Felix Lee über Roten Kapitalismus und chinesische Online-Phänomene

China wird weltgrößte Handelsnation

Von 11. Februar 2013 um 17:10 Uhr

Das neue Jahr hat in China mit einer wichtigen Nachricht begonnen: Erstmals hat die Volksrepublik die USA als weltgrößte Handelsnation überholt. Nach Angaben des amerikanischen Handelsministeriums führten die Vereinigten Staaten 2012 Waren und Dienstleistungen im Wert von 3,82 Billionen Dollar ein und aus. Chinas Im- und Exporte beliefen sich im gleichen Zeitraum auf 3,87 Billionen Dollar. Während die USA ein Handelsdefizit von mehreren Hundert Milliarden Dollar aufweist, machen die Chinesen Überschüsse: insgesamt rund 230 Milliarden Dollar.

Exportweltmeister ist China bereits seit 2009. Damals hatte die Volksrepublik Deutschland und Japan eingeholt. Doch seit einiger Zeit steigen auch die Einfuhren nach China. Seit 2007 wachsen Chinas Importe schneller als die Exporte. Erst im Januar stiegen die Einfuhren des Landes offiziellen Angaben zufolge um stattliche 28,8 Prozent, die Ausfuhren um 25 Prozent.

Vor allem die USA haben China wiederholt vorgeworfen, seine Exporte durch einen künstlich niedrigen Wert der Landeswährung, den Yuan, anzuheizen. Dieser Vorwurf sei nicht mehr aufrecht zu erhalten, sagt Nicholas Lardy vom Peterson Institute for International Economics der Nachrichtenagentur Bloomberg. “Es ist bemerkenswert, dass eine Volkswirtschaft, die nur halb so groß ist wie die der USA, ein größeres Handelsvolumen aufweist.”

Tatsächlich rückt China für viele Industrieländer immer mehr zum wichtigsten Handelspartner auf. Allein im Januar wuchs der Warenaustausch mit der EU um 10,5 Prozent auf umgerechnet 35,2 Milliarden Euro. Der Handel mit den USA verbesserte sich sogar um 23,4 Prozent. Für Südkorea ist die Volksrepublik bereits der wichtigste Exportmarkt.

Auch die Deutschen machen sich immer abhängiger von China. Zwischen Januar und November 2012 betrug der Gesamtwert deutscher Exporte nach China rund 62 Milliarden Euro. Im Gegenzug wurden aus dem Reich der Mitte für den gleichen Zeitraum Güter im Wert von 71,5 Milliarden Euro importiert. Die US-Investmentfirma Goldman Sachs geht Bloomberg zufolge davon aus, dass Deutschland bis Ende des Jahrzehnts doppelt so viel nach China exportieren wird wie ins Nachbarland Frankreich.

Dabei hat China für seine Verhältnisse ein eher schlechtes Jahr hinter sich. Die Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 7,8 Prozent gewachsen – so langsam wie seit 1999 nicht. Für das laufende Jahr sind Beobachter optimistisch. “Bei wachsendem Binnenkonsum und leicht zunehmender Investitionstätigkeit dürfte das BIP-Wachstum des Landes 2013 die 8-Prozentmarke wieder übersteigen”, sagt Corinne Abele, China-Expertin von Germany Trade & Invest in Berlin.

Trotz der schneller steigenden Importzahlen bleibe China derzeit jedoch eine Exportnation, betont Abele. “Eine mögliche Ausweitung der Euro-Krise und ein globaler Konjunkturabschwung würden sich umgehend auch auf die Gesamtwirtschaft des Landes auswirken.”

 

Kategorien: Roter Kapitalismus
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Hallo!Ich komme aus China und ich denke,obwohl Chinaswirtschaft vergleichsweise schnell wächst,steht das Land vor ernsthaften Probleme.Vorher hatte Deutschland auch viele Problem.Problem bedeutet Herausfordung aber auch Chance.Wenn die Probleme geloest werden,werden China stärker.Wir haben Zuversicht!

    • 11. Februar 2013 um 21:11 Uhr
    • Methus
  2. 2.

    Ist doch gut. Sind nun mal auch mehr als 1mrd Menschen. Zeit viel mehr ratios zu denken, als in absoluten groessen. Effizienz einer Volkswirtschaft drueckt sich z.b. auch im niedrigen gini koeffizient aus. und da sind beide – usa und besonders china noch meilenweit entfernt. sebst japan steht bei dieser kennzahl schlechter da.

    • 11. Februar 2013 um 22:07 Uhr
    • getglobalized
  3. 3.

    Danke für einen sehr interessanten Beitrag. Ergänzend dazu empfehlte ich einen Audiobeitrag im Wirtschaftsblog der Seneca Vision:

    http://seneca-vision.de/klaus-peters/blog-klaus-peters-seneca-vision/item/11-audiomitschnitt-der-rede-von-klaus-peters-auf-der-hannover-messe-2012.html

    • 11. Februar 2013 um 22:38 Uhr
    • Britta Heinemann
  4. 4.

    Gut, dass Sie endlich die Dinge auf den Punkt bringen. China ist nicht
    nur ein interessantes Land mit tüchtigen Menschen, eine “aufstrebende” Industrie- und Wirtschaftsmacht, sondern bereits in vielen Bereichen die Nr. 1 weltweit. Mit allem was nützt, schlaue Taktik, Weitsicht, finanzielle Maßnahmen, gelegentlich Druck, auch “freundschaftlicher” Druck, aber auch unkompliziertes oder nach hier üblichem Sprachgebrauch – absolut “unbürokratisches” Vorgehen, deutlich demonstrierter Machtwillen, lassen Europa buchstäblich “alt” aussehen. Europa ist jetzt schon weit abgeschlagen. Träumt noch ein wenig mit den USA zusammen, Handelsschranken sollen abgebaut werden – nicht mal ein Tropfen auf den berühmten Stein, lachhaft angesichts der Situation.
    Und die USA, wer CNN und CNBC sieht, weiß, denken zuerst an die USA.

    Jeder in Europa kräht auf seinem eigenen Misthaufen, eine gemeinsame Wirtschaftkraft (Wirtschaftsmacht) ist nicht in Sicht. Kein gemeinsames Handeln. Dabei besteht dringender Handlungsbedarf!
    Hierzulande ist es populärer, sich für Kita-Plätze stark zu machen (Kuhn in Stuttgart und Steinbrück als Kanzlerkandidat)
    anstatt Vorschläge zu präsentieren, wie Deutschland sich künftig
    weniger abhängig macht und Arbeitsplätze im Land neu entstehen können.
    Gute Exportzahlen können sich schnell ändern – dagegen ist der Exporteur dann möglicherweise machtlos – im Gegenteil, er muß schön
    brav sein, darf nicht maulen, sonst wird alles noch schlechter.
    Nachdenken und Handeln ist dringend geboten. Siehe Japan und China.

    Ist es übrigens richtig und sinnvoll, dass sich die wichtigsten
    deutschen Automobilhersteller auf den Weltmärkten gegenseitig den
    Rang ablaufen wollen? Wäre es – langfristig gesehen – nicht besser für alle, Synergien zu bündeln, soweit möglich gemeinsam aufzutreten?
    Gibt es auch hier eventuell persönliche Eitelkeiten, die richtige
    Weichenstellunen verhindern, die Entscheidungsträger blind machen?
    Wer wird letzendlich davon provitieren?

    Die falsche Politik bei unserer einstmals hochgelobten Solarindustrie
    hat dazu geführt, dass chin. Unternehmer auch deutsche Solarhersteller
    aufkaufen konnten. Wo war die grüne Opposition? Hätte man rechtzeitig,
    so wie China – die Unternehmen unerstützt anstatt das Endprodukt sub-
    ventioniert, dann wäre heute nicht eine unserer einstigen Spitzen-
    technologien am Ende bzw. weitghend in der Hand der chin. Konkurrenz,
    die nun den Weltmarkt beherrscht.

    Wieso stecken sich die Europäer oder wenigstens Deutschland keine
    Ziele nach dem Motto: Was muß kurzfristig unternommen werden, was in
    den nächsten fünf Jahren? Wertvolle Zeit wird mit Gehässigkeiten und
    Banalitäten vertan. Persönlicher Ehrgeiz, teilweise krankhaft ausge-
    prägt, überwiegt. Wer dient uneigennützig seinem Land? Wohl zuerst die Bundeskanzlerin mit ihrem kleinen Gehalt. Schade, dass Herr Steinbrück nicht schon früher darauf aufmerksam gemacht hat, als er noch keine Kanzlerambitionen hatte.
    Auch wenn sie nicht alles richtig macht. Anstatt z.B. Herrn Putin im Fernsehen zu kritisieren wegen der Pussy-Riots (deren Aktion ist doch weniger als ein Fliegendeck auf dem globalen Kalender), hätte man das auch nichtöffentlich sagen können und daran denken, dass Russland vor allem ein großer wichtiger Nachbar ist. Und schließlich, mußte der Auftritt der kritischen Damen ausgerechnet in einer Kirche stattfinden?
    Wieso störte das bis heute niemanden?

    Kita-Plätze sind gut und wichtig, aber in der Welt bringt uns das
    nicht voran.
    Davon abgesehen sind nicht alle Mütter so geistig minderbemittelt und unfähig, wie sie dargestellt werden. Die Politiker und Journalisten, die ständig mit der “Herdprämie” um sich werfen wie mit einem Stück Sch-eibenkuchen, benehmen sich unverantwortlich einseitig, halten Andersdenkende für geistig zurückgeblieben –

    Wenn immer mehr Waren aus China kommen, chinesische Investoren immer
    mehr Firmen (Know-How) direkt kaufen (gibt es übrigens deutsche oder europäische Investoren, die Firmen in China gekauft haben oder dort
    in chinesischen Unternehmen in führenden Positionen tätig sind ??),
    dann brauchen wir unsere Phantasie nichtzu bemühen. Auch der Dümmste
    kann sich vorstellen, wohin das in Kürze führt.
    Gutausgebildete Ingenieure, Wissenschaftler aus Deutschland werden
    die Karre aus dem Dreck ziehen? Von wegen, auch andere Länder haben
    bestens ausgebildete Spezialisten, die jedes Jahr die Hochschulen ver-
    lassen, viel mehr als wir. Empfehlung:Z.B. CCTV9 und TELESUR schauen.

    Also – wo sind die hochkarätigen Arbeitskreise, die Ideen entwickeln und rasch umsetzen? Werft schleunigst die Flaschen raus und alle, die dem Ansehen Deutschlands in der Welt schaden, sucht die besten und tüchtigsten Leute (vorerst lebt die deutsche Wirtschaft noch haupt-sächlich vom Export)!
    H.W.

    • 11. Februar 2013 um 23:47 Uhr
    • weinmann helene
  5. 5.

    Bitte im Abschnitt
    “Die falsche Politik noch ein t einfügen bei dem Wort unterstützt

    • 11. Februar 2013 um 23:51 Uhr
    • weinmann helene
  6. 6.

    Gott sei Dank hat der Kapitalismus auch eine gute Seite: ein geknechtetes und freudloses Volk konsumiert nicht; also hat der Kapitalismus eher ein Interesse an liberaler Lebensfreude a la “Gangnam-style” (Südkorea…ich weiss..) denn an Partei-Diktatur. Wandel durch Handel, hoffen wir´s mal…

    • 11. Februar 2013 um 23:53 Uhr
    • Bernd Philippsen
  7. 7.

    Und da wir gerade dabei sind, warum schaffen wir nicht gleicht unsere Diktatur ab? Warum schaffen wir in den alten Industriebrachen Arbeitslager? Von China lernen, heißt siegen lernen.

    • 12. Februar 2013 um 02:39 Uhr
    • soundnicht anders
  8. 8.

    Was ich bei China sehr gut finde ist, daß sie sich nicht in die
    Angelegenheiten anderer Länder einmischt und Unruhe stiftet, um
    dann sich die Naturschätze sich unter den Nagel zu reißen.Man
    sollte mehr über China im Fernsehen zeigen, nicht so künstlich
    verursachte Krisen wie in Syrien wo die gesammte Bevölkerung doch
    hinter Assad steht und Marionettenoppositionsfiguren mit Gehirnen
    von 4 Jährigen als Retter Syriens dargestellt werden LOL.
    Da sollte man eher noch im Fernsehen zeigen, daß es in Saudi-Arabien
    sehr viele auf die Straße gehen und gegen die Royals protestieren und
    es werden immer mehr! Die Stühle der Herrscher wackeln dort ziemlich
    gewaltig.

    • 12. Februar 2013 um 05:15 Uhr
    • impressed
  9. Kommentar zum Thema

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