Felix Lee über Roten Kapitalismus und chinesische Online-Phänomene

Autoren Archiv von Felix Lee

China bekämpft Schulden mit Schulden

Von 21. Juli 2014 um 10:31 Uhr

Wer in China eine Bank betritt und nach einem Kredit fragt, stößt oft auf irritierte Gesichter. Daikuan – das chinesische Wort für Kreditaufnahme – sei sehr kompliziert, lautet häufig die Antwort der Bankberater. Das erfordere jede Menge Papierarbeit. Wer dennoch auf einem Kredit besteht, wird die nächste Stunde mit lustlosen Angestellten verbringen, die einem seitenweise komplizierte Formulare zum Ausfüllen zuschieben.

Bankschulden sind in China verpönt. Wer sich etwas leisten möchte, muss sich das notwendige Geld vorher erarbeitet haben. Konsumkredite werden in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt deshalb bis heute nur selten vergeben. Wer beispielsweise ein Auto kaufen will, betritt das Geschäft des Händlers meist mit einem Koffer voller Geld. Und selbst wer sich eine Wohnung kauft, hat in der Regel vorher so viel gespart oder bei Verwandten zusammengekratzt, dass nur ein verhältnismäßig kleiner Bankkredit aufgenommen werden muss. Dementsprechend gering ist die durchschnittliche Schuldenquote von Privathaushalten.

China hat dennoch ein Schuldenproblem. Und zwar ein Gigantisches. Die Gesamtschulden der Volksrepublik sind nach Schätzungen internationaler Finanzexperten inzwischen auf über 220 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen. Der Wert umfasst die Schulden des Staates, der Unternehmen und der Privathaushalte. Gemessen an den USA (250 Prozent) oder Japan (400 Prozent) klingt das nicht dramatisch. Verglichen mit anderen Schwellenländern belegt China aber mittlerweile einen Spitzenplatz.

Bedrohlich ist vor allem das Tempo, mit dem Chinas Schulden steigen. Um den Exportausfall im Zuge der Weltwirtschaftskrise von 2008 und 2009 zu kompensieren, hatte die Regierung in Peking ein großes Konjunkturpaket aufgelegt – vor allem für den Straßen-, Schienen-, Energie- und Wohnungsbau. Das hat das Wirtschaftswachstum zwar stabilisiert, die Verschuldung aber in die Höhe getrieben. Berechnungen der US-Ratingagentur Fitch zufolge ist Chinas Gesamtverschuldung in den vergangen sechs Jahren um über 60 Prozent gestiegen. Experten ziehen Parallelen zu Japan in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre als die Verschuldung innerhalb von fünf Jahren um 45 Prozent zulegte und zu Südkorea mit einer ähnlichen Entwicklung zehn Jahre später. Beides mündete in schwere Finanzkrisen.

China sitzt auf hohen Reserven

Offiziell hat die Regierung Warnungen vor einer möglichen Schuldenkrise, ähnlich der in Südeuropa, stets zurückgewiesen. China unterscheide sich grundsätzlich von Südeuropa, argumentiert Peking. Und tatsächlich: Verschuldet sind nicht so sehr die Privathaushalte wie in Spanien, auch nicht die Staatsführungen wie Portugal oder Griechenland, sondern vor allem die Staatsunternehmen. Und da sie die Schulden bei Staatsbanken aufgenommen haben, kann die Zentralregierung der ihr unterstellten Zentralbank jederzeit anweisen, die Schulden zu übernehmen.

Die Zentralregierung wiederum verfügt über sehr viel Geld. Im Ausland ist China nur mit etwa zehn Prozent der Wirtschaftsleistung verschuldet. Die ausländischen Devisenbestände sind viermal so hoch. Das heißt: Chinas Führung ist nicht auf die internationalen Kapitalmärkte angewiesen. Das verschafft ihr großen finanziellen Spielraum.

Das Kernproblem ist vielmehr Ineffizienz: Sehr viel Geld ist in leere Immobilien, kaum befahrene Autobahnen und nicht rentable Flughäfen geflossen. Zudem haben vor allem die Staatsunternehmen gewaltige Überkapazitäten aufgebaut, die mit einer staatlichen Rettungsaktion nicht einfach verschwinden. Eine Reihe von Branchen sind in China künstlich aufgebläht, viele Firmen bleiben mittlerweile auf ihren Waren sitzen. Mit über 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts haben die Schulden der chinesischen Unternehmen mittlerweile einen Rekordwert erreicht.

Nachdem auch der Internationale Währungsfonds (IWF) vergangenes Jahr wegen Chinas rapidem Kreditwachstum unter den Unternehmern Alarm geschlagen hatte, reagierte die chinesische Führung. Zu Jahresbeginn beteuerte Premierminister Li Keqiang, dass Chinas auf Schulden basiertes expansives Wachstum ein Ende haben müsse. Er wies die Staatsbetriebe und die Lokalbehörden an, die Ausgaben deutlich zu drosseln und Investitionen sehr genau auf ihre künftige Rentabilität zu prüfen. Li rief zu “nachhaltigem Wachstum” auf.

Doch von diesen Mahnungen ist mittlerweile nicht mehr viel zu hören. Im Gegenteil: Da Chinas Industrie Anfang des Jahres erneut schwächelte, hat die Staatsregierung erneut das Kreditvolumen deutlich ausgeweitet und Staatsunternehmen gestützt, von denen viele unrentabel sind und eigentlich geschlossen gehören. Ein “Rebalancing”, wie von Ökonomen gefordert, sieht anders aus.

Anstatt den unrentablen Staatsunternehmen weiter  Geld in den Rachen zu schieben, wäre Chinas Führung derzeit besser beraten, den Konsum der Privathaushalte zu fördern. Und zwar in Form von Lohnerhöhungen – und warum nicht auch mithilfe von Krediten?

Kategorien: Roter Kapitalismus

Wie China Hollywood die Drehbücher diktiert

Von 16. Juli 2014 um 11:53 Uhr
Schauspielerin Li Bingbing © Andreas Rentz/Getty Images for Paramount Pictures

Schauspielerin Li Bingbing © Andreas Rentz/Getty Images for Paramount Pictures

Transformer 4 – Ära des Untergangs ist der bislang erfolgreichste Hollywoodfilm in China: Allein am Startwochenende spielte er 90 Millionen Dollar ein. Nun, drei Wochen später, sind es sogar fast 300 Millionen Dollar. Die Strategie der Paramount Studios, in dem Film gezielt das chinesische Publikum anzusprechen, ist aufgegangen. Und die der chinesischen Führung ebenfalls. Weiter…

Kategorien: Medien

Noch mehr Zensur

Von 14. Juli 2014 um 09:39 Uhr

Bis vor Kurzem überwog unter vielen chinesischen Journalisten noch der Optimismus: Das Internet und ganz besonders die sozialen Netzwerke haben ihre Arbeit in dem autoritär geführtem Land einfacher gemacht. Hinzu kommt, dass die staatlich kontrollierten Medien in China unter erheblichem wirtschaftlichen Druck stehen. Mit der bloßen Wiedergabe von trockenen KP-Stellungnahmen ist es nicht getan. Die Leser wollen interessant aufbereitete, unabhängige Berichte und Reportagen lesen. Können das die etablierten Medien nicht leisten, suchen die Chinesen in den Weiten des Internets – und werden dort auch meist fündig.

Der Druck durch das Netz hat dazu geführt, dass sich in den vergangenen Jahren zumindest in einer Handvoll staatlich kontrollierter Zeitungen trotz Zensur eine recht vitale und auch zuweilen kritische Berichterstattung entwickeln konnte. Dazu zählt etwa die Nanfang Zhoumuo (Südliches Wochenende), eine Wochenzeitung aus der südchinesischen Metropole Guangzhou, wo ohnehin ein sehr viel liberalerer Geist weht als in der Hauptstadt Peking.

Doch nun gibt es einen herben Rückschlag.

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Volkswagen macht neuen Rekordabsatz in China

Von 11. Juli 2014 um 15:38 Uhr

Für Volkswagen-China-Vorstand Jochem Heizmann wirkte die Vertragsunterzeichnung in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Chinas Ministerpräsident Li Keqiang wie Routine. Vor versammelter Presse eilte er zum Pult, unterschrieb das Abkommen, überreichte es seinem chinesischen Partner und gab der Kanzlerin und dem chinesischen Premier noch kurz die Hand. Dann war die Vertragszeremonie auch schon beendet.

In dem Abkommen, das Anfang der Woche während des Kanzlerinnenbesuchs unterzeichnet wurde, geht es um das inzwischen 19. und 20. Autowerk von Volkswagen in China. Eins soll für rund eine Milliarde Euro in der ehemaligen deutschen Kolonie Qingdao entstehen, das andere für eine ähnliche Summe in Tianjin, der 15-Millionen-Hafenmetropole, unweit von Peking.

Kein anderes europäisches Unternehmen hat in den vergangenen 30 Jahren in der Volksrepublik so viel investiert wie der deutsche Autobauer. Die Investitionen zahlen sich aus.

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Zensur, der Wirtschaft zuliebe

Von 8. Juli 2014 um 11:37 Uhr

Anlässlich des dreitägigen Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Peking war am Montag erstmals die sogenannte deutsch-chinesische Wirtschaftskommission zusammengetreten. Dabei handelt es sich um ein neu gegründetes Gremium, das sich aus jeweils zwölf deutschen und zwölf chinesischen Firmen zusammensetzt. Ihr Ziel: Sie wollen sich nicht nur regelmäßig treffen und Probleme erörtern, die sich in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit beider Länder ergeben, sondern ihren Regierungen auch Empfehlungen für wirtschaftspolitische Reformen geben. Doch eine Empfehlung erweist sich als politisch höchst brisant.  Weiter…

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Chinas Führung schmückt sich gern mit Merkel

Von 6. Juli 2014 um 09:52 Uhr

Der Besuch von Mo Ke’er Zongli, wie Angela Merkel auf Chinesisch genannt wird, ist in China schon lange keine Besonderheit mehr. Bereits sieben Mal hat die Bundeskanzlerin in ihrer Amtszeit die Volksrepublik besucht – mindestens drei Mal wird sie allein in diesem Jahr auf den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping treffen.

Ende März war Xi zuletzt auf Staatsbesuch in Berlin. Merkels am Samstag begonnener Besuch in der südwestchinesischen Metropole Chengdu und in Peking wird laut chinesischem Protokoll ebenfalls zum “Staatsbesuch” aufgewertet. Und im Oktober stehen deutsch-chinesische Regierungskonsultationen in Berlin an, bei denen sogar die halben Kabinette beider Länder zusammenkommen werden. Das häufige Aufeinandertreffen hat einen Grund: Die chinesische Führung schmückt sich gern mit der deutschen Kanzlerin. Weiter…

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Hongkong stellt Freiheit vor Profit

Von 30. Juni 2014 um 16:11 Uhr

Noch vor einigen Jahren wäre so etwas in Hongkong kaum vorstellbar gewesen: Vier große Unternehmen – PricewaterhouseCoopers, KPMG, Deloitte und Ernst & Young – warnen in einer Zeitungsanzeige vor Occupy Central. Die geplanten Proteste im Hongkonger Regierungs- und Bankenviertel gegen die chinesische Führung könnten “Instabilität und Chaos” bringen und den Status Hongkongs als internationales Finanzzentrum gefährden.

Und was passiert? Nichts. Früher hätten solche Warnungen aus der Wirtschaft dafür gesorgt, dass der Protest in der ehemaligen britischen Kronkolonie sofort endet oder beendet wird. Zu wichtig war den meisten Hongkongern, dass die Börsenkurse nicht abstürzen und die Banken gute Geschäfte machen. Die Mehrheit der Bevölkerung galt als politisch wenig interessiert, Hauptsache die Wirtschaft läuft.

Das hat sich geändert. Weiter…

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Warum China Griechenland retten will

Von 24. Juni 2014 um 10:19 Uhr

China will in Griechenland etwas schaffen, was den Europäern auch im fünften Jahr der Wirtschaftskrise nicht gelungen ist: Wachstum. Der Zeitpunkt ist günstig gewählt: Europäische Investoren halten sich in Griechenland auch weiterhin zurück, zu düster ist ihnen die derzeitige wirtschaftliche Lage, zu unsicher die Zukunftsaussichten. Aus Sicht der Chinesen bietet Griechenland ihnen jedoch derzeit einen günstigen Einstieg in den gesamten europäischen Binnenmarkt.

Vor wenigen Tagen reiste der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang deshalb in den südosteuropäischen Krisenstaat und sorgte dafür, dass gleich eine ganze Reihe von umfangreichen Investitionsprojekten abgeschlossen wurden. In Medienberichten ist die Rede von Verträgen in den Sektoren Energie, Schifffahrt, Landwirtschaft und Tourismus im Wert von mehr als 4,7 Milliarden Euro.

Unter anderem wollen die Chinesen den Athener Flughafen Eleftherios Venizelos zu einem Drehkreuz für Passagiermaschinen der Volksrepublik ausbauen – und damit dem geplanten Istanbuler Großflughafen Konkurrenz machen. Die türkische Regierung will den größten Flughafen der Welt bauen – für bis zu 150 Millionen Passagiere pro Jahr. Istanbul soll zu einer Drehscheibe zwischen Asien, Europa und Afrika werden und damit Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten den Rang ablaufen.

In diesem Wettlauf spielt Athen, das geografisch ähnlich günstig liegt wie Istanbul, bislang keine wichtige Rolle. Chinas finanzieller Einstieg könnte das ändern. Die Chinesen wollen auf diese Weise Zugriff zum innereuropäischen Flugmarkt erhalten, der chinesischen Fluggesellschaften bislang weitgehend vorenthalten wird. Im Gespräch ist auch die Gründung einer griechischen Fluggesellschaft unter Mehrheitsbeteiligung der Chinesen.

In der Schifffahrt ist China schon einen Schritt weiter. Rund 70 Prozent des Frachthafens von Piräus gehört seit 2008 dem chinesischen Transportriesen Cosco. Nun will das Staatsunternehmen auch den Rest übernehmen. Pekings Plan: Piräus soll zum größten Umschlagplatz für chinesische Containerschiffe im Mittelmeerraum werden. Und auch mit Chinas Hochgeschwindigkeitszug, der ein neuer Exportschlager werden soll, wollen die Investoren aus Fernost in Griechenland punkten.

Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass Peking den südeuropäischen Krisenstaaten Hilfe verspricht. Unmittelbar nach Ausbruch der europäischen Schuldenkrise 2009 und 2010 hatte Peking schon einmal zugesagt, auch Portugal finanziell unter die Arme zu greifen und verstärkt Staatsanleihen der Krisenstaaten zu kaufen. Wie viel Peking offiziell investiert hat, ist nicht bekannt. Die chinesische Zentralbank hält die Daten unter Verschluss. Experten gehen jedoch davon aus, dass es bei Weitem nicht so viel war wie von den Europäern erhofft.

Probleme könnte den chinesischen Investoren in Griechenland zudem ein unklares Arbeitsrecht mit aufmüpfigen Gewerkschaften bereiten, mangelnde Rechtssicherheit und Korruption. Zumindest mit den letzten beiden Punkten sind die Chinesen aus dem eigenen Land aber bestens vertraut.

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Miserables Internet verärgert deutsche Firmen in China

Von 20. Juni 2014 um 08:23 Uhr

Langsameres Wachstum, sinkende Umsätze, rasant steigende Arbeitskosten: Noch vor drei Wochen haben sich europäische Unternehmen in China über die düsteren Aussichten dort beklagt. “Die goldenen Zeiten in China sind vorbei”, sagte damals der Präsident der Europäischen Handelskammer, Jörg Wuttke, bei der Präsentation der jährlichen Stimmungsumfrage. Bei einer ähnlichen Erhebung nur unter deutschen Unternehmen kam jetzt ein ganz anderes Ergebnis heraus. Weiter…

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Chinas Millionäre trimmen heimischen Fußball auf Weltniveau

Von 14. Juni 2014 um 13:30 Uhr

Bislang ist China nicht gerade als Fußballnation bekannt. Das hängt damit zusammen, dass das bevölkerungsreichste Land der Welt es erst ein Mal geschafft hat, sich für eine Weltmeisterschaft zu qualifizieren. 2002 war das in Japan und Südkorea mithilfe des serbischen Trainers Bora Milutinovic. Bereits in der Vorrunde flog das chinesische Team nach drei Niederlagen jedoch raus. Im weltweiten Fifa-Ranking belegt Chinas Nationalmannschaft derzeit nur noch Platz 103. Nun haben aber chinesische Unternehmer das Feld für sich entdeckt. Und zwar als Investmentmöglichkeit. Weiter…

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