{"id":3885,"date":"2012-09-07T11:11:28","date_gmt":"2012-09-07T09:11:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/?p=3885"},"modified":"2012-09-07T11:11:28","modified_gmt":"2012-09-07T09:11:28","slug":"amerika-nach-den-parteitagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/2012\/09\/07\/amerika-nach-den-parteitagen\/","title":{"rendered":"Amerika nach den Parteitagen"},"content":{"rendered":"<p>Die Show ist den Demokraten gelungen. In Charlotte tagte vier Tage lang die Democratic National Convention und hielt beeindruckende Reden bereit, allen voran die des ehemaligen Pr\u00e4sidenten Bill Clinton. Seine Rede bewegte nicht nur Parteianh\u00e4nger, sie war auch dar\u00fcber hinaus das zentrale Gespr\u00e4chsthema in den USA. Clinton gelang es damit stellvertretend f\u00fcr Pr\u00e4sident Obama, die Mitte der Gesellschaft anzusprechen.<\/p>\n<p>Den H\u00f6he- und Schlusspunkt der Veranstaltung setzte Barack Obama mit einer engagierten Rede selbst. Es war die Rede eines Amtsinhabers, der in den letzten vier Jahren einen harten und steinigen Weg gegangen ist. Der in Zeiten wirtschaftlicher Krisen beileibe nicht alle seine Versprechen eingehalten hat und der um mehr Zeit bittet. Die Themen und der Rahmen des Wahlkampfes der Demokraten sind klug und klar abgesteckt: Es geht um Unterschiede in der Innenpolitik (Bildung und Gesundheit) und in der Au\u00dfenpolitik. Im Gegensatz zu seinem Herausforderer Mitt Romney und dessen Vize Paul Ryan haben sowohl Bill Clinton als auch Barack Obama die amerikanischen Soldatinnen und Soldaten erw\u00e4hnt, ihnen Respekt gezollt und gro\u00dfe Anerkennung und ihnen Unterst\u00fctzung bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft zugesichert \u2013 eine wichtige Geste, die in Tampa bei den Republikanern ausblieb.<\/p>\n<p>Clinton und Obama entwarfen stellvertretend f\u00fcr die Partei, die sich als das \u201ebig tent\u201c begreift (das gro\u00dfe Zelt, in dem alle Platz finden), ein Gesellschaftsbild, das sich klar von dem der Republikaner absetzt. Es geht darum, in welcher Gesellschaft die Amerikaner leben m\u00f6chten: in einer, in der das \u201eWir\u201c gro\u00dfgeschrieben wird, oder in einer, in der das Individuum an erster Stelle kommt. Das Mantra des Bill Clinton hat Barack Obama leiser, aber nicht weniger nachdr\u00fccklich fortgesetzt. Es geht um mehr als parteipolitische Auseinandersetzung. Es geht um gemeinsames L\u00f6sen der anstehenden Probleme. Der Parteitag hat so gesehen gezeigt, worum es in einer Demokratie eigentlich geht.<\/p>\n<p>Dabei soll freilich auch die andere Seite der demokratischen Auseinandersetzung zwischen Republikanern und Demokraten nicht unerw\u00e4hnt bleiben, die ebenso zu Spiel geh\u00f6rt. Obama konnte in seiner derzeitigen Position keine Rede halten wie noch 2008, deren Botschaft einzig seine Vision war. Vier Jahre sp\u00e4ter musste er sich an der politischen Realit\u00e4t abarbeiten \u2013 und auch an seinem Konkurrenten. Kampagnenstrategie und Umfrageergebnisse lie\u00dfen es nicht zu, Mitt Romney zu ignorieren; stattdessen wurde er attackiert. Dies k\u00f6nnte der zweite Teil der Lehren sein, die gezogen werden k\u00f6nnen: Ambitionierte Ziele sind wichtig, aber man muss sie auch durchboxen.<\/p>\n<p>Amerika nach den Parteitagen, was bleibt in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung? Ein leerer Stuhl f\u00fcr die Republikaner auf der einen Seite und eine Vision gepaart mit einer klugen Strategie der Demokraten auf der anderen. Dieser erste wichtige Schlagabtausch ging klar an die Demokraten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Show ist den Demokraten gelungen. In Charlotte tagte vier Tage lang die Democratic National Convention und hielt beeindruckende Reden bereit, allen voran die des ehemaligen Pr\u00e4sidenten Bill Clinton. Seine Rede bewegte nicht nur Parteianh\u00e4nger, sie war auch dar\u00fcber hinaus das zentrale Gespr\u00e4chsthema in den USA. 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