China-Blog

Felix Lee über Roten Kapitalismus und chinesische Online-Phänomene

Chinesen wandern in Massen aus

Von 19. August 2014 um 09:39 Uhr

Ende der siebziger Jahre beklagte US-Präsident Jim Carter während eines Treffens mit Chinas damaligem Machthaber Deng Xiaoping die fehlende Reisefreiheit in der noch weitgehend abgeriegelten Volksrepublik. Deng antwortete: “Gut, wer gehen will soll gehen”, fügte aber schnippisch hinzu: “Sind Sie wirklich auf zehn Millionen Chinesen vorbereitet?”

Aus den damals von Deng prognostizierten zehn Millionen sind inzwischen hundert Millionen geworden. Nach Angaben des Nationalen Statistikamtes haben noch nie so viele Chinesen das Land zumindest zeitweise verlassen wie im vergangenen Jahr. 2014 dürfte die Zahl nochmals zulegen. Bis 2020 soll sich die Zahl Experten-Schätzungen zufolge auf bis 200 Millionen verdoppeln.

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China will vom Russland-Boykott profitieren

Von 14. August 2014 um 15:06 Uhr

Aus der Ukraine-Krise hat sich die chinesische Regierung bisher weitgehend herausgehalten. Bis heute gilt der Grundsatz, dass Peking sich nicht in die Angelegenheiten anderer Staaten einmischt. Deshalb hat die Führung zwar schon mehrfach zur Besonnenheit aufgerufen und bat die Konfliktparteien um Dialog, aber sie bezog nie selbst Position. Das hat sie auch gar nicht nötig. Denn wirtschaftlich könnte China schon sehr bald vom Streit zwischen Russland und dem Westen profitieren. Weiter…

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Chinas Militär verstopft den Luftraum

Von 11. August 2014 um 10:26 Uhr

Normalerweise haben wirtschaftliche Interessen für die chinesische Führung Priorität. Wenn sich jedoch die Generäle zu Wort melden, müssen Wachstum und Arbeitsplätze zurückstehen. Das zeigt sich derzeit beim Luftverkehr.

Seit nunmehr zwei Wochen kommt es an den meisten chinesischen Flughäfen zu erheblichen Verspätungen – zum Teil werden Flüge komplett gestrichen. Allein an Shanghais Flughäfen Pudong und Hongqiao sind in der vergangenen Woche an einem Tag über 200 Flugzeuge nicht gestartet, zwei Drittel verspätete sich um mindestens zwei Stunden. Und auch die Hallen des Hauptstadtflughafens in Peking sind derzeit regelmäßig überfüllt mit wartenden Gästen, weil die viele Flüge unpünktlich sind oder gar nicht erst starten.

Der Grund: Chinas Volksbefreiungsarmee hält seit Mitte Juli Militärübungen ab. Weiter…

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China bestraft deutsche Autohersteller

Von 6. August 2014 um 13:48 Uhr

Es ist noch gar nicht lange her, da versicherte in Peking ein Manager des Volkswagen-Konzerns, sein Unternehmen werde in China noch lange sehr viele Autos verkaufen. Drei weitere Werke will VW in den nächsten Jahren errichten, zusätzlich zu den bereits existierenden 17 Fabriken. Auf die Frage, ob nicht schon bald Überkapazitäten entstehen könnten, antwortete der Sprecher: Nein, denn die Gewinnmarge sei in China sehr hoch. Bevor die Produktion gedrosselt werde, könne VW die Preise senken. Da gebe es noch sehr viel Spielraum.

Es könnte sein, dass die Phase der Preissenkungen für VW nun schneller beginnt als gedacht. Weiter…

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Chinas Schlampereien beim Arbeitsschutz

Von 3. August 2014 um 11:19 Uhr

Mit den Arbeitsschutzbestimmungen in den meisten chinesischen Fabriken verhält es sich wie mit den Verkehrsregeln in dem Land. Es gibt sie. Und sie können mit den hohen Standards westlicher Länder durchaus mithalten. Nur hält sich daran kaum jemand.

Das hat sich nun wieder einmal gezeigt:  Am Samstagmorgen kamen bei einer schweren Explosion in einer Fabrik eines chinesischen Auto-Zulieferers mindestens 69 Menschen ums Leben, rund 200 wurden verletzt. Das chinesische Ministerium für öffentliche Sicherheit erklärte, ein zu hoher Anteil von Metallstaub in der Luft habe die Explosion ausgelöst.

Dieser leicht entflammbare Staub entsteht beim Polieren von Metallteilen. Kommt er auch nur mit etwas Hitze oder einer kleinen Flamme in Berührung, kann dies zu einer Explosion führen. Dass in der Fabrik überhaupt so viel Metallstaub in der Luft hing, deutet darauf hin, dass die Grenzwerte nicht eingehalten wurden. Der schwere Unfall dürfte also bisherigen Kenntnissen zufolge auf menschlichem Versagen beruhen.  Weiter…

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McDonald’s in Peking ist fleischlos

Von 29. Juli 2014 um 12:06 Uhr

Wütend stampft der Fünfjährige mit dem rechten Fuß auf den Boden. “Ihr hattet mir die kleinen Hühner-Stücke versprochen”, schreit er. “Was es nicht gibt, gibt es halt nicht”, antwortet die Mutter genervt und zerrt ihren Sohn aus dem Laden.

Normalerweise ist die McDonald’s-Filiale in Pekings beliebtem Ausgehviertel Sanlitun schon am frühen Morgen überlaufen. Vor allem Schüler und Studenten treffen sich gerne hier zum Frühstück, bevor sie in der schul- und vorlesungsfreien Zeit zu ihrem Ferienjob eilen. Doch an diesem Morgen ist der Laden leer. Auch der Geruch ist anders als sonst üblich: Statt nach heißem Frittierfett duftet es an diesem Morgen dezent nach frisch gebrühtem Kaffee. Der Grund: McDonald’s hat sein gesamtes Fleisch-Angebot gestrichen. Weiter…

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Chinas Dauerproblem mit Lebensmitteln

Von 25. Juli 2014 um 14:59 Uhr

In China erschüttert ein neuer Lebensmittelskandal das Land: Anfang der Woche wurde bekannt, dass der in Shanghai ansässige Lebensmittelproduzent Husi Food offenbar Gammelfleisch ausliefert. Ein Fernsehteam des Senders Dragon TV war mit versteckter Kamera in einen Betrieb eingedrungen und hatte heimlich gefilmt.

Die Bilder sind ekelerregend: Weiter…

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China bekämpft Schulden mit Schulden

Von 21. Juli 2014 um 10:31 Uhr

Wer in China eine Bank betritt und nach einem Kredit fragt, stößt oft auf irritierte Gesichter. Daikuan – das chinesische Wort für Kreditaufnahme – sei sehr kompliziert, lautet häufig die Antwort der Bankberater. Das erfordere jede Menge Papierarbeit. Wer dennoch auf einem Kredit besteht, wird die nächste Stunde mit lustlosen Angestellten verbringen, die einem seitenweise komplizierte Formulare zum Ausfüllen zuschieben.

Bankschulden sind in China verpönt. Wer sich etwas leisten möchte, muss sich das notwendige Geld vorher erarbeitet haben. Konsumkredite werden in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt deshalb bis heute nur selten vergeben. Wer beispielsweise ein Auto kaufen will, betritt das Geschäft des Händlers meist mit einem Koffer voller Geld. Und selbst wer sich eine Wohnung kauft, hat in der Regel vorher so viel gespart oder bei Verwandten zusammengekratzt, dass nur ein verhältnismäßig kleiner Bankkredit aufgenommen werden muss. Dementsprechend gering ist die durchschnittliche Schuldenquote von Privathaushalten.

China hat dennoch ein Schuldenproblem. Und zwar ein Gigantisches. Weiter…

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Wie China Hollywood die Drehbücher diktiert

Von 16. Juli 2014 um 11:53 Uhr
Schauspielerin Li Bingbing © Andreas Rentz/Getty Images for Paramount Pictures

Schauspielerin Li Bingbing © Andreas Rentz/Getty Images for Paramount Pictures

Transformer 4 – Ära des Untergangs ist der bislang erfolgreichste Hollywoodfilm in China: Allein am Startwochenende spielte er 90 Millionen Dollar ein. Nun, drei Wochen später, sind es sogar fast 300 Millionen Dollar. Die Strategie der Paramount Studios, in dem Film gezielt das chinesische Publikum anzusprechen, ist aufgegangen. Und die der chinesischen Führung ebenfalls. Weiter…

Kategorien: Medien

Noch mehr Zensur

Von 14. Juli 2014 um 09:39 Uhr

Bis vor Kurzem überwog unter vielen chinesischen Journalisten noch der Optimismus: Das Internet und ganz besonders die sozialen Netzwerke haben ihre Arbeit in dem autoritär geführtem Land einfacher gemacht. Hinzu kommt, dass die staatlich kontrollierten Medien in China unter erheblichem wirtschaftlichen Druck stehen. Mit der bloßen Wiedergabe von trockenen KP-Stellungnahmen ist es nicht getan. Die Leser wollen interessant aufbereitete, unabhängige Berichte und Reportagen lesen. Können das die etablierten Medien nicht leisten, suchen die Chinesen in den Weiten des Internets – und werden dort auch meist fündig.

Der Druck durch das Netz hat dazu geführt, dass sich in den vergangenen Jahren zumindest in einer Handvoll staatlich kontrollierter Zeitungen trotz Zensur eine recht vitale und auch zuweilen kritische Berichterstattung entwickeln konnte. Dazu zählt etwa die Nanfang Zhoumuo (Südliches Wochenende), eine Wochenzeitung aus der südchinesischen Metropole Guangzhou, wo ohnehin ein sehr viel liberalerer Geist weht als in der Hauptstadt Peking.

Doch nun gibt es einen herben Rückschlag.

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