{"id":4103,"date":"2013-05-16T21:24:13","date_gmt":"2013-05-16T19:24:13","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/?p=4103"},"modified":"2013-05-17T11:22:50","modified_gmt":"2013-05-17T09:22:50","slug":"die-webseiten-der-parteien-fur-die-bundestagswahl-weiterhin-fast-unsichtbar-in-google-ergebnislisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/2013\/05\/16\/die-webseiten-der-parteien-fur-die-bundestagswahl-weiterhin-fast-unsichtbar-in-google-ergebnislisten\/","title":{"rendered":"Die Webseiten der Parteien f\u00fcr die Bundestagswahl: Weiterhin fast unsichtbar in Google-Ergebnislisten"},"content":{"rendered":"<p><em>Von Andreas Jungherr, David J. Knepper und Harald Schoen<\/em><\/p>\n<p>In Wahlk\u00e4mpfen geht es f\u00fcr Parteien und Kandidaten auch darum, ihre Inhalte und Positionen zu politischen Themen auch solchen B\u00fcrgern nahezubringen, die sich nicht gezielt parteipolitischen Informationsangeboten aussetzen wollen. Ein Weg, dieses Ziel zu erreichen, besteht darin, Inhalte im Informationsraum m\u00f6glichst gut sichtbar zu pr\u00e4sentieren. Damit das gelingen kann, gilt es f\u00fcr Parteien, ihre Internetseiten so zu programmieren und inhaltlich zu gestalten, dass sie f\u00fcr Suchmaschinen wie Google leicht verst\u00e4ndlich sind. Warum ist das wichtig? Suchmaschinen, und besonders Google, sind entscheidende Treiber der Besucherzahlen von Webseiten. Auch in Zeiten in denen Besucher zunehmend auf Sozialen Netzwerkplattformen auf Webseiten und neue Inhalte im Internet aufmerksam werden, ist Google noch immer der wichtigste Weg, auf dem Internetnutzer auf Webseiten sto\u00dfen. Gerade in dem Jahr einer Bundestagswahl ist es also f\u00fcr Parteien entscheidend, prominent in den Google-Ergebnisseiten zu politisch relevanten Suchbegriffen (z.B. \u201eBundestagswahl\u201c, \u201eWahlkampf\u201c oder \u201eEnergiewende\u201c) aufzutauchen. <\/p>\n<p>Bereits 2011 haben wir die Sichtbarkeit der Internetseiten politischer Parteien anl\u00e4sslich der Landtagswahlk\u00e4mpfe in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern untersucht (<a href=\"http:\/\/sichtbarkeitsreport.de\">http:\/\/sichtbarkeitsreport.de<\/a>). Unser Fazit damals war, dass die Parteien bei popul\u00e4ren Suchanfragen auf Google kaum sichtbar waren und nur dann in Trefferlisten prominent erschienen, wenn Nutzer nach Parteinamen oder den Namen von Spitzenkandidaten suchten. Dagegen blieben Parteien bei allgemeinen Suchanfragen (z.B. \u201eWahlkampf\u201c) oder politischen Themen praktisch unsichtbar. Gilt dieser Befund wenige Monate vor der Bundestagswahl 2013 noch immer, oder haben die Parteien im Bund ihre Internetangebote wahlkampffit gemacht? Die hier in der Folge dargestellten Ergebnisse basieren auf Daten des SEO-Tool <a href=\"http:\/\/www.xovi.de\">Xovi<\/a> und wurden am 12. Mai 2013 erhoben.<\/p>\n<p><strong>Sichtbarkeit von Parteiwebseiten zu politischen Suchbegriffen<br \/>\n<\/strong>Sucht man nach dem Begriff \u201eBundestagswahl\u201c auf Google, so st\u00f6\u00dft man auf den ersten Pl\u00e4tzen der Ergebnisseiten auf Wikipedia und Webseiten von Beh\u00f6rden und Medien. Auf Platz 30, und damit erst auf der dritten Google-Ergebnisseite, findet sich die erste Seite einer Partei, der Piratenpartei. Einige Pl\u00e4tze weiter hinten finden sich Seiten einiger Landesverb\u00e4nde der SPD und der Gr\u00fcnen. Internetangebote der CDU oder der FDP sucht man unter den ersten 120 Treffern vergeblich. Dieses relative Desinteresse der Parteien an dem Suchbegriff \u201eBundestagswahl\u201c wird von Internetnutzern nicht geteilt. Das Google Keyword-Tool sch\u00e4tzt gegenw\u00e4rtig, dass monatlich 8.100 mal nach diesem Begriff gesucht wird.<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnliches Bild zeigt sich, wenn man die popul\u00e4ren Treffer zu dem Begriff \u201eEnergiewende\u201c untersucht. Auch hier finden sich unter den ersten Treffern Wikipedia und Webseiten von Beh\u00f6rden und Medien. Zus\u00e4tzlich sind Webseiten von Firmen und NGOs sehr pr\u00e4sent, die offensichtlich stark daran interessiert sind, ihre Sicht auf die Energiewende und das weitere Vorgehen in diesem Politikfeld vorzustellen. Die einzige Bundespartei, der es mit ihrer Webseite gelingt, unter den 95 popul\u00e4rsten Treffern aufgef\u00fchrt zu werden, ist B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen, deren Seite man zum Zeitpunkt der Datenerhebung auf Platz 53 der Ergebnisliste findet. Andere Parteien sucht man vergeblich. Auch dieser Begriff ist laut Google f\u00fcr Nutzer interessant. F\u00fcr \u201eEnergiewende\u201c sch\u00e4tzt das Google Keyword-Tool 18.100 monatliche Anfragen.<\/p>\n<p><strong>Die Entwicklung der Sichtbarkeit von Parteiwebseiten im Vergleich<br \/>\n<\/strong>Diese wenigen exemplarischen Befunde zeigen, dass die Bundesparteien mit ihren Internetseiten bisher nicht besonders erfolgreich versuchen, im Informationsraum Internet mit ihren Informationsangeboten sichtbar zu werden. Dies zeigt auch ein Blick auf den \u201eOnline Value Index\u201c (OVI) der Firma Xovi. Dieser Index erfasst die die Sichtbarkeit von Webseiten in Google-Ergebnissen. Entscheidend f\u00fcr hohe OVI-Werte sind die Gesamtzahl der Stichworte, zu denen eine Webseite gef\u00fchrt wird, und die relative Bedeutung dieser Stichworte im Suchverhalten von Google-Nutzern. Vordere Pl\u00e4tze in den Ergebnislisten zu h\u00e4ufig mit Google gesuchten Begriffen f\u00fchren also zu einem h\u00f6heren OVI-Wert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/files\/2013\/05\/google.jpg\" alt=\"google\" width=\"553\" height=\"284\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4104\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/files\/2013\/05\/google.jpg 553w, https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/files\/2013\/05\/google-300x154.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 553px) 100vw, 553px\" \/> <\/p>\n<p>Betrachtet man die Entwicklung der Indexwerte f\u00fcr die Webseiten der Bundesparteien im Jahr 2013, so zeichnen sich einige klare Muster ab (siehe Abbildung). Die meisten Parteien bleiben \u00fcber den Jahresverlauf in ihrer Sichtbarkeit relativ stabil. Das gilt zum Beispiel f\u00fcr die Webseiten der Piraten, der Linken, der Gr\u00fcnen und der FDP. Die Webseite der SPD zeigt hingegen einen deutlichen Aufw\u00e4rtstrend, der darauf hindeutet, dass die SPD mit ihrem Internetangebot im Jahresverlauf zunehmend sichtbarer geworden ist. Die Webseite der CDU erlebte hingegen zwei schwere Einbr\u00fcche in ihrer Sichtbarkeit, so dass sich ihr Indexwert seit Jahresbeginn praktisch halbiert hat. Damit ist die CDU die einzige Partei, die laut OVI seit Beginn des Jahres deutlich an Sichtbarkeit eingeb\u00fc\u00dft hat. Der Einbruch in der j\u00fcngsten Vergangenheit f\u00e4llt zeitlich direkt mit dem Relaunch der CDU-Webseite f\u00fcr den kommenden Wahlkampf zusammen. Hier getroffene Entscheidungen in Bezug auf Design, Struktur und Programmierung sowie begleitende technische Ma\u00dfnahmen beim Relaunch  der Internetseite scheinen sich also unmittelbar negativ auf die Sichtbarkeit der Website bei der Google-Suche ausgewirkt zu haben.<\/p>\n<p>Die unterschiedlichen Entwicklungen von SPD- und CDU-Webseiten deuten auf Gr\u00fcnde f\u00fcr Unterschiede in der Sichtbarkeit hin. Die SPD setzt mit ihrer Webseite gezielt auf textliche Inhalte, die h\u00e4ufig aktualisiert werden und die aktuelle Bez\u00fcge zur Tagespolitik und politischen Akteuren aufweisen. Die Partei ver\u00f6ffentlicht so nicht nur ihre Pressemitteilungen, sondern bietet weiterf\u00fchrende und vertiefende Informationen zu politischen Themen.  Dieser redaktionelle Aufwand wird mit einer stetig steigenden Sichtbarkeit auf Google belohnt. Die CDU hingegen setzt deutlich st\u00e4rker auf die Darstellung von audio-visuellen Inhalten und ver\u00f6ffentlicht eher kurze Texte. Allein der Vergleich der Startseiten der beiden Internetangebote zeigt diese unterschiedliche Schwerpunktsetzung. Die stetig sinkende Sichtbarkeit von cdu.de steht hiermit (neben weiteren technischen Ursachen) wahrscheinlich in Zusammenhang.<\/p>\n<p><strong>Parteiwebseiten sind quasi unsichtbar in Google-Ergebnislisten<br \/>\n<\/strong>Trotz dieser Unterschiede in der Sichtbarkeit der Parteien sollte man nicht vergessen, dass alle Parteien im Vergleich zu anderen politisch relevanten Webseiten quasi unsichtbar bleiben. Zum Vergleich: im M\u00e4rz 2013 erreichte die Webseite der Piratenpartei den h\u00f6chsten Indexwert f\u00fcr eine Webseite politischer Parteien in der von uns betrachteten Zeitspanne. Dieser Wert lag bei 35,3. Er liegt deutlich niedriger als der aktuelle Index-Wert von Spiegel Online, der 10.092,3 betr\u00e4gt. Wenn es also Unterschiede in der Sichtbarkeit der Internetangebote politischer Parteien gibt, so d\u00fcrfen diese nicht den Blick darauf verstellen, dass die Webseiten aller Parteien im Vergleich zu anderen politischen Angebote im Netz in den Ergebnislisten von Google praktisch unsichtbar sind.<\/p>\n<p>Die hier vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass die Parteien in Deutschland weiterhin im Informationsraum Internet wenig sichtbar sind. Um auf Internetangebote von Parteien zu sto\u00dfen, m\u00fcssen interessierte Nutzer nach Parteinamen oder den Namen von Spitzenkandidaten suchen. Suchanfragen zu politisch relevanten Stichworten, die nicht direkt mit Partei- oder Kandidatennamen verbunden sind (z.B. \u201eBundestagswahl\u201c oder \u201eEnergiewende\u201c), f\u00fchren \u00fcber Google hingegen mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit nicht zu den Webseiten politischer Parteien. Damit verschenken deutsche Parteien eine wichtige unterst\u00fctzende Funktion des Internets im Wahlkampf. Einige der Ergebnisse deuten darauf hin, dass Parteien mit Entscheidungen hinsichtlich Konzept, technischer Gestaltung, Design und redaktioneller Betreuung der Webseiten die Sichtbarkeit ihrer Webseiten beeinflussen k\u00f6nnen. Bis zur hei\u00dfen Phase des Wahlkampfs haben die Kampagnenmacher der Parteien noch ein wenig Zeit, dieses Potential zu nutzen. Damit ist nicht gesagt, dass sie die M\u00f6glichkeiten nutzen werden. Ob und wie sie es tun, d\u00fcrfte unter anderem davon abh\u00e4ngen, wie ernst die Verantwortlichen die Sichtbarkeit ihrer Webseiten im Internet nehmen.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<br \/>\n<\/strong>Andreas Jungherr, David J. Ludwigs und Harald Schoen. 2011. Sichtbarkeitsreport: Wie sichtbar sind die Webseiten von politischen Parteien f\u00fcr Suchmaschinen? <a href=\"http:\/\/sichtbarkeitsreport.de\">http:\/\/sichtbarkeitsreport.de<\/a><\/p>\n<p>Andreas Jungherr und Harald Schoen. 2013. Das Internet in Wahlk\u00e4mpfen: Konzepte, Wirkungen und Kampagnenfunktionen. Wiesbaden: Springer VS. <a href=\"http:\/\/www.springer.com\/springer+vs\/politikwissenschaft\/book\/978-3-658-01011-9\">http:\/\/www.springer.com\/springer+vs\/politikwissenschaft\/book\/978-3-658-01011-9<\/a><\/p>\n<p><strong>Die Autoren:<br \/>\n<\/strong>Andreas Jungherr ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl f\u00fcr Politische Soziologie der Universit\u00e4t Bamberg (<a href=\"http:\/\/andreasjungherr.net\">http:\/\/andreasjungherr.net<\/a>). Dort forscht er \u00fcber die Rolle des Internets in der politischen Kommunikation. Zusammen mit Harald Schoen ist er Autor des Buches Das Internet in Wahlk\u00e4mpfen: Konzepte, Wirkungen und Kampagnenfunktionen.<\/p>\n<p>David J. Knepper ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Agentur NEOLOX (www.neolox.de) f\u00fcr Beratung und Entwicklung digitaler Kommunikation<\/p>\n<p>Prof. Dr. Harald Schoen lehrt Politikwissenschaft an der Universit\u00e4t Bamberg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Andreas Jungherr, David J. Knepper und Harald Schoen In Wahlk\u00e4mpfen geht es f\u00fcr Parteien und Kandidaten auch darum, ihre Inhalte und Positionen zu politischen Themen auch solchen B\u00fcrgern nahezubringen, die sich nicht gezielt parteipolitischen Informationsangeboten aussetzen wollen. Ein Weg, dieses Ziel zu erreichen, besteht darin, Inhalte im Informationsraum m\u00f6glichst gut sichtbar zu pr\u00e4sentieren. 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