{"id":3875,"date":"2012-09-03T15:27:58","date_gmt":"2012-09-03T13:27:58","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/?p=3875"},"modified":"2012-09-03T15:30:28","modified_gmt":"2012-09-03T13:30:28","slug":"twitter-shitstorm-verdrangt-die-inhaltlichen-themen-des-gop-parteitags","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/2012\/09\/03\/twitter-shitstorm-verdrangt-die-inhaltlichen-themen-des-gop-parteitags\/","title":{"rendered":"Twitter-Shitstorm verdr\u00e4ngt die inhaltlichen Themen des GOP-Parteitags"},"content":{"rendered":"<p><em>von Ines Mergel<\/em><\/p>\n<p>Der gerade zu Ende gegangene Parteitag der Republikaner in den USA zeigt: Twitter-Lawinen sind unaufhaltbar. Jeder noch so kleine Fehltritt eines Redners endet in einem Mem, das die Internetgemeinde begeistert.<\/p>\n<p>Gleich zu Beginn des GOP-Parteitages fiel auf, dass sich Twitter.com mehr und mehr zu einem Medienunternehmen entwickelt hat, das tief in den Wahlkampf involviert ist. Der <a href=\"http:\/\/blog.twitter.com\/2012\/08\/tweets-from-tampa.html\">Hashtag #GOP2012<\/a> war auf allen offiziellen Flaggen des Tampa-Stadions platziert, un\u00fcbersehbar und direkt nutzbar f\u00fcr jeden Teilnehmer mit einem Smartphone. #GOP2012 wurde sehr schnell zum \u201e<a href=\"http:\/\/blog.twitter.com\/2012\/08\/a-four-million-tweet-convention-thats.html\">trending topic<\/a>\u201c in den USA. Die Reden w\u00e4hrend des Parteitags beginnen und die Bev\u00f6lkerung &#8222;tweetet&#8220; w\u00e4hrend Romneys erstem Auftritt. Twitter z\u00e4hlt \u00fcber 14.000 Tweets: Sechsmal so viele wie w\u00e4hrend des gesamten GOP-Parteitags in 2008. Mit ihrer vereinten Intelligenz nehmen Twitter-Nutzer in sekundenschnelle jede Redewendung auseinander, checken und gegenchecken jede Behauptung und posten schnell den Gegenbeweis f\u00fcr jede plumpe L\u00fcge der Kandidaten, die sich dann wie ein Feuersturm rasend schnell im Netz verbreitet.<\/p>\n<p>Besonders die Rede von Clint Eastwood wird von der Twitter-Gemeinde aufs Korn genommen und mit Hilfe des Hashtags <a href=\"http:\/\/www.thedailybeast.com\/articles\/2012\/08\/31\/best-of-invisibleobama-tweeters-strike-back-eastwooding-begins.html\">#eastwooding<\/a> in einem online Feuersturm l\u00e4cherlich gemacht. Die Twitterparodie \u201e<a href=\"https:\/\/twitter.com\/InvisibleObama\">Invisible Obama<\/a>\u201c entsteht und zeigt, dass das Einreden auf einen leeren Stuhl &#8211; wie von Eastwood schauspielerisch dargestellt &#8211; nicht gut ankommt. Innerhalb weniger Minuten hat der Account mehrere zehntausend Follower hinter sich vereinigt, die bereitwillig Scherze auf Kosten des Stuhls verteilen. Hunderte mit Hilfe von Photoshop ver\u00e4nderte Versionen des leeren Stuhls kursieren im Internet. Jede Late-Night-Show geht auf die Varianten ein. Auch das Obama-Camp ist schnell und postet eine brillante Gegendarstellung mit der Unterschrift: <a href=\"https:\/\/twitter.com\/BarackObama\/status\/241392153148915712\/photo\/1\">\u201eDieser Stuhl ist bereits besetzt\u201c<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/BarackObama\/status\/241392153148915712\/photo\/1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-3880\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/files\/2012\/09\/This-seat-is-taken.png\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/files\/2012\/09\/This-seat-is-taken.png 768w, https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/files\/2012\/09\/This-seat-is-taken-300x265.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Quelle: Twitter.com\/BarackObama<\/p>\n<p>Das Online-Fiasko ist sofort messbar: Mit dem Twitter-Index werden die Gef\u00fchlswelt der politisch interessierten Nutzer in Zusammenarbeit mit der Tageszeitung USAToday.com gemessen und die Stimmungslage visuell auf einer Skala von 1-100 dargestellt. Obwohl es wenige Informationen dar\u00fcber gibt, wie gemessen wird, werden die resultierenden Zahlen <a href=\"https:\/\/twitter.com\/AdamS\/status\/231190305259532290\">laut Adam Sharp<\/a>, Twitters Direktor f\u00fcr \u201cGovernment News and Social Innovation\u201d der Gallup-Umfrage-Qualit\u00e4t gleichgesetzt. Twindex misst, ob die Online-Gemeinde positiv oder negativ \u00fcber die beiden Kandidaten tweetet. Alle Werte \u00fcber 50 sind ein Indikator f\u00fcr eine positive Stimmungslage. Wurde Romney noch am ersten Parteitag mit einem Wert von 60 positiv besprochen, hat sich die Stimmung w\u00e4hrend des \u201eEastwooding\u201c-Skandals schnell umgekehrt und sein Twindex fiel auf 35:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/election.twitter.com\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-3881\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/files\/2012\/09\/The-Twitter-Political-Index.png\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"325\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/files\/2012\/09\/The-Twitter-Political-Index.png 837w, https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/files\/2012\/09\/The-Twitter-Political-Index-300x216.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/election.twitter.com\/\">election.twitter.com<\/a> (31. August 2012)<\/p>\n<p>Das gesamte Twitter-Archiv wird so in einer visuell ansprechenden Form in der oben gezeigten Graphik analysiert. Jedoch ist unklar, wie verl\u00e4sslich diese Repr\u00e4sentation ist. Twitter erl\u00e4utert nicht, ob Twitterbots mit einbezogen werden, die zu tausenden automatisch Romney\u2019s Twitterprofil folgen, oder ob ironisch gemeinte Tweets als positiv bewertet werden. Zur Zeit nutzen laut einer <a href=\"http:\/\/pewresearch.org\/databank\/dailynumber\/?NumberID=1219\">Pew Umfrage ca. 8% der Amerikaner, die online aktiv sind, Twitter<\/a>. Sind also ebenso viele Schwarze, Latinos und Asiatisch-st\u00e4mmige Amerikaner auf Twitter vertreten wie in der wahlberechtigten Bev\u00f6lkerung? Diese Fragen bleiben offen und erst am Wahlabend wird klar werden, inwieweit die Online-Gemeinde die tats\u00e4chliche Stimmung der W\u00e4hler wiederspiegelt.<\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/www.slate.com\/articles\/news_and_politics\/politics\/2012\/08\/twitter_and_other_social_media_will_make_the_next_close_presidential_election_much_worse_than_florida_in_2000_.html?tid=sm_tw_button_toolbar\">Lehren<\/a> die aus dem GOP-Parteitag gezogen werden k\u00f6nnen: Twitter verst\u00e4rkt jedes Wahlkampffiasko. Jeder Fehltritt wird unaufhaltbar in Online-Lawinen verteilt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dr. Ines Mergel ist Professorin f\u00fcr Verwaltungswissenschaften an der Maxwell School of Citizenship and Public Affairs (USA) und <a href=\"http:\/\/www.twitter.com\/inesmergel\">twittert \u00fcber die Nutzung von sozialen Medien<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ines Mergel Der gerade zu Ende gegangene Parteitag der Republikaner in den USA zeigt: Twitter-Lawinen sind unaufhaltbar. Jeder noch so kleine Fehltritt eines Redners endet in einem Mem, das die Internetgemeinde begeistert. 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