Das Fahrrad-Blog

Autofrei auf dem Land

Von 19. November 2012 um 12:13 Uhr

Der Fuhrpark: Vier Räder und ein Anhänger © Reidl

Stadtbewohner brauchen kein Auto – Menschen, die auf dem Land wohnen, dagegen schon. Das ist in Städten wie Berlin heute schon Alltag, aber in 40 Jahren wird die Schere noch viel weiter auseinander klaffen. So sagen es jedenfalls Wissenschaftler voraus. Sie beschreiben die Stadt der Zukunft als Ort der kurzen Wege, an dem Menschen zu Fuß, per Rad und öffentlichem Verkehr flexibel unterwegs sind und nur gelegentlich Mietauto fahren – ZEIT ONLINE berichtete.

Ganz anders die Situation auf dem Land. Denn für die Mobilität der Zukunft sind hier die Distanzen zu groß und die Alternativen zum Auto unattraktiv. Wer nicht als Landei versauern will, braucht also ein Auto.

Aber stimmt das auch? Höchste Zeit für einen Test.

Wir wohnen in Buxtehude, einer Stadt mit 40.000 Einwohnern, 40 Kilometer vom Hamburger Hauptbahnhof entfernt. Die Anbindung zur Großstadt ist tagsüber dank S-Bahn und Metronom gut und abends ab 22.30 Uhr schlecht. Das innerstädtische Busangebot ist ein Witz. Dennoch bewegen wir unser Auto wenig. Jetzt lassen wir es vier Wochen komplett stehen. Unsere Erlebnisse werde ich ab sofort regelmäßig hier im Blog schildern.

Der November ist nicht die schönste Jahreszeit für so ein Projekt. Deshalb war vorab die Überlegung wichtig, was wir brauchen, damit der Alltag ohne Auto möglichst komfortabel ist. Eigentlich mehr noch: Die autofreie Zeit sollte allen Familienmitgliedern Spaß machen. Unser Vorteil: Die Basis ist vorhanden. Alle vier Personen in unserer Familie (zwei Erwachsene, eine Sechsjährige und ein Zehnjähriger) haben verkehrssichere Räder, auf denen sie gerne unterwegs sind und die sie sowieso täglich für den Arbeits- oder Schulweg nutzen.

Deshalb stelle ich mir die Umstellung nicht allzu schwierig vor. Allerdings war auch klar, dass wir mit unseren Fuhrpark allein diesen Versuch nicht ohne Komplikationen schaffen. Für einige Wege brauchen wir Verstärkung: einen Lastenesel und ein Rad, auf das man auch abends gerne steigt, wenn es regnet.

Die Verstärkung: Ein TRANSPORTER hybrid © Riese und Müller

Meine erste Wahl war der Transporter hybrid von Riese und Müller, ein Transportrad mit Elektro-Antrieb und einem verlängertem Gepäckträger, das sich wie ein herkömmliches Fahrrad fährt. Bislang gibt es ihn nur als Prototyp. Aber der Hersteller leiht ihn uns für unseren Test. Heute starten wir. Die Verstärkung ist noch nicht eingetroffen. Aber immerhin: Es ist trocken.

Kategorien: Abgefahren, E-Bike, Räder
Leser-Kommentare
  1. 41.

    Buxtehude besteht nicht nur aus Innenstadt. Und dorthin muss man in der Regel, wenn man etwas anderes als Lebensmittel kaufen will. Zu Buxtehude gehören auch etliche Dörfer. Wer dort wohnt, hat schon mal Pappe gezogen, wenn er kein Auto hat. Busse fahren zwar hin und wieder, aber nicht abends und so gut wir gar nicht am Wochenende, auch ins Industriegebiet kommt man nicht mit ÖVP. Der Süden der Stadt ist zum reinen Schlafort verkommen.
    Die Anbindung per S-Bahn/Metronom an Hamburg wurde nach Jahrzehnten nun endlich erreicht, schon als ich ein Kind war, wurde davon geredet.
    Was sich der Großstädter unter ‘Land’ vorstellt, findet man nur wenige Kilometer weiter, teilweise eben auch zu dieser Stadt gehörend.
    Natürlich kann man hier ohne Auto leben, wenn man denn bereit ist, jeden Weg mit dem Fahrrad zu erledigen, viel Zeit hat um dauernd durch die ganze Stadt zu fahren…das stelle ich mir grade vor, am Ende von Hedendorf wohnend, im Winter bei Schnee und Eis bis in die Innenstadt und dann noch mit zwei Kindern, oder in Ketzendorf leben und dann zur Stadtverwaltung müssen.
    Hier wird viel Fahrrad gefahren, Schulkindern bleibt oft nichts anderen übrig, weil Busse zu den diversen Schulen innerorts nicht fahren. Beispielsweise zur neuen IGS. Kein Stadtverkehr-Bus fährt dorthin, jedenfalls nicht aus unserer Gegend. Da bleibt nur das Fahrrad.
    Ich wünsche der Familie Durchhaltevermögen und eine unfallfreie Zeit.

  2. 42.

    Es besteht in diesem Forum anscheinend ein starker Geltungsdrang!
    ‘Ich schaffe es auch ohne und wohne xy km vom Supermarkt entfernt’, ‘Wir in Bayern…’, ’40.000 Einwohner Stadt- das geht doch locker…’, ‘Ich verzichte schon seit Jahren aufs Auto,da wird es auch nicht so wild sein.’

    Bewunderung dafür,dass Sie es ohne Auto schaffen und Mitleid für Ihre geistige Armut.

    Die Autorin versucht einen Zustand zu überkommen, den sie dem Rest der Republik vorhalten – die Abhängigkeit vom Auto.

    Sie tut dies nicht als Einzelperson, was vieles einfacher machen würde, sondern als Familie. Der Preis des e-Bikes ist natürlich etwas, dass sich wenige auf Anhieb leisten können,aber betrachtet man dessen Klima- und mittelfrisitige Kostenbilanz, ist es besser als ein Auto.

    Was soll also diese Häme?

    Eine gute Idee fiel einer Frau in der Stadt Buxtehude ein. Ich kenne die Stadt und wage zu sagen, dass man als Einzelperson dort ohne Auto auskäme.
    Aber um dieses Versuch ins Extreme zu treiben und viele der Nörgler ruhigzustellen, müsste sie mit ihrer Familie auf tiefste Land ziehen und das würde die Klimabilanz und die Kosten dieses Versuches natürlich massiv verhageln, würde Kritiker anziehen, die sich über den Umzug mokieren, würde Kritik von Landbewohnern anziehen, die sich darüber mokierten, dass ihr Fläckchen als ‘Zivilisationsloch’ dargestellt würde, würde die Autorin und ihren Mann vielleicht arbeitslos machen, ihre Kinder sozial isoliert und nachher die Familie zum Sozialfall, über den sich dann Leute wieder aufregen können. Sei es, weil trotz Hartz-IV ein teures e-Bike da ist oder weil sie ihre Geschichte als Buch verkauft….
    Ganz am Ende würde ein Ministerpräsident vor einem Bauernhof stehen und bessere Infrastruktur für ländliche Regionen fordern

    Also,lasst die Frau machen. Der Versuch ist ein Anfang, Buxtehude das naturgegebene Testfeld!

    Übrigens, jenes Hamburg, das einige nahe Buxtehude vermuten, ist weit entfernt von Ihren Vorstellungen Hamburgs!

    • 27. November 2012 um 13:29 Uhr
    • Sokrates
  3. 43.

    Auf dem Land? Buxtehude? Da müssen Sie etwas verwechselt haben.
    Probieren Sie doch mal den Verzicht aufs Auto in Borgentreich. Oder in Bayerisch-Eisenstein. Oder in Greetsiel.

  4. 44.

    @Sokrates:
    Sie haben offensichtlich das Anliegen einiger Kommentatoren missverstanden. Es geht nicht darum, dass man sich über den Versuch, in Buxtehude ohne Auto auszukommen, mokiert. Es geht auch nicht darum, dass das nicht heroisch genug ist.

    Es geht um die irreführende Behauptung, hier verzichte jemand “auf dem Land” auf das Auto. Das wäre nämlich in der Tat sehr schwer für eine normale deutsche Mittelstandfamilie.

    “Chapeau”, denkt man, wenn man die Überschrift liest. Und dann – ach so, eine mittelgroße Stadt vor den Toren einer Metropole, na da kann fast jeder aufs Auto verzichten, wenn er nur will.

  5. 45.

    das ist eine gute Idee ohne Auto,aber was bringt es für den Rest der Welt die jetzt schon nicht mal mehr laufen können,ich fahre ca 1200 Km im Monat,ich sehe was los ist,die Autos werden immer größer und alle fahren alleine.Wünsche euch viel Spaß.

    • 30. November 2012 um 00:50 Uhr
    • Lenchen
  6. 46.

    es gibt auch das Yuba Mundo – auch ein Lastenfahrrad nach dem gleichen Prinzip gebaut – ist ohne Antrieb – müsste man erfragen, ob man es umrüsten kann.

    • 3. Dezember 2012 um 17:03 Uhr
    • Stefan
  7. 47.

    • 3. Dezember 2012 um 17:20 Uhr
    • Stefan
  8. 48.

    Ich bevorzuge auch wo es geht das Rad und würde liebend gerne auf mein teures Auto verzichten. Doch ich lebe wirklich auf dem Land, genauer am Mittelgebirgsrand. Kein ÖPNV nach 15:00 Uhr, oder am Wochenende oder in den Ferien. Kein car sharing. 3km Anstieg zu meinem Wohndorf mit bis zu 13% Steigung. 7km zum nächsten Laden. 15 km zur nächsten Kleinstadt. Wie bringt man da ohne Auto die Kinder zum Sport oder Schwimmen in die Stadt?
    Vereinssport bis 20:00 Uhr und dann noch 45 min im dunkeln heim radeln?
    Klar, man kann sie ja auch begleiten. Und morgens um 3:30 Uhr aufstehen, weil um 6:00 Uhr Schichtbeginn in der 25 km entfernten Arbeitsstelle ist.
    Als Leiharbeiter findet man bestimmt auch gut einen Job ohne Auto. Mein vorletzter Leiharbeitgeber (und netter Weise auch die VERDI, DANKE dafür!) fand es auch völlig zumutbar für 7,38€/h Brutto 220km zur Arbeit und zurück fahren zu dürfen. Immer mit der Möglichkeit drei Tage später wieder 110 km in die andere Richtung fahren zu müssen.

    Was ich sagen möchte: Es gibt viele Menschen die inzwischen auf ein Auto verzichten möchten, doch gibt es oft zu viele Hindernisse das auch machen zu können. Von den Menschen wird inzwischen erwartet entweder auf ihre geliebte Heimat zu verzichten, oder mit dem Auto weit zu pendeln. Und dann wundern sich die Politiker, dass die Dörfer vergreisen…

    • 3. Dezember 2012 um 23:12 Uhr
    • Karl-Heinz
  9. Kommentar zum Thema

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