{"id":4339,"date":"2013-11-30T10:52:52","date_gmt":"2013-11-30T09:52:52","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/?p=4339"},"modified":"2013-11-30T10:52:52","modified_gmt":"2013-11-30T09:52:52","slug":"der-sympathiemalus-der-fdp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/2013\/11\/30\/der-sympathiemalus-der-fdp\/","title":{"rendered":"Der Sympathiemalus der FDP"},"content":{"rendered":"<p><em>Marc Debus und Jochen M\u00fcller<\/em><\/p>\n<p>Die Aussage des CSU-Vorsitzenden Horst Seehofers nach der Unterzeichnung des Koalitionsabkommens zwischen SPD und Union am 27. November, dass er \u201ediese gro\u00dfe Koalition von Beginn an\u201c wollte, deutet auch darauf hin, dass Seehofer dem B\u00fcndnis mit der FDP nicht wirklich hinterher trauert. Generell hat der Ausgang der Bundestagswahl 2013 gezeigt, dass die Liberalen \u2013 im Gegensatz zu fr\u00fcheren Bundestagswahlen und auch Landtagswahlen \u2013 nicht im gewohnten Ausma\u00df auf Anh\u00e4nger der Union z\u00e4hlen konnten, die ihre Zweitstimme aufgrund des Wunsches auf Fortf\u00fchrung der christlich-liberalen Koalition der FDP gegeben haben. Dies mag \u2013 wie auch das schlechte Abschneiden der FDP 2013 insgesamt \u2013 auch damit zusammenh\u00e4ngen, dass die Liberalen und ihre Repr\u00e4sentanten im Laufe der Legislaturperiode von 2009 bis 2013 von den W\u00e4hlern insgesamt als nicht besonders sympathisch angesehen wurden. <\/p>\n<p>Betrachtet man die Sympathiewerte, die die Anh\u00e4nger der Union anderen Parteien und damit auch dem 2009 explizit gew\u00fcnschten Koalitionspartner FDP im Zeitverlauf zugewiesen haben, dann wird eine Ursache f\u00fcr den Auszug der Liberalen aus dem Bundestag deutlich. Auf der Basis der seit 1977 erhobenen Daten des Politbarometer (ZA-Nr. 2391) lassen sich die seitens der W\u00e4hler den Parteien zugewiesenen Sympathien nachzeichnen. Abbildung 1 weist die Parteisympathien von Befragten mit CDU-Parteiidentifikation von 1977 bis 2011 aus. Nicht \u00fcberraschend sind CDU und CSU von Befragten mit einer subjektiv empfundenen N\u00e4he zur Union die als am sympathischsten eingestuften Parteien. Die FDP gewinnt nach der Bonner Wende 1982 deutlich an Sympathie unter den Unionsanh\u00e4ngern hinzu und ist im Laufe der gro\u00dfen Koalition von 2005 bis 2009 den CDU\/CSU-Anh\u00e4ngern beinahe genauso sympathisch wie die CSU. Dieses Bild wendet sich dramatisch nach der Bildung der schwarz-gelben Bundesregierung 2009: Die FDP wird von den Anh\u00e4ngern des eigenen Koalitionspartners im Jahr 2010 und 2011 weniger sympathisch als die Oppositionsparteien SPD und Gr\u00fcne eingesch\u00e4tzt. Unter der Annahme, dass die Sympathie gegen\u00fcber Parteien nicht nur das Wahlverhalten beeinflusst, sondern auch ein Indikator f\u00fcr die Zustimmung der jeweiligen Parteianh\u00e4nger zu m\u00f6glichen Koalitionen ist, so wundert auf Basis dieser Ergebnisse weder die Bildung der gro\u00dfen Koalition im Bund noch von Schwarz-Gr\u00fcn in Hessen.<\/p>\n<p>Abbildung 1: \tPartysympathien von Befragten in Westdeutschland mit CDU\/CSU-Parteiidentifikation, 1977-2011<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/files\/2013\/11\/figure1_.jpg\" alt=\"figure1_\" width=\"600\" height=\"466\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4343\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/files\/2013\/11\/figure1_.jpg 600w, https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/files\/2013\/11\/figure1_-300x233.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Wie dramatisch die Lage der Liberalen ist, macht auch ein Blick auf die Entwicklung der Parteiensympathien der Befragten mit FDP-Parteiidentifikation deutlich. Bis einschlie\u00dflich 2009 ist die FDP \u2013 wenn auch mit einigen Schwankungen \u2013 aus Sicht der eigenen Anh\u00e4nger die klar sympathischste Partei. 2010 und damit nach der Bildung der Regierung mit CDU und CSU geht die Sympathie der FDP-Anh\u00e4nger gegen\u00fcber der eigenen Partei drastisch zur\u00fcck. 2011 findet sich kein Unterschied mehr in der Parteiensympathie der Anh\u00e4nger der Liberalen zwischen CDU und FDP. Dies zeigt, mit welchen Problemen die FDP w\u00e4hrend der letzten Legislaturperiode zu k\u00e4mpfen hatte: Die Liberalen wurden nicht nur von den Anh\u00e4ngern der anderen Parteien und dabei selbst von denjenigen des Koalitionspartners als immer unsympathischer eingesch\u00e4tzt, sondern auch von der eigenen Kernw\u00e4hlerschaft. Wenn die FDP wieder auf die bundespolitische B\u00fchne zur\u00fcckkehren will, dann muss sie nicht nur programmatisch neue Ans\u00e4tze entwickeln, sondern sich vor allem auch so verhalten, dass sie seitens der potentiellen W\u00e4hlerschaft wieder als sympathische Partei wahrgenommen wird.  <\/p>\n<p>Abbildung 2: \tPartysympathien von Befragten in Westdeutschland mit FDP-Parteiidentifikation, 1977-2011<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/files\/2013\/11\/figure2_.jpg\" alt=\"figure2_\" width=\"600\" height=\"446\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4344\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/files\/2013\/11\/figure2_.jpg 600w, https:\/\/blog.zeit.de\/zweitstimme\/files\/2013\/11\/figure2_-300x223.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p><em>Referenzen: <\/em><\/p>\n<p>M\u00fcller, Jochen und Marc Debus. 2014. Koalitionsoptionen und Lagerdenken aus W\u00e4hlerperspektive. Eine Analyse anhand der Parteiensympathien der Bundesb\u00fcrger von 1977 bis 2011. In: Sigrid Ro\u00dfteutscher, Thorsten Faas und Ulrich Rosar (Hrsg.): B\u00fcrger und W\u00e4hler im Wandel der Zeit: 25 Jahre Wahl- und Einstellungsforschung in Deutschland. Wiesbaden : Springer VS (im Erscheinen).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marc Debus und Jochen M\u00fcller Die Aussage des CSU-Vorsitzenden Horst Seehofers nach der Unterzeichnung des Koalitionsabkommens zwischen SPD und Union am 27. November, dass er \u201ediese gro\u00dfe Koalition von Beginn an\u201c wollte, deutet auch darauf hin, dass Seehofer dem B\u00fcndnis mit der FDP nicht wirklich hinterher trauert. 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