Velophil

Das Fahrrad-Blog

Abstimmen: Wie fahrradfreundlich ist Ihre Stadt?

Von 22. September 2014 um 18:24 Uhr

Für die Zukunft sehen Experten das Fahrrad als wichtiges Verkehrsmittel im Städten, sein Anteil unter den verschiedenen Verkehrsträgern werde noch erheblich zunehmen. Zwar bauen viele deutsche Städte derzeit ihr Radwegenetz aus, aber wenn das Fahrrad eine gleichberechtigte Rolle übernehmen soll, haben die Städte in den kommenden Jahren noch viel zu tun – oder wie sehen Sie das?

Ab heute Mittwoch können Sie Ihre Meinung äußern. Der ADFC startet wieder seinen bundesweiten Fahrradklima-Test. Die letzte Befragung liegt erst zwei Jahre zurück. Bei den Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern landeten Münster, Freiburg im Breisgau und Karlsruhe ganz vorn; bei den Städten zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern standen Erlangen, Oldenburg in Oldenburg und Hamm auf den Plätzen eins bis drei (im Velophil-Blog haben wir hier Anfang 2013 ausführlich über die Ergebnisse berichtet).

Im Herbst 2012 haben rund 80.000 Frauen und Männer die Wege, das Klima und die Sicherheit in ihrer Stadt benotet. Seitdem ist die Zahl der Radfahrer noch mal sehr gestiegen – so erscheint es mir jedenfalls.

Es lohnt sich mitzumachen. Erstens hat man selten genug die Gelegenheit, das Radwegenetz vor der Haustür zu bewerten, und zweitens hat der Fahrradklima-Test durchaus Gewicht. Immer wieder zitieren Politiker und Dezernenten die Zahlen. Mit seinem Urteil kann also jeder Radfahrer Impulse für die Verbesserung des Verkehrsklimas und der Infrastruktur geben.

Mitmachen kann laut ADFC jeder, der zumindest ab und zu mit dem Fahrrad fährt. Den Fragebogen kann man ab Mittwoch (24.9.) hier bis Ende November online ausfüllen oder ausdrucken. Pro Stadt müssen mindestens 50 Fragebögen vorliegen, um in das Städteranking aufgenommen zu werden. Buxtehude, die Stadt in der wohne, war beim letzten Mal nicht dabei. Ich bin sehr gespannt, ob es sie es diesmal schafft.

Die Ergebnisse werden im Frühjahr 2015 in Berlin und weiteren Städten der Öffentlichkeit vorgestellt.

Elterntaxis gefährden andere Schüler

Von 19. September 2014 um 07:05 Uhr

Das Phänomen existiert bundesweit: Die Hamburger sprechen von Elterntaxi, in Hessen ist von Helikopter-Eltern die Rede. Gemeint ist jeweils das gleiche: Väter und Mütter, die ihren Nachwuchs mit dem Auto fast bis vor die Schultür kutschieren. Das Resultat ist Stau vor der Schule kurz vor Schulbeginn. Gehalten oder geparkt wird in zweiter Reihe, auf dem Gehweg, dem Zebrastreifen oder dem Behindertenparkplatz.

Die Helikopter-Eltern meinen es gut oder trauen ihren Kindern den Weg einfach nicht zu. Doch gerade diese besonders besorgten Eltern gefährden diejenigen Schulkinder, die zu Fuß gehen oder mit dem Rad kommen. Viele Städte versuchen gegenzusteuern. In Frankfurt etwa beginnt die “Erziehung der einzuschulenden Eltern”, wie Rainer Michaelis es nennt, bereits in der Kita. Michaelis ist Leiter der Abteilung Straßenverkehrssicherheit beim Straßenverkehrsamt.

Schon im Kindergarten trainieren die zukünftigen Erstklässler ihren Schulweg; dafür kommen Verkehrserzieher regelmäßig in den Kindergarten und laufen mit ihnen den zukünftigen Schulweg ab. Zuvor beim Elternabend informieren sie die Eltern über ihre Arbeit. Seit diesem Jahr zeigen sie ihnen auch den kurzen Spot über die Elterntaxis, den das Frankfurter Verkehrsdezernat und das Straßenverkehrsamt in Auftrag gegeben haben.

Das Video stellt die Situation natürlich völlig überspitzt dar, aber gerade deshalb ist es eine ganz gute Diskussionsgrundlage. Denn Gesprächsbedarf ist da, Vorurteile sind es auch.

Der Klassiker aus Elternsicht ist: Der Schulweg ist gefährlich. Ihr Auto sehen sie offenkundig als sicheren Hort. Doch in Frankfurt zeigt die Unfallstatistik für 2013, dass der Anteil der Schulwegunfälle im Vergleich zu den Gesamtzahlen gering ist. 14 von 208 Unfällen mit Kindern sind auf dem Schulweg passiert; fünf der Kinder waren Fußgänger und neun Radfahrer. Die Experten schließen daraus, dass Kinder auf dem Schulweg sicherer sind als bei anderen Gelegenheiten, wenn sie am Verkehr teilnehmen.

Aus Sicht der Pädagogen ist es wichtig, dass Kinder den Schulweg alleine meistern. Für viele Jungen und Mädchen ist es der erste selbstständig zurückgelegte Weg. Sie schließen Freundschaften zu anderen Kindern, bekommen ein Raum-Zeit-Gefühl und kommen auch mal zu spät, wenn sie zu sehr trödeln. Außerdem bewegen sie sich – zu Fuß oder mit dem Rad.

Was Eltern oft vergessen: die Erfahrung, die sie ihrem Kind vorenthalten, wenn sie sie zur Schule fahren. Zum einen lernt es jeden Tag, Gefahren einzuschätzen. Gerade bei Grundschülern kann man immer wieder beobachten, wie gewissenhaft sie x-mal in jede Richtung schauen, bevor sie die Straße überqueren. Sie wollen alles richtig machen und lassen lieber das Auto am Zebrastreifen vor, ehe sie sich auf die Fahrbahn wagen.

“Elternhaltestelle” in Herne

Die Kritik am Elterntaxi zielt gar nicht darauf, das Auto zu verteufeln. Michaelis sieht durchaus Situationen, in denen es angemessen ist, dass Kinder mal – oder auch jeden Tag – von den Eltern per Pkw zur Schule gebracht werden. Aber dann sollten die Eltern ein paar hundert Meter entfernt vor der Schule parken, um ihr Kind aussteigen zu lassen, rät Michaelis.

Alltag in Deutschland ist das noch nicht. Zum neuen Schuljahr haben in vielen Städten Polizisten Eltern, die verkehrswidrig parkten, vor den Schulen angesprochen. Eine dauerhafte Lösung gegen Elterntaxis gibt es nicht. “Man muss jedes Jahr neu anfangen”, sagt Michaelis. Nur mit der entsprechenden Aufklärung könne man versuchen, die Eltern zum Umdenken zu bringen.

In Herne im Ruhrgebiet hat eine Schule eine andere Lösung gefunden. Wie die WAZ berichtete, hat die dortige Schillerschule mit Eltern, Polizei, Stadt und einem Discounter im Frühjahr eine “Elternhaltestelle” initiiert, etwa 400 Meter von der Grundschule entfernt. Schüler, die mit dem Auto gebracht werden, laufen von dem Elternparkplatz zur Schule, Eltern sichern als Lotsen täglich den Weg.

Die Idee ist gut, wenn auch nicht ganz neu. Bei unseren niederländischen Nachbarn läuft es ähnlich. Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto bringen, haben vor dem Schuleingang keine Haltemöglichkeiten. Parken können sie nur im Umkreis von etwa 300 Metern. Aber dort radeln die meisten Kinder sowieso alleine zur Schule.

Kategorien: Allgemein, Stadt

Pedelecs testen

Von 17. September 2014 um 10:41 Uhr

“Ich brauche kein Pedelec”, höre ich immer wieder von Freunden und Bekannten. Ich brauche es auch nicht. Dennoch wird sich meine Familie in ein paar Jahren sicherlich ein Pedelec anschaffen. Ein Aspekt ist ganz klar der Spaßfaktor. Allerdings geht es mir eher um den Alltagsnutzen – ich ersetze damit Autofahrten. Insbesondere dann, wenn mit einem herkömmlichen Rad das Vergnügen schwindet.

Da die Entwicklung der Antriebe noch immer rasante Fortschritte macht, lohnen sich Testfahrten verschiedener Modelle im direkten Vergleich. Und wer noch nie Pedelec gefahren ist, sollte es einfach mal ausprobieren. Ich kenne keinen Skeptiker, der unzufrieden von seiner ersten Fahrt zurückgekehrt ist.

Bis kommenden Samstag können in Hamburg im Museum der Arbeit Pedelecs und schnelle Pedelecs für zwei Stunden gegen vier Euro ausgeliehen werden. Helme sind vorhanden. Am Samstag gibt es außerdem einen kostenlosen Testparcours auf dem Platz vor dem Museum mit einer größeren Auswahl an Rädern von unterschiedlichen Anbietern. (S-Pedelecs gelten allerdings als Kleinkrafträder und benötigen eine entsprechende Fahrerlaubnis!)

Wer Elektrofährräder intensiv testen will, die im kommenden Jahr auf den Markt kommen, kann sich jetzt bei der Extra-Energy Test GmbH bewerben. Das ist die Tochterfirma des Vereins ExtraEnergy, der seit Jahren fürs Elektrofahrrad wirbt. Die Test GmbH sucht Menschen, die vom 20. bis zum 30. Oktober die neuen Modelle in Tanna (Thüringen) Probe fahren, gegen Kost und Logis. Die beiden Fahrstrecken sind festgelegt: eine Alltags- und eine Tourenstrecke.

Die Alltagsstrecke besteht aus einer Beschleunigungsstrecke, einer ein Kilometer langen Bergfahrt mit einer gemäßigten Steigung von durchschnittlich fünf Prozent, einer Stadtfahrt mit festen Haltepunkten, die Stop-und-Go simulieren, und einer Bergfahrt mit durchschnittlich zwölf Prozent Steigung. Bestandteil der Alltagsstrecke ist das Fahren ohne Motor auf dem letzten Streckenabschnitt. Die Tourenstrecke führt durch Wald und über Schotter und ist für die Fahrer die entspannteste Strecke. Jeder Teilnehmer fährt individuell im eigenen Tempo.

Frauen und Männer sollten zwischen 1,65 Meter und etwa 1,90 Meter groß sein und allwettertaugliche Kleidung mitbringen. Die Testergebnisse werden im Frühjahr in den Magazinen des Vereins veröffentlicht. Bewerben kann man sich hier.

Kategorien: Allgemein, E-Bike, Räder, Termine