Felix Lee über Roten Kapitalismus und chinesische Online-Phänomene

Jetzt steht Samsung am Pranger

Von 29. November 2012 um 09:46 Uhr

Der südkoreanische Elektronikhersteller Samsung wird dieser Tage mit Patentklagen überzogen. Klagen über die Arbeitsbedingungen im Unternehmen waren bisher selten. Das könnte sich ändern. Die in New York ansässige Arbeitnehmerorganisation China Labor Watch weist in einem neuen Report zum wiederholten Male auf die Zustände in den Werken von Samsung und seiner Zulieferfirmen in China hin.

Der Bericht beschreibt die Arbeitsbedingungen in den Fabriken eines Unternehmens namens Chitwing Mould Industry. Die Firma stellt für Samsung in China unter anderem Schutzhüllen für Smartphones her. Dabei beschäftige sie vorwiegend junge, unerfahrene Frauen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren, heißt es in dem Bericht. In einigen Fabriken würden neuen Mitarbeitern Blanko-Arbeitsverträge zur Unterzeichnung vorgelegt. Viele Arbeiter seien gezwungen, stehend zu arbeiten, obwohl ihre Arbeit auch im Sitzen zu erledigen wäre.

Hinzu kämen eine erhebliche Zahl von Überstunden, kritisiert die Organisation. Manche Arbeiter arbeiteten bis zu 16 Stunden am Tag. Die monatliche Arbeitszeit betrage in manchen Fällen mehr als 220 Stunden. Nach chinesischem Recht sind nicht mehr als 36 Überstunden im Monat erlaubt. Schon das ist eine Menge.

Es ist nicht das erste Mal, dass Samsung in der Kritik steht. Bereits im September hatte das Unternehmen Besserung versprochen, nachdem China Labor Watch die Arbeitsbedingungen kritisiert hatte. Samsung leitete damals sogar eine Untersuchung über die Arbeitsbedingungen im Konzern ein.

Anfang der Woche hat Samsung seinen Prüfbericht veröffentlicht. Darin gibt das Unternehmen zu, dass einige seiner 105 Zulieferer sich “unangemessener Methoden” bedienen. So seien in der Vergangenheit Mitarbeiter bestraft worden, wenn sie zu spät kamen. Im Zuge der Prüfung sei man jedoch nicht auf Kinderarbeit gestoßen. Auf Anfrage von ZEIT ONLINE teilt Samsung mit, man nehme die Bedenken “sehr ernst”. Das Überstundenproblem will Samsung allerdings erst bis Ende 2014 in den Griff bekommen.

Stimmen die Vorwürfe von China Labor Watch, dann verstößt Samsung gegen chinesisches Arbeitsrecht. Das ist möglich, weil auf den chinesischen Staat kein Verlass ist. Zu korrupt sind die Behörden, zu halbherzig auch der Wille der Zentralregierung, das Problem anzugehen. Am Ende wird nur der Druck der westlichen Konsumenten etwas bewirken können.

Den sollte Samsung nicht unterschätzen. Nachdem vor zwei Jahren öffentlich wurde, dass sich auf dem Fabrikgelände des Apple-Zulieferer Foxconn junge Menschen das Leben nehmen, kam es weltweit zu Protesten vor Apple-Filialen. Die Geräte von Apple gerieten erstmals ernsthaft in Misskredit. Der Konzern musste reagieren, die Löhne für die Beschäftigten von Foxconn wurden erhöht.

Samsung ist mit seinen Tablet-PCs und Smartphones dabei, Apple Konkurrenz zu machen. Spricht sich herum, dass die Südkoreaner dem Arbeitsschutz nur wenig Wert beimessen, dürfte es mit der Aufholjagd schnell vorbei sein. Das könnte dem Konzern teurer zu stehen kommen als alle Patentklagen zusammen.

Kategorien: Roter Kapitalismus
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ich frage Sie mal andersrum: Welches Weltunternehmen hat eine faire Arbeitsbedingung?

    • 29. November 2012 um 12:23 Uhr
    • Kurwa
  2. 2.

    Alle die, die ihre Produkte mit dem weltweit bekannten Fair-Trade-Siegel schmücken dürfen.

  3. 3.

    Apple, Samsung…

    Glaubt irgend jemand, daß es bei anderen Marken anders ist?

    Die Billigdinger von ALDI werden sicher auch nicht von fair entlohnten Arbeitern mit bezahlten Überstunden und beheizten Pausenräumen zusammengeschraubt…

  4. 4.

    Sicher, aber man muss versuchen etwas dagegen zu tun… Wenn Arbeitnehmer sich richtig formieren ist vielen möglich…

    www . kleiner – fisch. at
    Revolution der Arbeitnehmer

    • 29. November 2012 um 12:41 Uhr
    • Kleiner Fisch
  5. 5.

    Naja, hier sind es aber mit unter die eigenen Fabriken! Bei anderen großen Firmen, sind es die Zulieferer. Das ist schon ein Unterschied. Ich kontrolliere ja auch nicht, wie die Arbeitsbedingungen bei Amazon sind, wenn ich mir dort ne CD bestelle…

  6. 6.

    Samsung fürchtet um seinen Ruf? Das glaube ich nicht, sonst würde der Samsung Kundenservice nicht so schlecht sein.

    • 29. November 2012 um 13:52 Uhr
    • DBZO
  7. 7.

    Irgendwie hatte Marx doch Recht. Die unternehmerische Ausbeutung an den verlängerten Werkbänken in den ärmsten Entwicklungs- und Schwellenländern dieser Welt, in denen multinationale Konzerne die besonders arbeitsintensive Herstellung ihrer Produkte heutzutage hin verlegt, erinnert mich fast an die Zeit, in der Marx gelebt hat. Es werden Hungerlöhne bezahlt, die Sicherheitsstandards sind schlecht, die Arbeitszeiten sind zu lang….
    Wir Konsumenten sind gefordert. Indem wir keine Billig-Kleidung bei Lidl, kik oder Aldi mehr kaufen. Keine apple- oder samsung-smartrphones mehr benutzen. Und öffentlich darüber kommunizieren. Vielleicht laut in der Aldi-Schlange mit einem smartphone am Ohr.
    “WIR SIND DAS ‘Konsumenten-VOLK”

  8. 8.

    Grundsätzlich gebe ich Ihnen Recht. Leider ist es häufig schwer zu sehen wie die Arbeitsbedingungen und wie die Umweltwirkung sind, die in einem Produkt stecken. Die Beispiele Apple und Samsung zeigen ja gerade, dass es wenig mit Preis zu tun hat. Auch bei Kleidung ist es ein Irrtum zu glauben teure Kleidung sei da “fairer”.
    Kleidung gibt es mittlerweile ja wenigstens “Güte”-Siegel die da besseres versprechen. Für Elektronikprodukte wäre sowas auch ein Anfang, aber zur Zeit können wir uns leider nur hoffen, dass die Hersteller nicht nur versprechen sondern auch was ändern.

    • 29. November 2012 um 19:30 Uhr
    • CorinK
  9. Kommentar zum Thema

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