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Einmal Mitleid für Gunnar Schupelius!

 

Gunnar Schupelius ist “Chefreporter” der “BZ”. In ebenjener BZ laicht Schupelius werktäglich eine Kolumne namens “Mein Ärger” ab, die die Seifigkeit eines Peter Hahne mit der Egozentrik von Franz-Josef Wagner vereint und zusätzlich mehrere Male durch den Anwalt-des-kleinen-Mannes-Fleischwolf gewürgt wird. Man muss solche Kolumnen ignorieren, aber heute gelingt es mir nicht. Heute ist die Kolumne so dermaßen besonders lächerlich, dass mir vor Lachen das Croissant im Hals stecken blieb. Auf rund 1400 Zeichen regt er sich darüber auf, dass die BVG eine Bushaltestelle verpflanzt und zwar vor seine Haustür. Wie schröcklich! Unter anderem heißt es in der Kolumne, die übrigens die biblische Unterzeile “Mein gerechter Zorn” trägt:

Ich frage mich […], warum die BVG mich nicht darüber informiert hat, und drittens, weshalb ich kein Widerspruchsrecht habe. Die Wohnqualität in unserem Haus hat drastisch abgenommen.

Das wäre ja noch schöner, wenn die BVG jeden Anwohner um Rat fragen muss. Eine Bushaltestelle kann aus verkehrstechnischen Gründen halt mal umgesetzt werden. Wer es nicht ertragen kann, dass vor seinem Haus eine Bushaltestelle ist, der muss halt auf einen Bauernhof ziehen. Womöglich kann man dadurch sogar die Wohnqualität im betreffenden Haus wieder auf Normal-Null kriegen.

21 Kommentare

  1.   Bernie

    So eine Bushaltestelle vor dem Haus bietet auch Chancen. In wilderen Zeiten hatte ich das Vergnügen. Eines Tages habe ich in ausgelassener Stimmung ein altes Schnitzel von oben aus meinem Fenster auf das Wartehäuschen geworfen und mich monatelang an seiner Verwesung erfreut. Aber ob das Herrn Schupelius weiterhelfen wird?

  2.   Ernie

    Naja. So allmächtig ist die BVG auch nicht … Der Bezirk legt die Haltestelle fest, er zahlt, und er stimmt sich natürlich mit der BVG und vielen anderen ab. Dabei muss er auch die Anwohnerbelange berücksichtigen. Das ist ganz normales Verwaltungshandeln. Aber da sieht man mal wieder: alles, was in Berlin mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu tun hat, ist “BVG”. Das ist eine Marke, da kann sie die Telekom ne dicke Scheibe von abschneiden …


  3. Um das zu wissen, hätte Herr Schupelius also einfach mal recherchieren müssen. Aber das kann man doch nun wirklich nicht von einem Chefreporter verlangen.

  4.   Peter

    Das meint der Herr Schupelius doch nicht ernst, oder?!? Liest sich für mich wie eine Satire auf schlechte Zeitungskommentare. Zumal mit dem albernen “Ich bin total seriös”-Bild daneben…

  5.   harald

    Schupelius – ein Name wie ein Geständnis

  6.   Ludwig

    Das eigentlich frappierende daran ist aber, dass solche [zensiert*] es immer wieder schaffen, Leuten, denen sie auf der Straße nicht einmal Guten Tag sagen würden, nach dem Sinn zu schreiben. Solche Befindlichkeitsadressen findet man ja nun überall (nicht zuletzt in Blogs), aber hier ist das Verhältnis zwischen Autor und Leser irgendwie verkehrt.

    *Entschuldigung, ich musste das zensieren, mir ist gerade nicht nach §185/186-Anzeigen :-) Gruß JR


  7. Ich habe schon einige Ausgaben von “Mein gerechter Zorn” gelesen, und: ich find sie sehr passend für eine Boulevardzeitung. Der B.Z.-Leser regt sich nun mal gerne auf. Und wenn er selbst diesem Ärger keinen Ausdruck geben kann, so macht das halt Schupelius für ihn. Dass, wenn man täglich so einen Text abliefert, auch mal absurde Themen angeschnitten werden, ist nicht überraschend. Ausserdem müsste man mal prüfen, ob vor dem Haus, in dem Schupelius wohnt, tatsächlich eine Bushaltestelle steht. Müsste man auch mal recherchieren. Aber nimmt nicht der Zorn mit der Recherche ab? Dann wäre ja der Text dahin.


  8. Es gibt auch Fälle, da nimmt der Zorn im Zuge der Recherchen eher zu. Ich sage mal “Günter Wallraff” :)

  9.   Ludwig

    Holla, hat dieser Block jetzt auch das offizielle ZEIT- Design abbekommen, ich gratuliere! Und noch ein Nachtrag: “Gunnar Schupelius lebt mit Frau, vier Kindern und Hund in Berlin-Wilmersdorf.” Da ist so eine Haltestelle vor der Tür natürlich eine enorme Einschränkung in der Lebensqualität. Vielleicht gibt es ja bald Stadtviertel, die nur noch mit einem Auto der Oberklasse und nach Vorlage des Kontoauszugs passierbar sind. Frage mich allerdings, wo der Hund und die Kinder von Herrn S. dann bleiben.

 

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