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Parteien, Mitglieder, Wähler: Saarland

 

Fast ist der Punkt erreicht, an dem zur Landtagswahl im Saarland vom vergangenen Sonntag alles gesagt ist, nur noch nicht von jedem. Aber eine kleine Anmerkung zu dieser Wahl sei mir hier doch noch erlaubt, weil sie meines Erachtens sehr deutlich macht, was dort mit Blick auf die Parteien – und inbesondere die Piraten einerseits, die FDP andererseits – passiert ist.

Die Abbildung setzt die Zahl der Stimmen, die die einzelnen Parteien am Sonntag erhalten haben, ins Verhältnis zur jeweiligen Mitgliederzahl dieser Parteien. (*) Angenommen wird dabei, dass alle Mitglieder einer Partei diese Partei auch tatsächlich gewählt haben – was nicht allzu kühn erscheint.

Besonders die Extreme stechen dabei in bemerkenswerter Weise hervor: Auf der einen Seite stehen die Piraten, die trotz geringer (wenn auch stark wachsender) Mitgliederzahl und damit einhergehend geringer Verankerung in der Gesellschaft eine unglaublich hohe Stimmenanzahl erreicht haben: Rund 400 Mitgliedern stehen 35.000 Stimmen gegenüber, der Anteil der Mitglieder an den Stimmen liegt demnach bei gerade einmal etwas über einem Prozent. Das zeigt deutlich: Die Piraten treffen derzeit eine gesellschaftliche Stimmung, die sie von einem Erfolg zum nächsten zu führen scheint.

Dem steht am anderen Ende die FDP gegenüber. Hier gilt: Auf ein Mitglied kommen nur noch zwei zusätzliche Wähler – über ihre Mitglieder hinaus ist es der Partei offenkundig kaum noch gelungen, Stimmen anzuziehen. Wenn die Wählerschaft einer Partei zu rund einem Drittel aus gebundenen Mitgliedern besteht, kann jedenfalls von einem gesellschaftlichen Rückhalt jenseits der eigenen Partei kaum noch die Rede sein…

(*) Die Mitgliederzahlen wurden aus verschiedenen Quellen zusammengestellt, u.a. den einschlägigen Wikipedia-Seiten zu den Parteien im Saarland, der aktuellen Medienberichterstattung (im Falle der Piraten) sowie der Zusammenstellung von Oskar Niedermayer zu Parteimitgliedern in Deutschland.

1 Kommentar

  1.   Mike_E

    (Leider) weiss ich aus eigener Erfahrung, dass der Punkt ‚Angenommen wird dabei, dass alle Mitglieder einer Partei diese Partei auch tatsächlich gewählt haben – was nicht allzu kühn erscheint.‘ zwar plausibel erscheint, aber nicht sein muss. Gerade wenn eine Partei in schwieriges Fahrwasser gerät, kann es durchaus vorkommen, dass eben nicht mal mehr jedes Mitglied automatisch zur eigenen Partei steht. Beispiel: Als G. Schröder mit seiner Agenda 2010 umfassende Reformen anstieß, flohen zwar auch viele – mehr oder weniger schnell – aus der SPD. Allerdings gab es auch viele, die zwar aufgrund der Geschichte der SPD dort Mitglied blieben, aber dann nicht mehr zwangsläufig zur Wahl gingen. Dies führte beispielsweise dazu, dass 2007 in einem OB-Wahlkampf in einer Südwestdeutschen Großstadt (aufgrund des Datenschutzes soll sie ungenannt bleiben, Tipp: dort steht ein Schloß mit toller Uni nebst herausragenden Wahlforschern…) die Mitglieder massiv mobilisiert wurden, da a.) mit geringer Wahlbeteiligung und b.) knappen Wahlausgang zu rechnen war. (Und jedes Mitglied sollte als Bonus noch eine, vielleicht auch mehr nahestehende Personen zur Wahl mitschleifen – Eltern, Kinder, Partner, Nachbarn)

    Allerdings vermute ich, dass dies für diese Untersuchung hier im Falle FDP keine Rolle spielen dürfte, weil es meiner Meinung nach in der Politik der FDP es keinen Bruch in der Art gab, wie es die Agenda 2010 für die SPD bedeutete.

 

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