Felix Lee über Roten Kapitalismus und chinesische Online-Phänomene

Der Siegeszug der chinesischen Währung

Von 14. Dezember 2012 um 17:27 Uhr

Kaum vorstellbar, aber es gab tatsächlich mal Zeiten, da wollte man sich den Yuan (auch Renminbi genannt) nicht einmal ins Portemonnaie stecken. Die Geldscheine waren schmutzig und oft auch zerfleddert. Zu kaufen gab es in China mit dieser Währung ohnehin nur heimische Waren – zumeist minderwertige Konsumartikel oder Lebensmittel. Für Waren aus dem Ausland musste man in der Volksrepublik in einer separaten chinesischen Währung bezahlen, dem Foreign Exchange Certificate (FEC). Diese Währung war jedoch nur Privilegierten und Ausländern vorbehalten.

Der FEC wurde 1994 abgeschafft. Die Yuan-Scheine sind nun aus besserem Papier. Und kaufen lässt sich mit diesem Geld in China so ziemlich alles, was das Konsumherz begehrt. Nur international vollständig konvertierbar – das ist die chinesische Währung bis heute nicht. Das soll sich nun ändern. Und damit nicht genug: Schon bald könnte der Yuan zu einer der weltweit begehrtesten Währungen überhaupt werden.

Immer mehr Länder und internationale Unternehmen schließen mit der Volksrepublik Verträge ab, die es ihnen erlauben, ihren Handel direkt in der chinesischen Währung abzuwickeln. Zuletzt hat China ein entsprechendes Abkommen mit Südkorea vereinbart, der siebtgrößten Volkswirtschaft der Welt. Mit Japan und rund einem Dutzend weiterer Staaten gibt es bereits ähnliche Abkommen.

Koreanische Unternehmer können nun ihre Waren aus China direkt in Yuan bezahlen. Bislang war es nämlich so, dass die beiden Länder beim Handel den umständlichen Weg über den US-Dollar gehen mussten und die Handelspartner zweimal Geld umtauschen mussten: Von Yuan in Dollar, vom Dollar in den koreanischen Won und umgekehrt. Das kostete sie nicht nur Gebühren. Sie waren auch im doppelten Sinn Währungsschwankungen ausgesetzt. Und das wiederum führte häufig zu erheblichen Preisschwankungen. Südkoreanische Unternehmer in China gehen davon aus, dass der Preisvorteil nun durch den direkten Handel in Yuan zwischen fünf und zehn Prozent beträgt.

Mit Südkorea im Boot hat China damit einen weiteren großen Schritt zur Internationalisierung seiner Währung insgesamt vollzogen. Wurden noch vor zwei Jahren gerade einmal zwei Prozent des chinesischen Außenhandels in Yuan betrieben, liegt dieser Wert nach Angaben von chinesischen Ökonomen inzwischen bei elf Prozent.

Interessant ist auch folgende Entwicklung: Immer mehr internationalen Firmen wird an speziell von der chinesischen Regierung ausgewählten Off-Shore-Zentren gestattet, Yuan-Konten zu eröffnen. Seit nun fast zwei Jahren vergibt die chinesische Regierung etwa über ihre Sonderwirtschaftszone Hongkong Yuan-Anleihen an ausländische Investoren, sogenannte Dim-Sum-Bonds. Sie sind nach einer kulinarischen Spezialität in der ehemaligen britischen Kolonie benannt. Diese Bonds haben sich binnen kurzer Zeit zu dem am schnellsten wachsenden Schuldpapiersegment der Welt entwickelt. Singapur hat dieses Privileg ebenfalls erhalten. London will sich zum ersten Off-Shore-Zentrum in Europa für die chinesische Währung entwickeln. Und auch der Finananzplatz Frankfurt/Main bemüht sich um dieses Geschäft.

Auch die Deutsche Bank mischt schon kräftig mit. Nach Angaben des Handelsblatt hat sich Deutschlands größtes Kreditinstitut zu einem wichtigen Dienstleister in diesem Geschäft entwickelt. Die Nutzung von Yuan im Handel soll allein im ersten Halbjahr um 42 Prozent gestiegen sein. Und im kommenden Jahr soll das Volumen der Yuan-Abwicklung bei gar über vier Billionen Yuan (500 Milliarden Euro) liegen. Die Finanzindustrie hat die Zeichen der Zeit also längst erkannt.

Schon mehren sich die Stimmen, der Yuan könnte den Dollar als bislang größte Reservewährung schon bald vom Thron stoßen. Tatsächlich ist China bereits größte Exportnation der Welt, zweitgrößte Volkswirtschaft und das Land mit den höchsten Devisenreserven. Und während westliche Staaten zwischen 80 bis 100 Prozent, Japan sogar mit über 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet sind, liegen die Staatsschulden Chinas seit Jahren stabil bei um die 20 Prozent. Deutsche Bank-Chef Jürgen Fidschen prophezeite kürzlich auf dem China-Summit in Hamburg, dass der Yuan innerhalb der nächsten zehn Jahren zu einer Weltreservewährung aufsteigen werde.

Aktuell belegt der Yuan in den Statistiken zum globalen Zahlungsverkehr zwar derzeit erst noch Platz 16. Doch er hat immerhin um vier Positionen aufgeholt – und zwar in weniger als zwölf Monaten.

Kategorien: Roter Kapitalismus
Leser-Kommentare
  1. 9.

    Die Finanzindustrie hat DIE Zeichen der ……;-)

    • 15. Dezember 2012 um 14:44 Uhr
    • rene
  2. 10.

    Hallo Felix Lee, vielen Dank für den Artikel, der mich in der Meinung der Wichtigkeit der Entwicklungen in China für die globale wirtschaftliche Entwicklung bestärkt hat. Dabei geht die chinesische Seite sehr behutsam bei der Liberalisierung der Kapitalmärkte vor,was als ein Hinweis darauf anzusehen ist, daß man die Fehler der OECD-Welt nicht wiederholen möchte. Eine Garantie für spätere Verwerfungen gibt es dabei natürlich nicht. Aber der Weg zur globalen Vormachtstellung bzw. zur Weltreservewährung ist vorgezeichnet. Das macht auch ökonomisch Sinn, daß die demnächst größte Volkswirtschaft der Welt(nach Menschen, den ökonomischen Subjekten, ist sie es längst und nach BSP prognostizierte eine erst kürzlich vorgestellte OECD-Studie China den Status der größten Volkswirtschaft der Welt bereits für 2016: http://www.oecd.org/economy/economicoutlookanalysisandforecasts/lookingto2060.htm)eine Währung mit entsprechendem Status besitzt.

    @ Guy of Gisbourne: Welches Foto?

    @ Martin Wittig: Natürlich gilt die Aussage im Text. Wenn beispielsweise der südkoreanische Won gegenüber dem Dollar verliert, China aufgrund einer politischen Entscheidung (oder auch ökonomischen, wie man’s nimmt) den Yuan gegenüber dem Dollar aufwertet, dann würde sich für einen südkoreanischen Importeur die Ware aus China verteuern und gleichzeitig für den Exporteur in Chine das Geschäft weniger einbringen, da er weniger Yuan Renminbi für die bekommenen Dollar erhält. Bei einem Abwickeln des Geschäfts unter Ausschaltung des Umweges über den USD und c.p. (ceteris paribus) konstantem Austauschverhältnis von Won zu Yuan, bliebe alles wie bei Geschäftsabschluß vereinbart.

    @ Taranis: Ihr Kommentar gefällt mir gut @ ich stimme Ihnen zu, es bleiben spannende Zeiten (insofern nämlich, wie die OECD-Staaten auf diese neue alte Herausforderung ökonomisch antworten werden).

    @ Freedom Man: Haben Sie die Zahlen in diesem und anderen Artikeln, Studien, Berichten eigentlich zur Kenntnis genommen? Was hat das mit Hochjubelei zu tun, wenn man sein Meinungsbild schlicht an Fakten in Form von Kernzahlen und Kennziffern orientiert. Es ist auch darüber hinaus begrüßenswert, daß ein gewichtiger Teil der Menschheit aus der Armut herausgekommen ist, denn immerhin handelt es sich um ein sechstel der Menschheit. Daß Sie sich wünschen, diesen möge es in Zukunft gar nicht so gut gehen, stellt Sie auch moralisch nicht gerade in ein gutes Licht. Über den Begriff der Freiheit, den Sie in Ihrem Namen führen, könnte ich Ihnen zustimmen, aber es scheint, daß wir unter “Freiheit” etwas unterschiedliches verstehen.

    • 16. Dezember 2012 um 12:06 Uhr
    • xiezeren
  3. 11.

    >>Bei einem Abwickeln des Geschäfts unter Ausschaltung des Umweges >>über den USD und c.p. (ceteris paribus) konstantem >>Austauschverhältnis von Won zu Yuan, bliebe alles wie bei >>Geschäftsabschluß vereinbart.

    Und woher soll das angegebene konstante Austauschverhältniss in der Realität herkommen?
    Also das Tauschverhältnis Won Yuan zum Zeitpunkt des Geschäftsabschlusses verglichen zum Zeitpunkt der wirklichen Zahlung?
    Wollen sie Won Yuan fest binden oder das Währungsrisiko den Geschäftspartnern aufdrücken?

    MfG
    Martin Wittig

    • 16. Dezember 2012 um 16:09 Uhr
    • Martin Wittig
  4. 12.

    China dominiert die Industrieproduktion der Welt, laut
    http://www.jjahnke.net/rundbr95.html#2802
    Die Chinesen haben hart gearbeitet und Wohlstand verdient
    - und ich hoffe, dass die Früchte ihrer Arbeit auch bei der ganzen Bevölkerung ankommen.
    Die USA haben seit 1990 nur noch Blasen aufgepustet, die dann nach ein paar Jahren geplatzt sind: die DotCom-Blase, die NewEconomy-Blase, die AAA-Hypotheken-Pyramidenspiel-Blase.
    Die Macht der USA gründet nur noch auf einer überdimensionierten Militärmaschine, die sie nur auf Pump aufrechterhalten können, und dem Dollar als Welt-Leitwährung.
    Bleibt nur zu hoffen, dass die ‘Petro-Dollar-Theorie’
    http://de.wikipedia.org/wiki/Petrodollar#Die_Petrodollar-Theorie
    falsch ist.
    China versucht den westlichen Lebenstil zu erreichen.
    Der westliche Lebensstil ist aber gerade dabei, im Westen selber zu scheitern. Wenn alle Chinesen nach dem westlichen Stil leben, so werden wir 2 oder 3 Erden brauchen, siehe
    http://www.jjahnke.net/index_files/07-07273.jpg
    Die Chinesen hätten entsprechend ihrer langen Kulturtradition
    die Fähigkeit und Möglichkeit, einen eigenen – nachhaltigen – Lebensstil zu entwickeln.
    Ein DiskussionsVorschlag ist auf
    http://members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zukunft/2069Buch/2069D_21.html
    Die Zeit ist vielleicht noch nicht reif dafür, aber in der heutigen Lage ist ein Plan B sicher gut.

    • 18. Dezember 2012 um 11:27 Uhr
    • Heinz Göd
  5. 13.

    “…hinblick auf die desaströse lage und die mehr als schlechten aussichten des € …”

    Hä?

    Es gibt keine Euro-Krise – es existiert eine Banken-Krise.
    Wenn Banken – bzw. deren Gewinne – gerettet werden sollen, ist daran nicht der Euro schuld.
    Dem Euro geht’s auch nicht schlecht….es geht nur denen schlecht, die klamme Schuldner haben.

    • 18. Dezember 2012 um 14:27 Uhr
    • Paul
  6. 14.

    @ 9 – xiezeren – schade, dass es nicht die Möglichkeit gibt, Beiträge ( anonym )zu empfehlen. Deshalb hiermit meine Zustimmung für Ihren Beitrag.

    Man kann nur hoffen, dass die Chinesen weiterhin eine relativ vorsichtige Expansion betreiben. Die “natürlichen” Marktkräfte auf der Produktions- wie auf der Konsumseite sind sowieso stärker, als in jeder anderen Region.

    Interessant dazu der heutige Artikel in der FAZ über die Defizite und die Pläne von Daimler Benz in China.

    Gibt es Informationen, wie viel Millionäre es in China bereits gibt ? Wenn man sich die Immobilien, die Autos etc. ansieht, muss diese Zahl mittlerweile erheblich sein.

    • 18. Dezember 2012 um 15:36 Uhr
    • hakufu
  7. 15.

    Ja, die gibt es. Und zwar sind es derzeit schätzungsweise 1,4 Millionen Millionäre im ganzen Land, die zweithöchste Zahl eines Landes nach den USA. Was diese Zahl so besonders macht: Vor zehn Jahren waren es noch unter 10.000.

    • 18. Dezember 2012 um 15:56 Uhr
    • Felix Lee
  8. 16.

    @ Felix Lee – vielen Dank für die info. Gefühlt scheinen es noch viel mehr zu sein. Denn wie gesagt, mehr A8, 7er, S Klasse als in den großen chinesischen Metropolen gibt es nur selten in anderen Städten dieser Welt.

    Wenn man dann noch die Immobilien, die Firmen, die Gebäude, Einrichtungen und Maschinen nimmt, könnte die Zahl fast noch höher sein, denn ein Großteil der kleinen und mittleren Firmen ist mittlerweile in privater Hand, oder ist alles immer noch im staatlichen Besitz ?

    • 19. Dezember 2012 um 11:51 Uhr
    • hakufu
  9. Kommentar zum Thema

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