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Hingucker für New York

 
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Vergangene Woche ist im Kino ein Fahrradfilm angelaufen: Premium Rush, ein rasanter, spannender Thriller mit einem New Yorker Fahrradkurier in der Hauptrolle. Filme, in denen Velos oder Radfahrer eine tragende Rolle spielen, sind äußerst rar, und die Zeiten, in denen auf einem Fahrrad in New York City fast ausschließlich Kuriere saßen, haben sich auch noch nicht lange geändert.

Aber mittlerweile wird geradelt in New York. 500.000 Radfahrer sind hier regelmäßig unterwegs – weil die Stadt in den vergangenen zehn Jahren viel für Fahrradfahrer getan hat. Eine Schlüsselfigur ist Bürgermeister Michael Bloomberg. Er hat eine Vision: Er will New York zu einer fahrradfreundlichen Metropole machen. Sein Vorbild ist Kopenhagen. Seit seinem Amtsantritt wurden etwa 1.000 Kilometer Fahrradwege angelegt und viele verkehrsberuhigte Zonen geschaffen. Von dieser Zielstrebigkeit können sich manche deutsche Städte etwas abschauen.

Aber Bloombergs Verkehrspolitik stößt auch auf Kritik. Ein Streitpunkt ist die Zahl der Radunfälle in der Metropole. Mit der Zahl der Velofahrer stieg auch die Anzahl der verunglückten Radler. Allein im vergangenen Jahr sind in New York 21 Radfahrer bei Zusammenstößen mit Autos gestorben. Das sei in vielen Städten anfangs so, wenn sie ihren Radverkehr steigern, sagte einmal Mikael Colville-Andersen. Der Däne berät Kommunen und Länder weltweit in Sachen Fahrradförderung.

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Um die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern zu erhöhen, hat die New Yorker Verkehrsbehörde vor Kurzem eine Kampagne gestartet. Ihr Ziel ist, dass alle Verkehrsteilnehmer ihre Mitmenschen im Straßenverkehr aufmerksamer beobachten. Für die Entwicklung der Werbestrategie hat die Behörde den weltbekannten Graphikdesigner Michael Bierut von Pentagram engagiert. Bieruts Stärke ist es, Botschaften in sehr pointierte und charmante Bilder zu verpacken, denen gleichzeitig eine gewisse Leichtigkeit innewohnt. Für eine Verkehrskampagne ist das ein ungewöhnlicher Ansatz, und genau aus diesem Grund wird sie wahrscheinlich auch Erfolg haben. Denn Beiruts Look-Kampagne erfüllt ihre Aufgabe: Sie erregt Aufmerksamkeit.

Überall in New York sieht man nun riesige Fotos von Augenpaaren. Die Augenpaare blicken nach rechts, nach links, manchmal klebt nur eins auf einem Bus, manchmal drei untereinander auf einem Poster – stets gepaart mit dem Wort Look, das gleichzeitig Logo der Kampagne ist. Dieser Schriftzug wurde außerdem in Großbuchstaben an Kreuzungen auf den Asphalt gepinselt. Die Aktion ist durchweg positiv, sie fände sicherlich auch in Deutschland viel Anklang.

Parallel dazu wirbt die Verkehrsbehörde mit kurzen TV-Spots bei Taxikunden. Sie will daran erinnern, vor dem Türöffnen nach hinten zu sehen. Dazu wurden mehr als 26.000 Abziehbilder an alle New Yorker Taxen verteilt. In Boston gibt es diese Aufkleber bereits etwa ein Jahr.

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Im kommenden März startet in New York der erste öffentliche Fahrradverleih Citi Bike. Dann wird sich die Zahl der Radfahrer von derzeit rund einer halben Million noch weiter steigern. Zunächst sollen 7.000 Räder an 420 Stationen in Manhattan, Brooklyn and Queens bereitgestellt werden. Langfristig soll es 10.000 Leihräder geben. Damit hätte Big Apple das größte Verleihsystem der USA.

Hinweis: Wir haben im Text einen Fehler korrigiert. Citi Bike wird nicht das weltgrößte Verleihsystem werden.

14 Kommentare


  1. Coole Sache, vielleicht könnte man auch hierzulande eine Initiative starten. Das Fahrrad ist ein einfaches und intelligentes Fortbewegungsmittel, das zudem Gesundheit fördert und die Umwelt schützt. Vielleicht sollten wir unseren Autobiedermeier mal überdenken.


  2. Vélib in Paris bietet mehr als 20.000 Fahrräder (http://www.velib.paris.fr/Comment-ca-marche/Les-velos). Die Entwicklungen in New York City sind sehr positiv. Dies macht sie leicht zum grössten Fahrradverleih in den USA – international jedoch ist noch einige Luft nach oben …

  3.   kodini

    Laut Wikipedia hat das System in Paris 20000 Räder an 1200 Stationen
    http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%A9lib%E2%80%99

  4.   Verkehrsexperte

    Mehr Radverkehr = weniger Autoverkehr = weniger Kosten = mehr Mobilität = mehr Aktivität = mehr Gesundheit = weniger Lärm = weniger Abgase = weniger schwere Unfälle = weniger Krankenkassenbeiträge = höheres Einkommen = mehr Dienstleitungen = weniger Stress = mehr Straßenraum für Bürger = mehr soziales Miteinander = mehr Lebensqualität!

  5.   Untoter

    mit 10 000 Rädern wird das New Yorker Leihradsystem nicht das größte sein, das ist das Velib System in Paris mit 750 Stationen und 20 000 Räder


  6. Wenig überraschend, dass wenige Radfahrer verunglücken wenn es fast keine gibt, und dass es mehr werden wenn mehr Rad gefahren wird.

    Dass die verunglückten Radfahrer durch Autos ums Leben kamen leider auch nicht.

  7.   Andrea Reidl

    Sie haben recht. Danke für den Hinweis!

  8.   porph

    Die “Schau nach links oder rechts” Aktion halte ich für sehr sinnvoll. Es ist immer wieder erstaunend, wie viele Fußgänger einfach nur nach Gehör durch die Welt spazieren. Bei den Elektroautos wird teilweise schon ein echtes “Theater” darum gemacht, obwohl dort ziemlich überflüssig: Die Abrollgeräusche und das Geräusch der verdrängten Luft ist schon heute bei den meisten klassisch motorisierten Autos lauter als der eigentliche Motor.

    Ein Radfahrer hingegen wird praktisch immer überhört. Prophylaktisch immer dann klingeln, wenn Fußgänger auch nur in die Nähe des Radwegs geraten ist zwar möglich, aber ziemlich lästig. Einfach mal zur Seite schauen bevor man eine Fahrbahn kreuzt würde definitv helfen. Leider hilft die Verkehrsplanung auch nicht besonders, solange Radwege ebenerdig zum Fußweg und bis auf eine andere Farbe / einen weißen Strich nicht deutlich baulich vom Fußweg abgegrenzt sind.

  9.   rabin

    Wer mit viel Radverkehr zu tun hat,ist vielleicht ganz so optimistisch.Radfahrer sind potentiell eine Gefahr, ein Hang zum Anarchischen kann nicht geleugnet werden, falsche Seite, kein Licht,bei Rot über die Ampel,Überholen,wenn eigentlich keine Spur frei ist,mangelnde Achtsamkeit.Die Liste könnte fortgesetzt werden. Natürlich, die Schäden scheinen nicht so gravierend,aber vielleicht sollte man einmal in einem Unfallkrankenhaus nachfragen.
    Wer mal Anschauungsunterricht braucht,fährt einfach in der Saison mit dem Rad um den Bodensee,so zwischen Lindau und Romanshorn.Stau auf Radwegen macht auch keine Freude. Vorsicht also mit Euphorie.Geschrieben von einem Radler, der täglich viel Rad fährt.

  10.   xl

    @rabin
    Wer mit viel Autoverkehr zu tun hat, ist vielleicht ganz so optimistisch. Autofahrer sind potentiell eine Gefahr, ein Hang zum Anarchischen kann nicht geleugnet werden, kein Blinker, Parken auf dem Rad-/Fußweg, Abbiegen ohne Schulterblick, lautes Hupen, Nichtbeachten der Vorfahrtsregeln, regelwiedriges AbbiegenÜberholen, wenn eigentlich kein Platz ist, mangelnde Achtsamkeit, Drängeln, Überholen in Kurven, Geschwindigkeitsübertretungen, Überschätzung der eigenen Fähigkeiten. Die Liste könnte fortgesetzt werden. Natürlich, die Schäden scheinen nicht so gravierend, aber vielleicht sollte man einmal in einem Unfallkrankenhaus nachfragen.
    Wer mal Anschauungsunterricht braucht, fährt einfach mit dem Auto zur Arbeit, so zwischen Mittlerem Ring und Sonnenstrasse. Stau auf der Strasse macht auch keine Freude. Vorsicht also mit Euphorie. Geschrieben von einem Autofahrer, der täglich viel Auto fährt.

    Na fällt Ihnen was auf?