Velophil

Das Fahrrad-Blog

Niedrigere Promillegrenze ist überfällig

Von 30. Januar 2015 um 13:10 Uhr

Die Debatte ist ebenso alt wie beliebt: Die Promillegrenze für Radfahrer. Immer wieder ist sie auch Thema beim Deutschen Verkehrsgerichtstag. So auch in dieser Woche. Verschiedene Verkehrsclubs, die Deutsche Verkehrswacht und der Verkehrssicherheitsrat haben sich dafür ausgesprochen, die Marke, ab der alkoholisierten Radfahrern ein Bußgeld droht, von 1,6 auf 1,1 Promille zu senken. Das Expertengremium in Goslar hat sich diesem Vorschlag angeschlossen. Bisher müssen Radfahrer bis 1,6 Promille keine Sanktionen befürchten, solange sie im Verkehr keine alkoholbedingten Fahrfehler begehen.

Die jetzt ausgesprochene Empfehlung an die Politik ist längst überfällig. Manchmal wundert man sich, welche Bestimmungen die Zeit überdauern. In den 1980er Jahren legte der Bundesgerichtshof den bis heute geltenden Promillegrenzwert für Radfahrer fest. Auto- und Motorradfahrer gelten dagegen ab einer Blutalkoholkonzentration von 1,1 Promille als absolut fahruntauglich – ab einem Promillewert von 0,5 droht ihnen ein Bußgeld. Fällt der Fahrer durch gefährliche Fahrweise auf, kann der Führerschein in Extremfällen bereits ab 0,3 Promille weg sein.

Überspitzt heißt das im Grunde: Deutschlands Radfahrer sind selbst in betrunkenem Zustand vollkommen fahrtüchtig und bewegen sich sicher und geschmeidig durch den Verkehr. Oder: Wer trinkt, soll das Auto stehen lassen und lieber aufs Rad steigen. Fahrrad fahren bei Alkoholkonsum ist in Deutschland gesellschaftsfähig. Den Spruch “Ich kann heute etwas trinken, ich bin mit dem Fahrrad hier” kennt jeder.

Dabei ist die Zahl der alkoholisierten Fahrradfahrer, die an Unfällen mit Personenschaden beteiligt waren, seit einigen Jahren relativ konstant. Laut einer Studie, die der Auto Club Europa (ACE) zum Verkehrsgerichtstag verbreitet hat, liegt sie bei knapp 3.500. Jeder vierte betrunkene Fahrradfahrer wies 2013 einen Alkoholwert von mehr als zwei Promille auf.

Jüngere Studien haben gezeigt, dass einige Radfahrer auch jenseits der 1,6 Promille noch fahrtüchtig sind. Die Ergebnisse finde ich eher amüsant als aussagekräftig. Statt die Fahrleistung Betrunkener zu testen, ist doch eher die Frage relevant, worauf sich die Gesellschaft verständigt. Möchten und sollen sich die Verkehrsteilnehmer Straße und Radweg gegebenenfalls mit betrunkenen, aber laut Bundesgerichtshof fahrtüchtigen Radfahrern teilen? Ich möchte das nicht – und zwar weder als Auto- oder Radfahrer noch als Fußgänger.

Andere Länder sind strenger: Eine Reihe von Staaten – darunter Italien, Frankreich, Spanien, die Niederlande, Belgien und die Schweiz – haben 0,5 Promille als Grenzwert für Radfahrer festgeschrieben; Tschechien und die Slowakei sind noch strikter. Dort gilt laut Auto Club Europa ein absolutes Alkoholverbot. Damit ist selbst die neue Grenze mit 1,1 Promille Alkohol im Blut, die der Deutsche Verkehrsgerichtstag verlangt, sehr moderat.

Kategorien: Forschung, Infrastruktur, Recht

Rekordversuch: 365 Tage länger, schneller, weiter

Von 28. Januar 2015 um 17:36 Uhr
Steven Abraham beim Start am 1. Januar 2015 © Phil Whithurst

Steven Abraham beim Start am 1. Januar 2015 © Phil Whitehurst

Das Jahr ist gerade mal 27 Tage alt, da zeigt der Tacho von Steven Abraham bereits 5.035 gefahrene Meilen (8.103 Kilometer) an. Dem Engländer dicht auf den Fersen sind zwei Amerikaner: Kurt Searvogel mit 3.665 Meilen (5.898 Kilometer) und mit Abstand William Ironox Pruett, der 903 Meilen (1.453 Kilometer) auf dem Tacho hat. Searvogel ist ein paar Tage später gestartet als Abraham. Für die drei Männer ist jeden Tag in diesem Jahr ein Rennen: Sie wollen einen alten Langstreckenrekord brechen. Dafür müssen sie in einem Jahr mehr als 120.805 Kilometer Radfahren. Oder mit anderen Worten: drei Mal am Äquator um die Welt. Weiter…

Kategorien: Fahrstil, Rennen

Kalte Füße beim Radfahren in Südspanien

Von 26. Januar 2015 um 12:44 Uhr
Einfach und effizient: Die Kohlen sind mit Alufolie bedeckt. © Reidl

Einfach und effizient: Die Kohlen sind mit Alufolie bedeckt. © Reidl

Mit kalten Füßen hatte ich vergangene Woche in Andalusien nicht gerechnet. Darum hatte ich auch meine Zehenwärmer zuhause gelassen. Doch ein Schlechtwettereinbruch verpasste den Gipfeln der Berge einen Zuckerhut, und die Temperaturen in der Region fielen von 18 auf unter 10 Grad. Bergab wurde es bei starkem Gegenwind teilweise recht frostig.

Nach einer langen Abfahrt war uns deshalb die provisorische Fußheizung bei unserer Rast in dem kleinen Ort Carratraca sehr willkommen. Die Restaurantbetreiberin stellte vier Eimer mit glühenden Kohlen unter unseren Tisch; die Tische hatte sie mit Wolldecken bedeckt, die wir über unseren Knien ausbreiteten. So waren Beine und Füße angenehm warm.

In Südspanien ist das im Winter an kalten Tagen anscheinend gängige Praxis. Viele Häuser dort haben ja auch keine Heizung. In Deutschland sind glühende Kohlen unterm Tisch dagegen undenkbar.

Wir fanden es in dem Moment großartig und vor allem: effektiv.

© Reidl

© Reidl

Kategorien: Allgemein