Felix Lee über Roten Kapitalismus und chinesische Online-Phänomene

Der Yuan auf dem Weg zur Weltwährung

Von 8. April 2013 um 13:38 Uhr

Außerhalb der Landesgrenzen ist die chinesische Währung Yuan auf den Tafeln der Wechselstuben meist noch nicht gelistet. Noch ist der Yuan nicht frei handelbar – auch wenn er inzwischen die Währung der zweitgrößten Volkswirtschaft und der größten Handelsnation der Welt ist. Und bis man in Europa an den Bankschalter gehen und den Yuan ohne Weiteres in Euro umtauschen kann, wird es nach Einschätzung von Währungsexperten auch noch eine Weile dauern.

Im internationalen Handelsgeschäft aber wächst seine Bedeutung – und zwar in großen Schritten. Das Wall Street Journal berichtet in seiner deutschen Online-Ausgabe, China werde schon bald den direkten Handel seiner Währung gegen den Australischen Dollar erlauben. Vor allem wegen der hohen Nachfrage nach Rohstoffen ist die Volksrepublik bereits der wichtigste Handelspartner Australiens. Rund 20 Prozent der australischen Exporte gehen nach China. Angesichts des florierenden Handels zwischen beiden Ländern scheine die Zeit für einen eigenständigen Markt gekommen, schreibt das Wall Street Journal.

Bislang können nur der US-Dollar und seit einem Jahr auch der japanische Yen direkt gegen die chinesische Währung getauscht werden. Das heißt: Derzeit ist der Handel zwischen China und Australien umständlich und mit Transaktionskosten verbunden. Weil über den US-Dollar gehandelt wird, sind beide Länder erheblichen Währungsschwankungen und den Launen der amerikanischen Notenbank ausgesetzt. Ein direkter Handel in Yuan würde dafür sorgen, dass die Kosten für australische Importeure und Exporteure mit China sinken.

In seinem jüngsten Buch Geldmacht China. Wie der Aufstieg des Yuan Euro und Dollar schwächt schildert der langjährige China-Kenner und Handelsblatt-Autor Frank Sieren prägnant und anschaulich, wie die chinesische Führung den Yuan zur wichtigsten Währung der Welt aufbaut. Sieren zufolge scheut sich China derzeit noch, seine Währung freizugeben. Angesichts der Krisen in der Euro-Zone, Japan und den USA könnten zu viel internationales Geld in die Volksrepublik fließen und Kapital- und Immobilienblasen entstehen. Daher will Peking den Kapitalverkehr weiter kontrollieren.

Doch nun stößt diese Praxis zunehmend an ihre Grenzen. Unter anderem hat China zu viele Währungsreserven angesammelt, die zum großen Teil in amerikanischen Staatsanleihen stecken und aufgrund der niedrigen Zinsen nicht nur wenig Ertrag abwerfen, sondern wegen der lockeren Geldpolitik der US-Zentralbank zunehmend entwertet werden. Zugleich soll Chinas Wirtschaft nicht mehr ganz so abhängig sein von der Exportwirtschaft. Auch in der Volksrepublik soll eine eigenständige Finanzindustrie entstehen, die es mit den internationalen Finanzmarktplätzen aufnehmen kann. Das erfordert aber eine Liberalisierung des Yuan.

Die Devise laute: “Investieren ja, maßloses Spekulieren nein”, schreibt Sieren. Peking versuche, seine Währung Schritt für Schritt zu öffnen, ohne das Land den Risiken von unkalkulierbaren Währungsschwankungen auszusetzen. “Ein Programm, dass jeder deutsche Mittelständler sofort unterschreiben und das selbst für US-Präsident Barack Obama gut als Hausaufgabe für seine letzte Amtszeit taugen würde”, so der Autor.

Bei der Entwicklung des Yuan hin zu einer globalen Handelswährung ist bereits jede Menge geschehen. Mit den Brics-Staaten (neben China sind das Brasilien, Russland, Indien und Südafrika) hat China vereinbart, den Handel untereinander in den jeweiligen Handelswährungen direkt abzuwickeln und nicht mehr länger über den Dollar. Die Brics-Staaten repräsentieren bereits  44 Prozent der Weltbevölkerung und inzwischen über 20 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Mit einem weiteren Dutzend Länder, darunter auch Saudi-Arabien, sind ähnliche Abkommen vereinbart. Die HSBC geht davon aus, dass bereits in zwei Jahren die Hälfte der chinesischen Handelstransaktionen direkt in Yuan abgewickelt werden könnte.

Zugleich aber beschreibt Sieren in seinem Buch, dass die Entwicklung des Yuan zur Handelswährung noch den einfachsten Schritt darstellt: Er erfordere bloß bilaterale Vereinbarungen zwischen China und dem jeweiligen Handelsland. Sehr viel schwieriger seien die Schritte zu einer Reservewährung, zu einer Kreditwährung und dann schließlich zu einer Weltwährung. Denn das setze voraus, dass ein umfassender Anleihemarkt entsteht und die Zinsen für Kredite freigegeben werden. Auch der Aktienmarkt müsste reformiert werden, damit Anleger aus aller Welt Chinas Finanzsystem vertrauen und problemlos im Reich der Mitte investieren können wie an den Finanzmarktplätzen in New York, London und Frankfurt. Der Staat müsste diesen Sektor dann jedoch weitgehend frei geben. Und damit tut sich Peking schwer.

Trotz dieser bislang noch ausstehenden Reformen ist sich Sieren sicher: “China wird zur Geldmacht” – mit Auswirkungen auf die ganze Welt.

Kategorien: Roter Kapitalismus
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Egal ob Yen, Yuan, Dollar, Euro oder Liere – hauptsache man hat davon mehr als man jemals braucht.

    • 8. April 2013 um 15:44 Uhr
    • liam Müller
  2. 2.

    Schweiz hat CHF an €uro angeklebt – aus selben Gründen . Inflationieren bis zum bitterem Ende . Es gibt für PBoC eine elegantere Lösung – 20% von deren $$$ zu verticken, ( das wären in dagegebenem Falle lumpige 210 Mrd. ), und diesen Wahnsinn dass sich “Weltwirstschaftsystem” nennt
    endlich zu beerdigen .

  3. 3.

    Logisch falsch.

    Warum sollte ein Währungshandel Yuan -> US$ -> AU$ zu einem anderen Ergebniss führen als ein Handel Yuan -> AU$. Es ist vollkommen unerheblich wie stark der US$ als Zwischentauswährung schwankt. Und bei dem Tausch von Millionen sind die Transaktionskosten eh zur gesammten getauschten Geldsumme unerheblich.

    MfG Martin Wittig

    • 9. April 2013 um 01:19 Uhr
    • MWittig
  4. 4.

    @Hr. Wittig
    Die Transaktionskosten sind zwar nur einige Basispunkte, aber wenn die Profitmarge in margenschwachem Geschäft z.B. nur 1% des Nominals ausmacht, können Währungsschwankungen in dieser Größenordnung durchaus über profit oder Verlust entscheiden. Und dass der Dreiwährungshandel die Spreads treibt, würde ich schon unterschreiben.
    “Logisch falsch” ist die Aussage ohnehin nicht. Sie mag empirisch nicht fundiert sein, aber gegen den Gedankengang als solchen gibt es keine logischen Vorbehalte.

    • 9. April 2013 um 10:54 Uhr
    • Jens
  5. Kommentar zum Thema

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