‹ Alle Einträge

Wahlbeteiligung an Wochentagen – eine kurze Antwort auf Manfred Güllner

 

Manfred Güllner hat letzte Woche den Vorschlag gemacht, den Wahltag von einem Sonntag auf einen Wochentag zu legen – hiermit verbunden ist die Hoffnung, dass Bürgerinnen und Bürger wochentags eher zur Wahl gehen und wir eine höhere Wahlbeteiligung verzeichnen.

Ist hiervon aber tatsächlich ein positiver Effekt zu erwarten? Hier hilft ein kurzer Blick über den Tellerrand: In den USA und in Großbritannien beispielsweise, wo traditionell wochentags gewählt wird, ist die Wahlbeteiligung deutlich niedriger als bei uns in Deutschland. Zudem ist sie zumindest in GB, wo traditionell donnerstags gewählt wird, in den letzten 20 Jahren um ca. zehn Prozentpunkte gefallen. In den USA, wo die Wahlen dienstags stattfinden, haben zumindest die letzten beiden Wahlkämpfe die Wahlbeteiligung wieder über 55% gebracht.

 

Wahlbeteiligungen in D (grün), GB (rot) und USA (blau)

 

In Deutschland gingen hingegen auch 2009, dem Jahr des bisherigen Negativrekords, noch über 70% der Wahlberechtigten an die Urnen. Die These, dass die Beteiligung an Wochentagen höher ist, kann also empirisch nicht bestätigt werden. Eher sind Themen und die unterschiedlichen politischen Angebote ausschlaggebend. Sie entscheiden darüber, ob die Bürgerinnen und Bürger mobilisiert werden können und und an die Wahlurne gehen.

 

3 Kommentare

  1.   Andreas

    Bloß haben GB und UK ein Mehrheitswahlrecht, wo es für den größten Teil der Wahlberechtigten von vornherein unsinnig ist, zu wählen, weil ihre Stimme eh nichts bewirken kann.


  2. Meiner Auffassung nach sinkt die Wahlbeteiligung in Deutschland nicht, weil die Wähler am Sonntag ausschlafen möchten, ober weil sie bei Sonnenschein lieber an den Baggersee fahren und sich bei Regen nicht aus dem Haus trauen, sondern deshalb, weil sie glauben, dass sie nur noch die Wahl zwischen Skylla und Charybdis haben. Die sozialdemokratischen Stammwähler sind seit Hartz4 und der Agenda 2010 nur noch schwer an die Urnen zu bringen, CDU-Stammwähler vermissen u.a. die Wehrpflicht, die Atomenergie und die konservative Familienpolitik, viele Grünenwähler fürchten, ihre Partei könne trotz anders lautender Versprechen nach der Bundestagswahl schwarz-grün präferieren (Hauptsache wir sind an der Macht, egal mit wem), die FDP wird als Klientelpartei gesehen, zu deren Klientel nicht mehr viele Wähler gehören, und bei der man sich nicht sicher sein kann, ob die Stimme nicht verloren ist, weil sie nicht mehr ins Parlament kommt, die Linke ist vielen zu extrem und immer noch mit DDR-und Stasimentalität-Image behaftet, die NPD ist gottseidank für die Wenigstens wählbar, die Piraten werden als Chaotenhaufen gesehen und wenn man doch damit liebäugelt, eine der großen Parteien zu wählen, dann hält einen der Gedanke davon ab, dass die Partei nach der Wahl ziemlich genau das Gegenteil davon machen wird, was sie vor der Wahl versprochen hat. Bei diesen Aussichten könnte man eine ganze Woche lang wählen lassen und würde die Wahlbeteiligung kaum steigern. Solange die Wähler das Gefühl haben, die Politiker kümmern sich mehr um das Wohl von Banken, Märkten und Lobbyisten anstatt um das ihrer Bürger, werden sie kaum die Wahllokale stürmen.

  3.   lom

    Spannender wäre die systematische Untersuchung, ob z.b. Angestellte durch eine Änderung des Wahltages auf einen Arbeitstag ehere öfter oder eher seltener zur Wahl gehen.

    Weiterhin gilt: wer wählt bestimmt. Wer nicht wählt stimmt automatisch der Mehrheit zu.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren