Felix Lee über Roten Kapitalismus und chinesische Online-Phänomene

Autoren Archiv von Felix Lee

Der große Wassertransfer

Von 15. Dezember 2014 um 16:48 Uhr

Der Gedanke mag vielleicht erst einmal bestechend klingen: Der gesamte Norden Chinas leidet die meiste Zeit im Jahr unter extremer Trockenheit. Weite Teile Südchinas hingegen werden jedes Jahr durch Regen mehrfach überschwemmt. Daher hatte schon Staatsgründer Mao Zedong Anfang der 1950er Jahre die Idee, einen gigantischen Kanal zu bauen, der das viele Wasser vom Süden in den Norden leitet. Mehr als ein halbes Jahrhundert später wird es nun konkret. Weiter…

Kategorien: Umwelt

Das Ende von Occupy Hongkong

Von 12. Dezember 2014 um 08:36 Uhr

Mit Occupy ist es in Hongkong vorbei – zumindest vorerst. Nach 75 Tagen hat die Polizei am Donnerstag das Hauptlager der Demokratie-Aktivisten vor dem Sitz der Hongkonger Regierung geräumt. Einige Hundert Aktivisten leisteten in den letzten Stunden mit friedlichen Sitzblockaden noch symbolischen Widerstand. Gegen 22 Uhr war aber auch der letzte Demonstrant weggetragen und festgenommen. Seit dem frühen Morgen rollt auf den Straßen im Regierungsviertel wieder der Verkehr.

Alex Chow von der Hongkonger Studentenvereinigung bestritt zwar, dass die Proteste gescheitert seien und kündigte eine zweite große Blockadewelle für das nächste Halbjahr an. Aber auch er musste eingestehen, dass die Bewegung nach mehr als zwei Monaten ununterbrochener Blockaden keinen Sieg erringen konnte. Die Hongkonger Führung bleibt stur und stellt sich hinter die Pläne der Zentralregierung, bei den ersten direkten Wahlen ab 2017 nur Kandidaten zuzulassen, die von der KP-Führung in Peking vorher abgesegnet wurden. Die Demokratie-Aktivisten haben sich mit keiner ihrer Forderungen durchsetzen können. Mehr denn je stellt sich die Frage: Was ist auf Protestseite schief gelaufen? Weiter…

Kategorien: Allgemein

Die Gegner sind weg, die Korruption bleibt

Von 9. Dezember 2014 um 11:01 Uhr

Was für eine Sensation: Seit dem Ende der Kulturrevolution vor fast 40 Jahren hat die Führung von Chinas Kommunistischer Partei keinen so ranghohen ehemaligen Spitzenkader festnehmen lassen wie am vergangenen Wochenende: Zhou Yongkang war nicht nur oberster Sicherheitschef und hatte in seiner Amtszeit einen gigantischen Polizei- und Geheimdienstapparat aufgebaut. Der 72-Jährige gehörte bis 2012 auch dem damals Ständigen Ausschuss des Politbüros an, er war also einer der neun Führer der Volksrepublik. Doch was genau steckt hinter der Festnahme? Weiter…

Kategorien: Allgemein

China im Börsenrausch

Von 4. Dezember 2014 um 07:12 Uhr

Mit chinesischen Aktien hatten internationale Anleger in den vergangenen Jahren keine große Freude. Die Bilanzen waren oft intransparent und damit wenig verlässlich, die Börsenaufsicht galt als korrupt. Und immer wieder mischte aus heiterem Himmel die chinesische Führung mit und sorgte mit plötzlichen Verordnungen, die zum Teil rückwirkend in Kraft traten, für abrupte Kursentwicklungen. Die extremen Aufs und Abs ließen die beiden Börsen in Shanghai und Shenzhen mehr nach einem Casino aussehen als nach einem seriösen Handelsplatz.

Doch das scheint sich nun geändert zu haben. Der Shanghai Composite Index, der nach seinem tiefen Sturz im Jahr 2008 von 5.500 auf rund 1.820 Punkte jahrelang vor sich hin gedümpelt hatte, erlebt derzeit ein Comeback. Seit Mitte des Jahres hat er um mehr als 40 Prozent auf rund 2.800 Punkte zugelegt.

Der Wert der gekauften und verkauften Aktien lag am vergangenen Freitag bei 700 Milliarden Yuan (rund 100 Milliarden Euro). Das war einer der höchsten Tagesumsätze in der Börsengeschichte. Am Mittwoch wechselten Aktien im Wert von einer halben Billion Yuan die Besitzer. Bei den Händlern handelt es sich aber nicht mehr nur um private Zocker aus dem Inland, sondern um Profianleger aus aller Welt. Weiter…

Kategorien: Roter Kapitalismus

China, Vorbild im Klimaschutz?

Von 28. November 2014 um 17:01 Uhr

Es war schon später Abend: eine Zeit, zu der sich die meisten Pekinger nicht mehr im Freien aufhalten. Dennoch dürfte der Blick aufs Smartphone viele entsetzt haben. Eine App, die inzwischen so gut wie jeder installiert hat und die darüber informiert, wie schmutzig die Luft in der chinesischen Hauptstadt ist, zeigte in der Nacht zum Donnerstag über 500 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter an. Es ist fast das 20-Fache dessen, was die Weltgesundheitsorganisation noch für unbedenklich hält. “Beyond Index”, meldete die US-Botschaft – die Luftbelastung war so hoch, dass selbst die Messgeräte nicht mehr mitkamen.

Angesichts dieser extremen Smog-Werte ist es kaum vorstellbar, dass China beim Klimaschutz zumindest in einigen Bereichen schon bald eine Vorreiterrolle spielen könnte. Weiter…

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Zurück nach China

Von 26. November 2014 um 08:06 Uhr

Die ganze Welt nutzt Google. Die ganze Welt? Nein, China ist eins der wenigen Länder, in denen der US-Konzern mit seiner Suchmaschine und anderen Diensten offiziell nicht vertreten ist. Wer google.cn eingibt, wird automatisch auf Google Hongkong umgeleitet. Und auch die ausländischen Google-Dienste in China sind oft sehr langsam oder tagelang gar nicht erreichbar. 2010 hatte sich der Konzern wegen ständiger Cyber-Attacken und Ärger mit der Zensur vom chinesischen Festland zurückgezogen. Nun aber plant Google ein Comeback – mit seinem App-Marktplatz Google Play. Weiter…

Kategorien: Allgemein

China modernisiert ganz Asien

Von 22. November 2014 um 08:00 Uhr

China hat sich in den vergangenen zwei Wochen nicht lumpen lassen. Rund 50 Milliarden Dollar stellt die chinesische Führung für die Gründung der von ihr initiierten Asiatischen Infrastruktur-Investment-Bank (AIIB) zur Verfügung. Die neue Entwicklungsbank soll den Bau von Häfen, Schienen und Stromleitungen in ganz Asien finanzieren und tritt damit in Konkurrenz zur existierenden Asien-Entwicklungsbank (ADB), die bisher maßgeblich von Japan und den USA finanziert wird. Weitere 40 Milliarden Dollar vergibt sie für den Bau einer sogenannten neuen Seidenstraße, die die historische Handelsroute zwischen der Volksrepublik über Zentralasien bis nach Europa wiederbeleben soll.

Und auch in Afrika investiert China kräftig. Der staatliche Eisenbahnkonzern CRCC (China Railway Construction Corporation) hat am Donnerstag den Zuschlag für den Bau einer 1.400 Kilometer langen Schienenstrecke in Nigeria erhalten. Die Anschubfinanzierung des Auftrages im Gesamtwert von insgesamt knapp zwölf Milliarden Dollar wird von China getragen. Es handelt sich um den bislang größten, jemals von einem chinesischen Unternehmen im Ausland abgeschlossenen Auftrag.

Vor allem die USA und Japan sehen darin ein  Zeichen, dass China versucht, seinen weltweiten politischen Einfluss auszubauen. Daran ist sicherlich etwas dran. Für die chinesische Führung haben diese großzügigen Investitionen in erster Linie aber einen ganz anderen Grund: Sie weiß nicht wohin mit ihrem vielen Geld. Weiter…

Kategorien: Roter Kapitalismus

Chinas Kampf gegen die Mücke

Von 18. November 2014 um 08:50 Uhr

Derzeit ist viel von Ebola die Rede – auch in China. So warnen chinesische Behörden in den Staatsmedien vor Reisen nach West- und Zentralafrika. Und obwohl die staatliche Gesundheitsbehörde bislang nicht einen einzigen Ebola-Fall im Land verzeichnet hat, wird in Peking in Aufzügen und U-Bahn-Stationen großflächig mit Plakaten über die Symptome dieser Seuche informiert. Über eine andere, ebenfalls lebensgefährliche Krankheit wird dagegen viel weniger berichtet. Das Denguefieber, das sich längst über den gesamten Süden Chinas ausgebreitet hat. Weiter…

Kategorien: Umwelt

China und die USA bleiben die größten Klimakiller

Von 12. November 2014 um 17:35 Uhr

Die internationalen Klimaverhandlungen kommen seit Jahren kaum voran. Zwar haben sich die EU-Staaten vor Kurzem dazu durchgerungen, ihre Emissionen von Treibhausgas bis 2030 um mindestens 40 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Sie hätten zwar mehr tun können, aber im Vergleich zu anderen Ländern ist das Ziel der EU sehr ambitioniert. Solange aber die beiden größten Klimasünder China und die USA mauern, bleibt das Ziel eine Illusion, die globale Erwärmung bis 2100 auf zwei Grad zu begrenzen.

Mit den nun am Mittwoch zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping am Rande des Apec-Gipfels in Peking überraschend formulierten neuen Zielen könnten China und die USA den internationalen Klimaverhandlungen zu neuem Schwung verhelfen. Das ist ein Grund zur Freude, aber viel mehr ist es leider nicht. Weiter…

Kategorien: Umwelt

China und Japan brauchen sich

Von 10. November 2014 um 12:37 Uhr

Es ist ein politischer Meilenstein: Am Rande des Apec-Gipfels in Peking hat Chinas Staatspräsident Xi Jinping den japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe empfangen. Seit 2012 handelt es sich um das erste formelle Treffen zwischen Repräsentanten der beiden Länder auf höchster Ebene. Der Handschlag der beiden Mächtigen soll ein Zeichen der Annäherung in dem seit Jahren tobenden Inselstreit im Ostchinesischen Meer sein.

Zuvor hatte der japanische Außenminister am Wochenende bei einem Treffen mit seinem chinesischen Amtskollegen den Streit um die Inseln offiziell als einen Konflikt anerkannt. Auch das ist eine Zäsur, denn aus Tokios Sicht waren die Senkaku-Inseln, die von den Chinesen als Diaoyu bezeichnet werden, bislang fester Bestandteil des japanischen Territoriums und damit nicht verhandelbar. Peking wiederum beansprucht die unbewohnten Inseln für sich. Die chinesische Führung hatte Japans Anerkennung des Inselstreits zur Vorbedingung für Regierungsgespräche gemacht.

Auf den ersten Blick kommt diese Annäherung überraschend. Doch tatsächlich brauchen sich die beiden Länder. Weiter…

Kategorien: Allgemein