{"id":403,"date":"2009-04-07T14:33:02","date_gmt":"2009-04-07T13:33:02","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/wahlen-nach-zahlen\/?p=403"},"modified":"2009-04-07T14:33:02","modified_gmt":"2009-04-07T13:33:02","slug":"lernen-von-obama","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/2009\/04\/07\/lernen-von-obama\/","title":{"rendered":"Lernen von Obama?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"about#schober\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-273\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/wahlen-nach-zahlen\/files\/2009\/03\/henrik1_023.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"72\" \/><\/a>Barack Obama hat den Kontinent verlassen. Aber er hinterl\u00e4sst uns einige bemerkenswerte Botschaften. Neben den inhaltlichen Signalen, die dieser Tage breit diskutiert werden (Wirtschaftskrise, transatlantische Beziehungen, Afghanistan), kann man am Besuch des US-Pr\u00e4sidenten auch interessante Hinweise in Sachen Wahlkampf ablesen. Immerhin befindet sich der amerikanische Pr\u00e4sident quasi per definitionem im Dauerwahlkampf. Und w\u00e4hrend seines Besuches wurde deutlich, dass er nicht nur Staats- und Regierungschefs, sondern auch das europ\u00e4ische Volk von seinen Ideen \u00fcberzeugen wollte. Zudem gilt der Wahlkampf Obamas seit Monaten als leuchtendes Beispiel f\u00fcr eine perfekt organisierte und inszenierte Kampagne. Die Amerikanisierung bzw. Obamasierung des Wahlk\u00e4mpfens scheint auch in Deutschland alternativlos zu sein. Welche Erkenntnisse lassen sich also aus Obamas Auftritten f\u00fcr die anstehenden Wahlk\u00e4mpfe in Deutschland gewinnen? \u00dcber zwei Anregungen k\u00f6nnten unsere Spitzenpolitiker nachdenken.<\/p>\n<p style=\"padding-top: 20px\"><em>\u00dcberzeugende Personen&#8230;<\/em><\/p>\n<p>Dass Barack Obama seiner Politik ein Gesicht gibt, dass seine Person unmittelbar mit dem &#8222;Change&#8220; verkn\u00fcpft ist, ist bestens bekannt. Entsprechende Bem\u00fchungen, Personen mit Programmen zu verkn\u00fcpfen, sind auch in Deutschland erkennbar. Ein Trend jedoch, auf den wir hierzulande noch warten, ist die professionelle Inszenierung des privaten Umfelds. F\u00fcr die Ehepartner der deutschen Regierenden wird auf Auslandsreisen \u00fcblicherweise ein separates &#8222;Damenprogramm&#8220; angeboten, Michelle Obama hingegen steht regelm\u00e4\u00dfig im Rampenlicht. Durch \u00fcberzeugende Auftritte im vergangenen Herbst hat sie dazu beigetragen, dass die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler die menschliche Seite ihres Mannes kennen lernten &#8211; und auch in London, am Rande des G-20-Gipfels, galt ihr mehr Aufmerksamkeit als manchem Politiker. Auf diese Weise tr\u00e4gt sie ebenso wie andere Menschen aus seinem privaten Umfeld aktiv zur Pers\u00f6nlichkeitsbildung ihres Gatten bei. In einer letzte Woche ver\u00f6ffentlichten Gallup-Umfrage ist Michelle Obama unter den US-B\u00fcrgerinnen und -B\u00fcrgern mit einer Zustimmungsrate von 72 Prozent und einer Ablehnungsrate von 17 Prozent sogar noch etwas beliebter als ihr Mann (69 zu 28 Prozent). Das politische Potenzial dessen wird deutlich, wenn man auf die Zustimmungsraten im gegnerischen Lager blickt: Immerhin 48 Prozent der Republikaner bef\u00fcrworten Michelle Obama, ihr Mann erreicht 36 Prozent. In Deutschland hingegen werden solche Daten zu Joachim Sauer oder Elke B\u00fcdenbender gar nicht erhoben.<\/p>\n<p style=\"padding-top: 20px\"><em>&#8230; haben Visionen<\/em><\/p>\n<p>In Prag tr\u00e4umte der US-Pr\u00e4sident laut von einer Welt ohne Atomwaffen. Kein besonders realistisches Szenario, dennoch war das Medienecho auf diese Rede sehr positiv. Es scheint, als habe Obama hier mit einer Mischung aus Vision und Emotion den richtigen Nerv getroffen. Der enge, durch so viele Faktoren beschr\u00e4nkte reale Handlungsspielraum der Politik spielte einen Moment lang keine Rolle mehr. F\u00fcr Deutschland k\u00f6nnte die Lektion hier lauten, dass auch und gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise Vision\u00e4re gebraucht werden. Wem es gelingt, in den n\u00e4chsten Monaten eine Botschaft zu entwickeln, die die Menschen ber\u00fchrt und die ihnen Hoffnung gibt, der hat gute Chancen gew\u00e4hlt zu werden. Auch wenn diese Vision nicht jeder Pr\u00fcfung unter realpolitischen Gesichtspunkten auf Anhieb standh\u00e4lt. Die deutschen Spitzenpolitiker haben diesbez\u00fcglich Nachholbedarf: Der aktuelle &#8222;Deutschlandtrend&#8220; von Infratest dimap (der vor der Ankunft Obamas in Europa erhoben wurde) besagt, dass 80 Prozent der Deutschen Barack Obama zutrauen, einen wichtigen Beitrag zur L\u00f6sung der Krise zu leisten. Angela Merkel kommt in der selben Befragung auf 58 Prozent, Frank-Walter Steinmeier auf 49 Prozent.<\/p>\n<p style=\"padding-top: 30px\">Fu\u00dfnote: Nat\u00fcrlich waren neben den strahlenden Auftritten des US-Pr\u00e4sidenten auch die Probleme erkennbar, die sich mit seinem politischen Stil verbinden. Vision\u00e4re Pers\u00f6nlichkeiten werden gerne von verschiedenen Seiten vereinnahmt und zu Symbolfiguren erkl\u00e4rt (in der Werbebranche spricht man hier von &#8222;Testimonials&#8220;). So musste der Pr\u00e4sident in Istanbul beispielsweise den schwierigen Spagat zwischen seinen armenischen und seinen t\u00fcrkischen Freunden bew\u00e4ltigen. Er tat dies gleichwohl geschickt, indem er sich nicht direkt mit dem Genozid an den Armeniern besch\u00e4ftigte, sondern stattdessen auf die Schuld seiner Landsleute an den Verbrechen an den amerikanischen Ureinwohnern verwies. Diese rhetorische Glanzleistung Obamas war dann wieder einen Eintrag ins Vokabelheft unserer Politiker wert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Barack Obama hat den Kontinent verlassen. Aber er hinterl\u00e4sst uns einige bemerkenswerte Botschaften. Neben den inhaltlichen Signalen, die dieser Tage breit diskutiert werden (Wirtschaftskrise, transatlantische Beziehungen, Afghanistan), kann man am Besuch des US-Pr\u00e4sidenten auch interessante Hinweise in Sachen Wahlkampf ablesen. Immerhin befindet sich der amerikanische Pr\u00e4sident quasi per definitionem im Dauerwahlkampf. 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