Felix Lee über Roten Kapitalismus und chinesische Online-Phänomene

Chinas Problem mit den Schattenbanken

Von 12. April 2013 um 13:18 Uhr

Erstmals hat die amerikanische Rating-Agentur Fitch auf die Verschuldung in China hingewiesen. Das Land habe ein Schuldenproblem, findet Andrew Colquhoun, der zuständige Analyst bei Fitch. Zwar sei der Staat vergleichsweise gering verschuldet. Beziehe man den Finanzsektor mit ein, komme man jedoch auf eine Schuldenquote von 198 Prozent. Vor vier Jahren seien es nur 125 Prozent gewesen. Die Rating-Agentur hält das für eine beunruhigende Entwicklung. Sie hat chinesische Regierungsanleihen im Inland um einen Punkt von “AA-” auf “A+” herabgestuft.

Tatsächlich ist Chinas Schuldenproblem auf den ersten Blick kaum sichtbar. Die Schulden der Zentralregierung in Peking betragen lediglich 50 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das ist weniger als etwa in Japan (235 Prozent), in den USA (über 100 Prozent) und selbst in Deutschland (mehr als 80 Prozent).

Weit höher sind jedoch die Verbindlichkeiten der Kommunen. Fitch schätzt ihre Schulden auf umgerechnet 1,6 Billionen Euro – ein Viertel der jährlichen Wirtschaftsleistung. Die Schuldenquote aller Regierungsstellen beträgt mittlerweile sogar rund 50 Prozent. Die Provinzen hätten das Geld oftmals in unsinnige Projekte gesteckt, kritisiert Fitch.

Was Chinas Verschuldung zudem unberechenbar macht, ist das Schattenbankensystem. Nicht nur Fitch, sondern auch viele chinesische Ökonomen vermuten, dass es in China einen großen schwarzen Kapitalmarkt gibt. Viele Darlehen tauchen in den offiziellen Büchern nicht auf. Nicht nur Unternehmer und Privatpersonen borgen sich Geld von Schattenbanken, sondern auch Kommunen. Sollten Kredite im großen Stil ausfallen, könnte das Auswirkungen auf das reguläre Bankensystem haben. Am Ende würde es für den Staat teuer.

Das Urteil von Fitch dürfte dennoch kaum Auswirkungen haben. Im Ausland ist China überhaupt nicht verschuldet, sondern sogar der weltgrößte Gläubiger. Die Devisenreserven haben in diesen Tagen den Spitzenwert von 2,5 Billionen Euro erreicht. Bei der Bewertung von chinesischen Staatspapieren in Fremdwährung behält die Volksrepublik deshalb auch den Spitzenwert. Was die Inlandsverschuldung in der Landeswährung Yuan betrifft: Hauptabnehmer von staatlichen Anleihen sind in der Volksrepublik Banken. Und die sind  durchgehend in staatlicher Hand. Das heißt: Sie werden von ganz oben dazu verpflichtet, alles aufzukaufen, was der Staat auf den Markt wirft. Die Meinung von Fitch interessiert dabei nur wenig.

Zumal die tatsächlichen Ausfallrisiken gering sind. Die chinesische Zentralbank ist unmittelbar der chinesischen Führung unterstellt, sie kann jederzeit Yuan nachschießen. Das könnte zwar die Inflation anheizen. Die ist aber im März auf moderate 2,1 Prozent zurückgegangen. Außerdem kann der chinesische Staat die Staatsanleihen in voller Höhe garantieren, ganz einfach, weil er auf einem riesigen Berg an Devisenreserven sitzt. Letztlich zeigt das auch, dass Fitch Chinas Finanzsystem nicht ganz verstanden hat. Für die Volksrepublik lassen sich eben nicht die gleichen Maßstäbe anlegen wie bei anderen Staaten.

Allerdings liegt es auch im Interesse der chinesischen Wirtschaft, Ungleichgewichte im Finanzsystem abzubauen. Hohe Ausgaben der Städte und Kommunen schaffen kurzfristig zwar Jobs. Investieren sie jedoch in allzu viele sinnlose Projekte, die auf Dauer keine Einnahmen generieren, kann es auch mit Chinas Überschüssen sehr schnell vorbei sein.

Kategorien: Roter Kapitalismus
Leser-Kommentare
    • 12. April 2013 um 17:47 Uhr
    • Xiaowei K
  1. 2.

    Wenn die Chinesischen Banken dem Staat gehören, kann von Prinzip aus, von einem Vollgeldsystem gesprochen werden. Der Staat profitiert daher auch an Zinseinnahmen für vergebenen Krediten, welche wiederum als zusätzliche Steuer funktioniert!

    Schattenbanken dürften daher ihre Kreditvergabe mit 100 % Eigenkapital unterlegt haben!

    Der Unterschied zu meinem Modell wäre nur – Der Staat schöpft das Geld aus dem Nichts, und verteilt es gleichmäßig an seine Bürger – Der Staat finanziert sich bei sparsamer Haushaltsführung nur aus Steuereinnahmen (Der Zins für das vom Staat geschöpfte Geld) – Die allgemeine notwendige Kreditvergabe wird weiterhin von Banken oder Privatpersonen übernommen, wobei alles mit 100 % Eigenkapital unterlegt ist!

    Genauer ab Kommentar 53 (5 Teile):

    http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-08/libor-zinsen-manipulation-london?commentstart=49#comments

    China kann mit seinem Geldsystem überhaupt nicht Pleite gehen. Anders als der Rest der Welt, welche die alleinige Geldschöpfung den Banken übertragen hat!

    Und hinzu kommt, das der heutige zehnfache Millionär, der morgen Milliardär ist, keine Inflation bewirkt, bei Produkten / Dienstleistungen und sonstigem, welche von den ärmeren Bürgern konsumiert werden, sofern das Angebot der Nachfrage immer angeglichen wird!

    • 12. April 2013 um 19:37 Uhr
    • genius1
  2. 3.

    “Außerdem kann der chinesische Staat die Staatsanleihen in voller Höhe garantieren, ganz einfach, weil er auf einem riesigen Berg an Devisenreserven sitzt.”

    Die Devisenreseven der Volksrepublik China kommen so zu stande:
    Ein Unternehmen verkauft ein Produkt im Ausland und erhält dafür Devisen (z.B. Dollar). Da China ein festes Wechselkurs Regime hat, ist das Unternehmen gezwungen die Devisen bei der Zentralbank gegen Yuan einzutauschen. Die Zentralbank hat nun zwei Möglichkeiten dem Unternehmen die Yuan zu besorgen:
    Sie kann das Geld frisch drucken oder sie leiht sich Geld bei den Banken und damit bei den Sparern.

    Da die chinesischen Zentralbank stets bestritten hat, für die Devisenreserven Geld zu drucken, hat sie wohl das Geld bei den Sparern geliehen. Das bedeutet aber, dass den über drei Billionen Dollar an Devisenreserven der gleiche Wert an Schulden im Inland gegenübersteht.
    (Das ist normalerweise kein Problem, wenn der Yuan nicht zu sehr steigt. Da wenn Kurs steigt auch der Wert der Devisenreserven in Yuan abnimmt, und somit den Schulden im Inland kein ausreichender Wert mehr gegenübersteht.)
    Aber auf keinen Fall kann der chinesische Staat die Staatsanleihen mit geliehenen Devisenreserven garantieren.
    Fitch hat möglicherweise Chinas Finanzsystem doch verstanden.

    • 12. April 2013 um 20:52 Uhr
    • Spinoza
  3. 4.

    Das ist absurd. Unkenntnis in der Öffentlichkeit ist doch das Wesen der Schattenbanken. Wenn Kenntnis bestünde, wären es doch keine Schattenbanken.

  4. 5.

    @Spinoza

    Falsch. Der chinesische Staat hat die Devisen vielleicht “praktisch” von den Sparern geliehen, wenn man lustiger-/dummerweise die Zwischenstufen außen vorlässt. In der Realität gehören die Devisenreserven dem Staat / der Notenbank und werden im Ernstfall auch so behandelt.

    • 13. April 2013 um 05:50 Uhr
    • Trew
  5. 6.

    @Trew

    Richtig. Die chinesische Zentralbank/ der Staat ist Eigentümer der Devisenreserven. Allerdings hat die Zentralbank in der gleichen Höhe Schulden bei den Chinesen (vorrausgesetzt sie hatte den Gegenwert nicht gedruckt). Das bedeutet, wenn die Zentralbank die Devisenreserven verschenken würde, würde die Staatsverschuldung in gleicher Höhe steigen (genauer in der Höhe in der die Devisenreserven in den Büchern der Zentralbank stehen).

    “Außerdem kann der chinesische Staat die Staatsanleihen in voller Höhe garantieren, ganz einfach, weil er auf einem riesigen Berg an Devisenreserven sitzt.”
    Was Herr Lee hier vorschlägt ist nichts anderes, als wenn ich mir bei Ihnen 100 Euro leihe. Und ich vorschlage ihnen als Sicherheit 131 Dollar zu geben, wenn sie mir die auch noch leihen.

    • 13. April 2013 um 11:41 Uhr
    • Spinoza
  6. Kommentar zum Thema

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