Political Science Association, Washington DC, Sept 1-5, 2010.

Mehr Informationen über die Deutsche Wahlstudie unter www.dgfw.info

6 Kommentare

  1.   offshore company

    Blogposts in einen solchen Kontext eingebettet sind kann man sich lange mit Scheinfragen wie der beschaftigen ob Blogger Journalisten sind oder nicht sind. Blogposts in einen solchen Kontext eingebettet sind kann man sich lange mit Scheinfragen wie der beschaftigen ob Blogger Journalisten sind oder nicht sind.

  2.   Hans-Dieter Zimmermann

    Social Media sind ganz sicher kein Allheilmittel, weder in der Politik noch sonst. Aber: Sie sind Kommunikationsinstrumente, die ihren Platz im Kommunikationsmix haben müssen. Aktuell dazu passen auch die weitgehende Ignoranz deutscher Abgeordneter gegenüber Facebook (http://goo.gl/QU1T4 (Studie)) oder z.B. die konkrete Nutzung von Social Media in der Schweiz durch Politiker bei einer regionalen Wahl 2010 (http://goo.gl/yAWwp).

  3.   internetfuzzi

    moin Frau Römmele.

    Sie wollten wissen:
    „Ist es aber auch praktisch relevant, wie viele Facebook-Freunde Stefan Mappus hat?“

    Relevant wird die Anzahl der Freunde, wenn sie gegen 5000 geht und sich damit dem Limit der für einen persönlichen facebook-Account möglichen Freunde nähert.

    In dem Fall, dass 5000 facebook-Freunde erreicht wurden, muss ein neuer persönlicher Account erstellt werden.

    Neben den ursprünglichen persönlichen facebook-Accounts für ’normale‘ Personen bietet facebook mittlerweile auch sog. facebook „Seiten“, die auch im Fall von Herrn Mappus als Person eines öffentlichen Lebens in dem von Ihnen beschriebenen Kontext sicher als bessere Wahl zu betrachten sind.

    Tatsächlich wurde für Herrn Mappus auch eine solche „Seite“ bei facebook angelegt, wobei ich über die Kosten keine Angaben machen kann – im Zweifel wird das erfahrungsgemäss von dem Bekannten einer Wahlhelferin für lau erledigt.

    Die Anzahl der „Fans“ dieser Seite beträgt aktuell 1,991, wobei die Anzahl der „Fans“ im Gegensatz zu ‚Freunden‘ tatsächlich nicht limitiert ist.

    Soweit die Praxis dazu.

    Nicht erwähnt wurde in Ihrem Blogbeitrag auch die Resonanz der klassischen Medien auf etwaige ursprünglich über twitter, facebook etc generierte Beiträge und die daraus resultierende mögliche Meinungsbildung. Die wäre aber zu beachten.

    MfG,
    Ihr internetfuzzi

  4.   Julia

    off topic: Warum wurde dieser Blog schon wieder umbenannt?
    Meinetwegen hätten die „Zahlen“ gerne bleiben können. Um genau zu sein, hätten die „Zahlen“ gerne noch ein paar Freunde einladen können. Mich interessieren nämlich originäre empirische Forschungsergebnisse wesentlich mehr als einige Blogeinträge, die in schwafelige Erörterungen abdriften.

  5.   business daily

    geringe Kosten unkomplizierte Produktionsprozesse und einfache Zuganglichkeit der Werkzeuge fur die Veroffentlichung und Verbreitung von Inhalten jeder Art auf die sowohl fur Unternehmen als auch fur Privatpersonen einsetzbar sind. Wahrend Massenmedien wie das Fernsehen zunehmend auf die lineare eines setzen unterliegt die Kommunikation von Social Media neben einem hohen auch dem Prinzip des zur Generierung von und Reichweite..Einige Eigenschaften die bei der Differenzierung helfen sind beispielsweise .. .Es existiert eine Vielzahl an Social-Media-Technologien in den Bereichen ..Im Bereich der Kommunikation gibt es Social-Network-Aggregatoren Event-Portale und ..Fur die Kollaboration und das Wissensmanagement existieren und ..Im Multimediabereich sind die Technologien und verbreitet..In der Unterhaltungbranche gibt es beispielsweise und ..Verschiedene Anwendungen dieser Technologien konnen mittels Social-Media- vereint werden…Heutzutage sind Weblogs Foren soziale Netzwerke Wikis und Podcasts die verbreitetsten Social-Media-Technologien .

  6.   Louis Carabini

    Im Vergleich zum Vorjahr sind damit 5 5 Millionen Nutzer neu hinzugekommen. .Je besser Kinder uber die Absicherung von Computern und wie sie diese uberwinden konnen informiert sind desto haufiger besuchen sie illegale Webseiten oder betreiten Softwarepiraterie..

 

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