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Europas Finanzplätze buhlen um den Yuan

 

Auf Staatsbesuchen wird es selten konkret. Die Deutschland-Reise von Chinas Regierungschef Li Keqiang war keine Ausnahme. Ein interessantes Detail in der deutsch-chinesischen Stellungnahme findet sich dennoch:

„Beide Seiten sind sich als wichtige Volkswirtschaften über die Notwendigkeit der Beibehaltung intensiver Konsultationen im Fiskal- und Finanzbereich einig und haben beschlossen, den Dialog der Finanzministerien zu Finanzfragen weiter zu vertiefen.“

Das klingt schwammig. In Wahrheit aber geht es um nichts Geringeres als die Internationalisierung der chinesischen Währung, dem Yuan, und damit seinem Aufstieg zur Welt- und Reservewährung. Wie aus diplomatischen Kreisen  zu erfahren ist, will Deutschlands Bankenmetropole Frankfurt/Main bei dieser Entwicklung mitspielen. Der Finanzplatz bemüht sich um die Rolle als Offshore-Zentrum des Yuan auf dem europäischen Kontinent.

Trotz Chinas wirtschaftlicher Stärke ist die Währung des Landes außerhalb der chinesischen Landesgrenzen bis heute nicht frei handelbar. Das soll sich nun ändern. Experten gehen davon aus, dass der Yuan bereits bis 2017 frei konvertierbar sein wird.

Chinas Führung betreibt die Internationalisierung in kleinen Schritten. Derzeit treibt sie die sogenannte Offshore-Verbreitung voran. Dabei handelt es sich um speziell ausgesuchte Handelsplätze, auf denen dort ansässige Finanzfirmen Produkte rund um die chinesische Währung anbieten und handeln können. Sie können nicht nur Konten in Yuan führen, sondern untereinander auch Überweisungen tätigen. Auch die Verschuldung in Yuan ist möglich. Es werden also chinesische Anleihen ausgegeben.

Zudem lässt sich an den Offshore-Zentren der Yuan auch sehr viel einfacher in „harte“ Währungen wie Euro oder Pfund umtauschen. Auch das ist ein Novum: Dadurch nämlich entsteht ein eigener Wechselkurs, dem Fachleute bereits das Kürzel „CNH“ geben – in Abgrenzung zum bisherigen „CNY“, dessen Wechselkurs die Zentralbank in Peking festlegt. An den Offshore-Handelsplätzen verschwimmen die Grenzen zwischen dem staatlich bestimmten und noch nicht konvertierbaren Yuan und den Weltwährungen. Wie beim Euro, Yen und dem US-Dollar wird der Wechselkurs von den Marktkräften bestimmt.

An den Finanzplätzen in Hongkong, Singapur und Taiwan wird bereits frei mit dem Yuan gehandelt. Auch mit den Bric-Partnern Brasilien, Russland, Südafrika und Indien hat Chinas Führung Vereinbarungen unterzeichnet, die den Yuan-Handel in diesen Ländern ermöglichen. London ist im vergangenen Jahr das erste Offshore-Zentrum für den Yuan geworden. Die USA halten sich zurück, fürchten sie doch im Yuan eine ernst zu nehmende Konkurrenz zum Dollar. Was bislang bei diesem sehr lukrativen Handel fehlt: ein Standort in Kontinentaleuropa.

Und da gibt es nun eine ganze Reihe von Anwärtern: Neben Frankfurt bemühen sich Zürich, Paris und Luxemburg um den Yuan-Handel. Weitere kleinere Finanzstandorte in Ost- und Mitteleuropa führen ebenfalls intensive Gespräche mit der chinesischen Führung.

Die hält sich noch bedeckt. Li Keqiangs Besuch vergangene Woche in der Schweiz lässt die Eidgenossen zu Recht hoffen, dass Zürich zu den Favoriten gehört. Ein Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China ist bereits vereinbart. Paris wiederum wirbt mit seiner großen Anzahl an Chinesen in der Stadt und Luxemburg mit seiner reichhaltigen Erfahrung als Finanzplatz. Für Frankfurt spricht, dass Deutschland inzwischen Chinas größter und wichtigster Handelspartner in Europa ist. Beim Besuch in Berlin hat Li Keqiang mit der Bundesregierung vereinbart, eine Handelskammer und eine Institution zur Investitionsförderung in Deutschland einzurichten – auch das ist ein Zeichen, dass Frankfurt große Chancen hat.

Das Buhlen um den Yuan ist in vollem Gange.